15.05.2018 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbriefe Nicht jeder mit Söders Verordnung über Kreuz

Zur Kreuz-Diskussion erreichten uns weitere Leser-Zuschriften:

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält vor Journalisten ein Kreuz, das er im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei aufhängt. Bild: Peter Kneffel/dpa
von Externer BeitragProfil

"Haben wir nicht genug Probleme?"

Sicher hatte auch ich gehofft, dass Söder sich so entscheidet. Anders hätte es ihn einen Batzen Stimmen gekostet. Das weiß er selber auch. Nun zu meiner ganz persönlichen Meinung. Wenn ich ein öffentliches Gebäude betrete und im Eingangsbereich hängt ein Kreuz, dann freue ich mich erstmal. Ich glaube aber auch und bin überzeugt, dass dort ein guter Geist wohnt. Was spricht eigentlich dagegen? Haben wir nicht vor der Haustür - und darüber weit hinaus - genug Probleme? Wollen wir davon ablenken, wenn wir uns mit Dingen die Köpfe einschlagen, die eigentlich für uns immer gut und selbstverständlich waren? Wann schalten wir und kehren um?

Maria Lacher-Öller, 92548 Schwarzach

Masskrüge und Weißwürste

Schon wieder gibt es Grund zur öffentlichen Aufregung, diesmal bloß, weil der Söder in jedes bayerische Amt ein Kreuz hängen lassen will. Mit der Landtagswahl im Herbst hat das sicher nichts zu tun, wie manche meinen, denn wer würde unserem frischgebackenen Ministerpräsidenten solch leicht durchschaubare Wahlkampfmanöver unterstellen wollen? Bezweckt wird stattdessen, jeden Muslim beim Behördengang daran zu erinnern, dass er nicht zu Bayern gehört (Bayern gehört ja schließlich auch nicht zum Islam).

Söder tritt damit nicht nur in die Fußstapfen seines Vorgängers, er vergrößert diese auch gleich um ein paar Schuhnummern. Praktischerweise könnte man zugleich die vielen Kreuze, die nach dem berühmten Kruzifix-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995 aus den bayerischen Klassenzimmern entfernt werden mussten, wieder einem sinnvollen Verwendungszweck zuführen - zumindest bis zur nächsten gegenteiligen Entscheidung der Karlsruher Richter. Aber gut, um weitere Gefühlsausbrüche bis hin zu einem neuen Religionskrieg zu vermeiden, sollte der neue Ministerpräsident einfach wertneutralere Gegenstände als Symbole unserer bajuwarischen Ausgrenzungs-Kultur anbringen lassen.

Masskrüge beispielsweise würden sich im Foyer einer jeden Behörde als identitätsstiftender Wandschmuck gut machen und zugleich - da man die Krüge vor dem Aufhängen ja leer trinken muss - in tristen Amtsstuben sowohl bei praktizierenden Christen als auch bei religiös indifferenten Mitbürgern eine stimmungsaufhellende Wirkung erzeugen. Bei Weißwürsten wäre das im Prinzip ähnlich, diese müssten aber immer rechtzeitig wieder von der Wand abgehängt und aufgegessen werden, denn die sollen ja das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören. Letzteres ist ebenfalls seit biblischen Zeiten fester Bestandteil des bayerischen Klangspektrums, somit könnte man in allen Behörden zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 15.30 Uhr das Zwölf-Uhr-Läuten durch die Eingangshallen von Einwohnermeldeämtern und Kfz-Zulassungsstellen schallen lassen.

Der traditionell eher entspannte bayerische Behördenmitarbeiter lässt sich aber von all diesen hitzigen Diskussionen seine landestypische, Leitkultur tragende Bierruhe nicht davontragen und kommentiert höchstens lapidar: "Ja, Kruzifix, jetz regts eich doch net auf wecha so an Schmarrn!"

Ulrich Lommer, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Lederhose an einen Nagel hängen

Das Anbringen eines Kreuzes in öffentlichen Gebäuden ist nach meiner Auffassung eindeutig ein taktisches Wahlkampfmanöver Söders, vor allem, weil er befürchtet, die AfD könne der CSU bei der anstehenden Landtagswahl die Mehrheit nehmen. Ob ein Kreuz in öffentlichen Gebäuden als äußeres Zeichen der bayerischen Identität (natürlich im Sinne der CSU) sinnvoll ist, ist fraglich; es ist das Sinnbild des christlichen Glaubens und eine persönliche Angelegenheit. Und Glaubensangelegenheiten haben meines Erachtens in öffentlichen Gebäuden nichts zu suchen. Dafür sind die Kirchen da.

Ich würde gerne wissen, wie viele der 56 Prozent Kreuz-Befürworter regelmäßig den wöchentlichen Gottesdienst besuchen. Die bekannte Journalistin Birgit Kelle vertritt sogar die Auffassung, dass in jeder Amtsstube ein Kreuz vorhanden sein sollte. Warum denn nicht noch ein Kreuz in jeden Abstellraum oder jede Toilette oder die Verpflichtung zum Gemeinschaftsgebet aller Behördenbeschäftigten vor Dienstantritt? Im Übrigen stellt sich die Frage, ob das Kreuz, welches Söder angebracht hat, von einem Geistlichen geweiht bzw. gesegnet wurde. Außerdem habe ich nicht bemerkt, dass sich Söder nach dem Anbringen des Kreuzes davor demütig verbeugt oder bekreuzigt hat. Anstelle dessen hat er sich davor in Pose gestellt und den anwesenden Journalisten ein demonstratives Lächeln zugezwinkert.

Es war nur eine vorgezogene Wahlveranstaltung, eine Polit-Show, und sonst nichts. Ein christliches Verhalten habe ich bei Herrn Söder ohnehin noch nicht festgestellt, auch wenn er sich zu seinem evangelischen Glauben bekennt. Man denke nur an den Verkauf der GBW-Wohnungen. Und wenn Söder einen Gegenstand ausschließlich zum Ausdruck der bayerischen Kultur verwenden will, dann wäre es besser gewesen, eine Lederhose oder einen Masskrug an einen Nagel zu hängen.

Manfred Ramsauer, 92729 Weiherhammer

"Glauben nicht selber abschaffen"

Ich unterstelle mal dem bayerischen Ministerpräsidenten keine Wahlkampfaktion. Wir sind nun mal ein christliches Land. Wir feiern ganz groß die Geburt Christi und die Auferstehung. Wir haben in Bayern die meisten Feiertage, darunter viele christliche. Wir bekennen uns zum Christentum mit heiligen Sakramenten (Taufe, Kommunion, Ehe). Viele, die Geschäfte eröffnen, wollen den Segen der Kirche. Es gibt Autosegnungen, Tiersegnungen usw. Die Heiligen Drei Könige segnen die Wohnungen und Häuser.

Völlig unverständlich ist mir jetzt diese Diskussion um den Beschluss der bayerischen Staatsregierung. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass in den öffentlichen Gebäuden ein Symbol der Christen sichtbar ist. Wir sollten uns mal fragen, warum denn eine Anordnung des Ministerpräsidenten notwendig ist. Wenn in einem öffentlichen Gebäude bereits ein Kreuz existiert, ist die Anordnung völlig überflüssig.

Wir sollten uns zu unserem Glauben bekennen und zu dem Kreuz, dem Symbol Christi. Früher war in jedem Klassenzimmer, jeder Arztpraxis, jedem Krankenhaus ein Kreuz. Viele Halsketten zierten sich mit einem Anhänger, dem Kreuz. Heute kennen viele Jugendliche gar nicht mehr die Geschichte der Christen. Feiertage ja, aber bekennen - nein. Das ist scheinheilig. Wir sollten unseren Glauben, unsere Kultur und unsere Werte nicht selber abschaffen, sondern sollten stolz darauf sein und uns auch zu den christlichen Symbolen bekennen.

Gerald Bolleininger, 92637 Weidendie Redaktion veröffentlicht Ihre Zuschriften gerne. Leserbriefe sollten auf Inhalte unserer Zeitung Bezug nehmen, den Artikel und den Erscheinungstag nennen. Sie sollten außerdem möglichst kurz abgefasst sein. Wir behalten uns Kürzungen vor. Bitte geben Sie Name, Vorname, Adresse und eine Telefonnummer für Rückfragen an.

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Kommentare

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Heinz Rahm

Ich war viele Jahre Mitglied in dieser CSU. Und ich bin der festen Überzeugung, dass es sich hier nur um eine kurzfristige Wahlkampfaktion handelt, um noch einige unentschlossene Kirchgänger an díe Urne zum "richtigen" Kreuz(chen) zu locken. Als Christ habe ich absolut nichts dagegen, dass da Kreuze hängen. Aber wenn das Motiv dahinter unlauter ist, habe ich meine Bedenken. Aber wie will Söder noch anders agieren, wenn es seit vielen, vielen Jahren ständig heißt:
"Seehofer will ..."
"Seehofer plant ..."
"Seehofer hat vor ..."
"Seehofer kündigt an ..."
Mittlerweile wird er schon von vielen als "Bundesankündigungsminister" bezeichnet.
Und was passiert darauf? Nichts, nichts, nichts, absolut nichts! Da muss ja eine Verzweiflungsaktion her, denn irgendwann merkt doch auch der lethargischste Wähler, dass da etwas nicht stimmt.

26.06.2018