20.12.2019 - 11:44 Uhr
SelbDeutschland & Welt

Unterwegs im Winterland

Schnee, Eis und Winterlandschaften gibt es in Hohenberg an der Eger derzeit zur Genüge - zumindest im Museum. Das Porzellanikon lädt zu einer stimmungsvollen Reise durch die kalte Jahreszeit ein.

Jede Menge „Vögel im Winter“ hält die Ausstellung für die Zuschauer bereit.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die ersten Olympischen Winterspiele 1924 in Chamonix-Mont-Blanc in Frankreich und das Porzellanikon in Hohenberg a.d. Eger haben augenfällig erst einmal gar nichts miteinander zu tun. Die aktuelle Sonderausstellung "Winterzauber" verknüpft allerdings die beiden Aspekte. Gezeigt wird nämlich die Figur "Eislauf-Paar" des französisch-belgischen Keramiker Charles Catteau, gefertigt in der belgischen Steingutfabrik Boch Frères. Und diese zeigt mutmaßlich - zu 100 Prozent gesichert ist es nicht - die damaligen Paarlauf-Olympiasieger Helene Engelmann und Alfred Berger aus Österreich: Eng aneinandergeschmiegt gleitet das Paar in einer spürbaren Leichtigkeit über das Eis.

240 Exponate ausgewählt

"Die Ausstellung soll was für Herz sein", betont Hauptkuratorin Petra Werner, die den "Winterzauber" konzipiert hat. Zurückgegriffen hat sie dabei ausschließlich auf den Eigenbestand und daraus etwa 240 Exponate ausgewählt. Ziel sei es auch gewesen, dass die Ausstellung nicht "zu wissenschaftlich" daherkomme - was der Betrachter sicher auch bestätigen wird: Es gibt keine textlastigen Erklärungen, die man unbedingt lesen muss. Stattdessen wirken die Stücke ausschließlich übers Anschauen, auch der Rundgang durch die knapp 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche kann sicher jeder selbst erschließen.

Die Exponate - Figuren, Zierartikel und Service - sind in der Zeit von etwa 1900 bis heute entstanden - und haben eben den Winter als zentrales Thema: Das sind verschneite Landschaften und Orte, das ist der Wintersport und die Wintermode. Und es ist in einem großen Maß auch das Leben der Tiere im Winter. "Wir haben uns bewusst entschieden, auf typische Weihnachtsobjekte zu verzichten", erklärt Werner. Hier und da gebe es auf manchen Exponaten zwar dezente Hinweise, allerdings würden sie nicht dominieren.

Anregungen in Modezeitschriften

In den Ausstellungsstücken lassen sich auch verschiedene gesellschaftliche Veränderungen ablesen: Ab 1900 vollzieht sich eine grundlegende Wandlung der Stellung der Frau in der gesellschaftlichen Ordnung. Die Porzellangestalter gehen gezielt auf das Thema der mondänen und sportlichen Frau ein. Anregungen finden sie in den Modezeitschriften. Zwingend zur eleganten weiblichen Wintergarderobe gehört jetzt der Muff, der später von den Pelzhandschuhen verdrängt wird, sowie ausladende Hüte und Pelz am Gewandsaum. Außerdem entdeckt die Frau um 1900 ihre Vorliebe für das Skifahren in den Bergen oder amüsiert sich auf Eisbahnen. Neben den Manufakturen KPM Berlin, Meißen und Nymphenburg stellen auch die Porzellanfabriken sportlich gekleidete Damen mit Schlittschuhen und Skiern her.

Ein besonderer Hingucker im "Winterzauber" ist die Inszenierung "Vögel im Winter", wo die Tiere in ihrem typischen Verhalten dargestellt werden. Aber auch andere beeindruckende Exponate wie beispielsweise Eisbären, Hermeline oder Eulen fehlen nicht. Nachempfinden lassen sich die Wintermotive in der Ausstellung auch auf "klassischem" Geschirr - mehrere Teller, Tassen und Kannen verdeutlichen dies. Und unterstreichen dabei noch einmal, welche Beliebtheit die winterlichen Motive auch im "Alltagsgebrauch" haben.

Info:

Service

Ausstellung: „Winterzauber“. Bis 9. Februar 2020.

Ort: Porzellanikon Hohenberg, Schirndinger Straße 48, 95691 Hohenberg an der Eger

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 17Uhr; Feiertage 10 – 17 Uhr. Heiligabend und Silvester geschlossen

Kontakt: Telefon 09233 7722-0

E-Mail: dpm[at]porzellanikon[dot]org

Eintrittspreise: Kombikarte: 6,50 € / 5,00 €

Selb: 5,00 € / 4,00 €

Hohenberg: 3,00 € / 2,00 €

Eintritt Sonntagsimmer nur 1,00 €

Kinder bis 18 Jahre immer kostenlos

www.porzellanikon.org/

Das Eislauf-Paar hat historische Vorbilder – nämlich die Olympiasieger aus dem Jahr 1924.
Kuratorin Petra Werner hat in der Konzeption auf Exponate aus dem Eigenbestand gesetzt.
Eine Schlittenfahrt darf natürlich nicht fehlen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.