Würzburg.Manfred Maurenbrecher ist ein echter "Typ", ein klassischer Liedermacher, einer der guten alten Schule. Jemand, der sich nicht verbiegt, der sich nicht anpasst, der sich treu bleibt. Und deswegen passt er auch so gut zu den "Songs an einem Sommerabend", die am Wochenende zweimal im Park des Würzburger Klosters Himmelspforten zu hören waren. Radio-Legende Ado Schlier ist es wieder gelungen, ein anspruchsvolles Programm zusammenzustellen - und das mittlerweile zum 32. Mal. Nach 30 Jahren Kloster Banz und einem Abstecher 2017 nach Südtirol ist das Festival an seiner neuen Spielstätte Würzburg angekommen.
Maurenbrecher ist zum wiederholten Mal dabei, in diesem Jahr wieder mit dem Multi-Saxofon-Instrumentalisten Richard Wester. Vorgetragen mit seiner unverwechselbaren brummigen Stimme, sorgt er mit "Primatenprimat" für das Lied des Abends. Ein Lied, das er erst wenige Tage zuvor geschrieben hat und durch das er, wie Maurenbrecher betont, vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder inspiriert wurde. Es wird eine Abrechnung mit Söder und dessen jüngsten politischen Äußerungen. "Jetzt kommt eine Zeit dran für die allergröbsten Klötze, Primatenprimat, alles, was die Hunde hetzt", singt er. Immer mehr werde die politische Schraube angezogen - "nach rechts natürlich, damit's auch hält". Das alles vorgetragen mit poetischer Dynamik und lyrischer Wucht, begeistert die Besucher, die es sich auf der Wiese vor der Bühne und den Stühlen gemütlich gemacht.
Star des Festivals ist Giora Feidman, jener mittlerweile 82-jährige Klarinettist, der als einer der Weltbesten an diesem Instrument gilt. Sein Alter merkt man Feidman nicht an: Wenn er mit der Klarinette in den Dialog tritt und mit dem Instrument verschmelzt, dann steht da der Feidman auf der Bühne, den man seit Jahrzehnten kennt und der nicht altert. Der sich seinen verschmitzten Charme behalten hat und auf ganz unprätentiöse Art und Weise die Zuhörer in seinen Bann zieht. Mit ihm sind es seine musikalischen Partner "Gitanes Blondes, die die Zuhörer mal temperamentvoll, dann wieder fast besinnlich mit Klezmer-Musik begeistern. Feidman bleibt sich treu in seinen Ansagen zwischen den einzelnen Stücken - als Idealist, als unerschütterlicher Optimist, als Mahner für die Essenz des Lebens, die aus Liebe und Frieden besteht.
Mit großen Liedermacher-Qualitäten und schonungslosen Gedichten überzeugt Heinz Rudolf Kunze. Im Gepäck hat er den Klassiker "Balkonfrühstück", in den sich ohne Schwierigkeiten in die Textzeile über die verbotene neonazistische Wehrsportgruppe Hoffmann auch ein Schwenk zur AfD einbauen lässt. Einen besonderen Gruß hat Kunze auch für Donald Trump dabei, den er als "Monster und sein Drecksregime" abkanzelt. Der Wahrheit habe der US-Präsident den Krieg erklärt und für das Land hat Kunze Mitleid parat: "Amerika - mit diesem Mann hast Du Dich selbst beleidigt". Freuen dürfen sich die Besucher zudem über Lieder vom neuen Album, aber auch über den Klassiker "Finden Sie Mable!"
Es ist auch ein Festival der ungewöhnlichen und eindringlichen Momente: So stimmt Sharon Brauner mit ihrer Band jüdische Lieder, die tief in die jiddische Kultur blicken lassen und zugleich eine Sängerin mit ganz großer Stimme entdecken lassen. In die Welt des Fado entführt die portugiesische Sängerin Carminho mit ihren Liedern voller Emotionen und Sehnsüchten. Viel Applaus gibt es auch für die zahlreichen weiteren Akteure des Abends wie Dominik Plangger, Carolin No & Friends sowie Moderator Matthias Brodowy. 2019 gehen die "Songs" am 14. und 15. Juni an selber Stelle über die Bühne: Als erste Künstler stehen Liedermacher Klaus Hoffmann sowie Hans-Jürgen Buchner ("Haindling") fest.
02.07.2018 - 18:14 Uhr
Söder und Trump die Leviten gelesen
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