11.09.2019 - 16:29 Uhr
Deutschland & Welt

"Nicht selbstzufrieden werden"

Auch wenn es 2000 Besucher weniger waren als noch im Vorjahr: Künstlerisch und wirtschaftlich läuft es rund bei den Luisenburg-Festspielen. Für Künstlerische Leiterin Birgit Simmler ein Grund, auch über das Jahr 2021 hinauszudenken.

Das Familienmusical „Magadascar“ war der Publikumsrenner der abgelaufenen Luisenburg-Saison mit knapp 43 000 Besuchern.
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Ich bin sehr glücklich in diesem Jahr": Für Birgit Simmler war es eine erfolgreiche Saison, die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen ist. Das belegen auch die Zahlen: Insgesamt konnten 148.336 Besucher gezählt werden. Das sind zwar 2000 weniger als noch in der Vorsaison, allerdings weiterhin eine Besucheranzahl auf hohem Niveau. "Ich denke, dass die Linien, die ich mir vorgenommen habe, klar erkennbar geworden und vom Publikum gut angenommen wurden", erzählt die Simmler, die das Programm der Luisenburg-Festspiele seit der Saison 2018 verantwortet.

Fünf Eigenproduktionen

Dazu gehören für die Künstlerische Leiterin drei wesentliche Punkte, die mit den fünf Eigenproduktionen "Die Päpstin", "Madagascar", "Grease", "Shakespeare in love" und "Zucker" erreicht wurden: Das populäre Autorentheater hat seinen festen Platz genauso wie das Musical als Kunstform. Außerdem wurde auch der Aspekt der Regionalität in den Spielplan aufgenommen. "Insgesamt bin ich ruhiger und entspannter in die Spielzeit gegangen", blickt Simmler zurück. Das habe auch an Optimierungsprozessen gelegen, die man nach der Saison 2018 in Gang gesetzt habe. Erstmals sei beispielsweise auch im Schauspiel die akustische Verstärkung durch Mikroports gezielt und dosiert eingesetzt worden, was zu einer besseren Verständlichkeit in allen Spielsituationen geführt habe. "In meiner ersten Saison hatte ich natürlich auch Anfangsfehler begangen", räumt Simmler rückblickend ein.

Umso erfreuter sei sie nun, dass das Konzept der Spielzeit 2019 künstlerisch wie auch wirtschaftlich aufgegangen sei. Die Gesamtauslastung lag bei über 81 Prozent, manche Produktionen hätten sich auch Dank Mundpropaganda und positiver Kritiken in den Medien so entwickelt, dass gerade zum Ende der Spielzeit hin viele Vorstellungen komplett ausverkauft waren. Publikumsrenner in der abgelaufenen Saison war Madagascar mit knapp 43 000 Besuchern, Grease wurde von knapp 32000 Besuchern gesehen und das Schicksal der Päpstin verfolgten 25 500 Besucher. Die Komödie "Shakespeare in Love" verfolgten 7500 Zuschauer, nach wie vor großer Beliebtheit erfreut sich die Operette mit insgesamt 15 000 Zuschauern.

"Man darf allerdings nicht selbstzufrieden werden", warnt Simmler. Denn Optimierungsmöglichkeiten gebe es auch weiterhin. Ein Anliegen sei ihr natürlich, dass bei den Eigenproduktionen auch die Gesamtheit der Bühne - also Breite, Tiefe und Höhe - genutzt werde. "Die Luisenburg ist eine besondere Bühne und muss als Partnerin verstanden werden", so Simmler. Für den Spielplan 2020 geht sie davon aus, dass sich das bei allen Produktionen realisieren lässt. "Auf dem Programm stehen viele Himmel-und-Hölle-Stücke, in denen es um die Entscheidung zwischen Gut und Böse geht", erklärt Simmler. Sie selbst wird bei dem Musical "Der Name der Rose" Regie führen, ein Stück, das in diesem Sommer Premiere in Erfurt seine Premiere feierte. "Ich liebe das Buch, ich liebe den Film, das ist genau mein Stoff", schwärmt Simmler. Das werde aber auch richtig harte (Regie-) Arbeit, um den spannenden und anspruchsvollen Stoff für die Luisenburg umzusetzen.

Mit Charme und Humor

Ein Wiedersehen wird es mit dem Brandner Kaspar geben, allerdings nicht in dem bekannten Luisenburg-Klassiker, sondern in der Fortsetzung "Der Brandner Kaspar kehrt zurück", die von Wolfgang Maria Bauer 2017 geschrieben wurde und noch ganz "frisch" ist. "Das Stück hat denselben Charme und denselben Humor wie der Klassiker", sagt Simmler. Regie führen wird der Autor selbst, der früher schon auf der Luisenburg inszeniert hat.

Ebenfalls auf dem Programm steht "der" Theaterklassiker schlechthin - nämlich Goethes "Faust". Regie wird Christoph Biermeier führen, der schon auf mehrere "Faust"-Inszenierungen zurückblicken kann. "Geplant ist, Cross-Over-Elemente in Form von beispielsweise Akrobatik einzufügen", berichtet Simmler. Änderungen am Text werde es allerdings nicht geben: "Das wird Goethe in Reinform", verspricht die Künstlerische Leiterin.

Eigene Übersetzung

Als Familienmusical wurde für die Saison 2020 "Pinocchio" in deutschsprachiger Erstaufführung auserkoren, eine ursprünglich italienische Produktion, für die es eine eigene Übersetzung geben wird. Regie wird Markus Pol führen, der 2018 als Professor Higgins in "My Fair Lady" auf der Luisenburg-Bühne stand. Eine fünfte Eigenproduktion mit einem regionalen Stoff ist auch für die kommende Saison angedacht. Ob es eventuell sogar eine Wiederaufführung des Musicals "Zuckers" wird, das in der abgelaufenen Saison erfolgreich uraufgeführt würde, steht noch nicht fest. "Aber ich würde mir schon wünschen, dass das Stück mit Regionalbezug bald nochmal kommt", betont Simmler.

Dass die Leiterin deutlich auf der Luisenburg "angekommen" ist, steht außer Frage. Und irgendwie ist auch die Charaktersierung "Sie ist gekommen, um zu bleiben" nicht ganz abwegig: Ihr Vertrag läuft bis einschließlich der Spielzeit 2021, die Gespräche über eine Verlängerung sind bereits im Gange. Und da Simmler diese als "sehr positiv" bewertet, kann wohl davon ausgegangen werden, dass sie den Festspielen mindestens bis zur Saison 2025 erhalten bleibt.

Info:

Spielplan 2020

- Familienmusical „Pinocchio“, Premiere 26. Mai

- Musical „Der Name der Rose“, Premiere 12. Juni

- Komödie „Der Brandner Kaspar kehrt zurück“, Premiere 26. Juni

- Tragödie „Faust“, Premiere 10. Juli

- Operette „Die Fledermaus“, Premiere 20. August

- Oper „Hänsel und Gretel“, Premiere 28. August

www.luisenburg-aktuell.de

Birgit Simmler kann auf eine erfolgreiche Spielzeit 2019 zurückblicken – sowohl in künstlerischer wie auch wirtschaftlicher Hinsicht.
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