Update 13.10.2026 - 12:53 Uhr

Sofia: Erneut Drohnenangriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer

Vor Bulgariens Schwarzmeerküste werden erneut Schiffe angegriffen. Die Regierung in Sofia verdächtigt Russland, der Botschafter wird einbestellt. Bulgarien hofft derweil auf Unterstützung aus Brüssel.

Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radev zufolge gab es vor der Küste des Landes erneut Drohnenangriffe auf kommerzielle Schiffe. (Archivfoto) Bild: Michael Kappeler/dpa
Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radev zufolge gab es vor der Küste des Landes erneut Drohnenangriffe auf kommerzielle Schiffe. (Archivfoto)

Im Schwarzen Meer sind vor der bulgarischen Küste nach Angaben der Regierung in Sofia erneut zwei Handelsschiffe mit Drohnen angegriffen worden. Die Behörden starteten einen Such- und Rettungseinsatz, wie Ministerpräsident Rumen Radew der Nachrichtenagentur BTA zufolge erklärte. Die Angriffe, die sich in der exklusiven Wirtschaftszone des Landes und nahe am bulgarischen Hoheitsgebiet zutrugen, seien „absolut inakzeptabel“. 

BTA zufolge wurde rund 33 Kilometer östlich des Küstenortes Bjala das ukrainische Schiff „Chelsea 3“ von drei Drohnen getroffen, 15 Besatzungsmitglieder konnten in Sicherheit gebracht werden. Fünf von ihnen werden demnach wegen leichter Verletzungen behandelt. Bei dem zweiten Vorfall, rund 31 Kilometer vor dem Ort Krapez nahe der rumänischen Grenze, wurde ein Schiff getroffen und versenkt. Ein Besatzungsmitglied sei gerettet worden.

Russische Botschafterin einbestellt

Nach einer Sitzung des Sicherheitsrats beim Ministerrat in Sofia wurde die russische Botschafterin in Bulgarien, Eleonora Mitrofanowa, von Regierungschef Radew einbestellt. Bei einem weniger als einer Stunde dauernden Gespräch im Regierungssitz mit Radew soll Mitrofanowa nicht ausgeschlossen haben, dass es sich bei den Angriffen um „Provokation“ handelt, wie das öffentlich-rechtliche bulgarische Fernsehen BNT berichtete. 

Der bulgarische Ministerpräsident soll BNT zufolge Mitrofanowa erklärt haben, dass Bulgarien über keine „zuverlässigen Beweise“ zur Herkunft der Drohnen verfügt, es „keine Logik“ gebe, dass die Ukraine ihre eigenen Schiffe vernichtet, die Ergebnisse dieser Angriffe aber zugunsten von Russland seien. Die Botschafterin sagte dem Bericht zufolge, dass sie keine Information des russischen Verteidigungsministeriums habe. 

Bulgarien fordert technische Hilfe von Nato und EU

Die Nato werde weiterhin mit ihren Verbündeten im Schwarzen Meer eng zusammenarbeiten, versicherte Nato-Generalsekretär Mark Rutte bei einem Telefongespräch mit Radew. Die Nato habe bereits seine Aufstellung an der Ostflanke gestärkt. Die Allianz werde das Sicherheitsumfeld weiterhin beobachten, um ihre Aufstellung zur Abschreckung und Verteidigung anzupassen, so Rutte.

Dabei rief Radew zu „gemeinsamen Bemühungen“ zur Einstellung von Angriffen auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer auf, wie die bulgarische Regierung in Sofia mitteilte. Er appellierte demnach zur Unterstützung bei der Stärkung von Bulgariens Überwachung seines Hoheitsgebiets im Schwarzen Meer und seines Luftraums. Ein ähnliches Telefongespräch soll Radew auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geführt haben.

Bulgarien könne noch nicht mit Gewissheit sagen, wer für die jüngsten Angriffe verantwortlich sei, doch alles deute darauf hin, dass die Attacken den Zielen Russlands förderlich seien, erklärte Radew. 

Auch Thema in Brüssel

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisierte die Attacken auf der Plattform X als eine weitere Eskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte sie. Die EU stehe an der Seite Bulgariens und danke den örtlichen Behörden für ihren schnellen Einsatz. 

Radew wolle Gespräche mit dem benachbarten EU- und Nato-Land Rumänien und mit der Türkei initiieren, teilte die Regierung in Sofia mit. Dabei soll es um „Garantie der Sicherheit“ der Schifffahrt im Schwarzen Meer gehen. Das Thema werde von Radew auch bei der bevorstehenden Tagung des Europäischen Rats am 15. und 16. Oktober eingebracht.

Frühere Vorfälle und Schuldzuweisung

Bereits vor gut einer Woche hatte es im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste Drohnenangriffe auf Frachtschiffe gegeben. Sofia bat die Europäische Union und die Nato um technische Hilfe bei den Ermittlungen. Beide Schiffe waren beschädigt worden, eines davon sank. 

Kiew hatte die Schuld an den früheren Angriffen Moskau zugewiesen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sah darin „einen weiteren Ausdruck der russischen Bemühungen, den westlichen Teil des Schwarzen Meeres für die Schifffahrt völlig untauglich zu machen“.

© dpa-infocom, dpa:261013-930-831447/2

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