Ja, er hat es wieder getan. Warum auch nicht? Wenn Hollywood eine gute Idee in die zweite Runde schicken kann, dann ist das auch einem deutschen Comedy-Bestseller-Autor gestattet. Und so hat Christian Huber alias Pokerbeats seiner 2017er Erfolgsgeschichte "7 Kilo in 3 Tagen" in diesem Jahr eine ähnlich gestrickte Story hinterhergeschickt.
Wer sich noch erinnert: "7 Kilo in 3 Tagen" war kein Diätratgeber, auch wenn man das bei der Erstellung der Spiegel-Bestsellerliste vermutlich angenommen hat (warum sonst stand das Buch bei den Sachbüchern?), sondern eine ziemlich amüsante Geschichte, die ausmalte, was Chris Rea in seinem Hit „Driving Home for Christmas“ nur andeutet: Nämlich das Nach-Hause-Kommen zu Mama und Papa, Opa und Oma, Tante und Onkel etc. etc., also ins heimische Nest, dem man als Mittzwanziger eigentlich längst entwachsen ist. Mit allen Fressorgien und Reibereien, mal lustig, mal peinlich, die sich rund um das Fest der Liebe so gerne ereignen.
Nun ist ein Jahr später und wieder geht es heim. Wenn Bruce Willis in seiner Erfolgsreihe „Die hard“ zu Weihnachten immer zur falschen Zeit an der falschen Stelle ist, so gilt das mit Abstrichen auch für Bastian „Basti“ Kollinger, den sympathischen Chaoten, der für Lichterglanz und Braten gerne einmal einige Tage von der Großstadt zurück in die heimatliche Provinz wechselt. Aber: Bastian wird diesmal Heiligabend nicht (nur) zu Hause sein. Zum ersten Mal. Und das muss er seiner Mutter jetzt irgendwie beibringen.
Zumindest dem Schwandorfer Leser ist schnell klar: Bastian alias Christian schreibt nicht nur topografisch ziemlich scharf an der Realität entlang. Wer das Schwarzendorf im Buch mit dem echten Schwandorf gleichsetzt wird immer wieder Bekanntes finden – von den Straßen über die Kneipen bis hin zu einzelnen Personen. Der Wiedererkennungseffekt macht Spaß, aber die Geschichte funktioniert auch ohne diesen spezifischen Lokalkolorit.
Natürlich unterscheiden sich die beiden Bücher. In „Alle anderen können einpacken“ hat die Hauptfigur eine neue Freundin, dessen Eltern ihn schon hassen, bevor sie ihn noch kennengelernt haben. Und es spielt ein freundlicher Mann aus Ghana mit, der als Teilzeit-Chauffeur der Großeltern anstandslos in die Familie integriert wird. Mit seiner Hilfe lässt sich vom Autor ganz trefflich aufzeigen, welche rechtsradikalen Deppen sich auch in der Altersgruppe von Bastian herumtreiben.
Vieles ist stimmig in dem Buch, aber an einer Stelle hält Pokerbeats Huber die Zeitungsleute für deutlich lustiger, als sie sind. Denn es hat vermutlich noch nie einen Lokalteil gegeben, in dem der Artikel über die Weihnachtsfeier der Freiwilligen Feuerwehr mit „Löschen impossible“ überschrieben wurde. Ganz zu schweigen vom Titel der Reportage über die Pralinenmanufaktur: „Köstlichkeiten, von denen man nie ge-Nougat“. Das ist die Art von Kalauer, mit denen Christian Pokerbeats Huber bei seinen 42 000 Followern auf Twitter jeden Tag Erfolg hat. Ein Erfolg, dem man auf jeden Fall auch seinem neuen Buch wünschen darf.
Christian Pokerbeats Huber, "Alle anderen können einpacken - Über Weihnachten nach Hause", rororo-Taschenbuch, 192 Seiten, 10 Euro














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