28.09.2018 - 11:30 Uhr
Deutschland & Welt

Sound-Magier

Roland Van Campenhout ist eine lebende Legende. Er ist ein Archetypus für eine fast ausgestorbene Sorte Künstler - der des Sound-Magiers, fest im Blues und Folk verwurzelt, gleichzeitig offen für ziemlich alle Genres.

Roland Van Campenhout hat beim Kölner Label "Meyer Records" seine aktuelle CD veröffentlicht. Sie trägt den Titel "Folksongs From A Non-Existing Land".
von Autor MFGProfil

Gleich die ersten Töne des Albums "Folksongs From A Non-Existing Land" (Meyer Records) lassen den Hörer tief eintauchen in die archaische, verwunschene Atmosphäre ihres Schöpfers, Urgestein Roland Van Campenhout. Der belgische Meister-Gitarrist und -Sänger kreiert eine so karge wie mysteriöse Klanglandschaft, nicht unähnlich Ry Cooders Jahrhundert-Soundtrack für den Wim Wenders-Streifen "Paris, Texas". Aber auch Assoziationen zum Derwisch Captain Beefheart werden wach, zum Meister-Songwriter Tom Waits, zum Schamanen Dr. John.

Der mittlerweile 73-jährige Artist selbst definiert den Stoff auf seinem aktuellen Werk als "Mantra-Blues mit poetischen Versen" oder wahlweise als "Elektronischen Voodoo-Swamp mit Haiku-Lyrik". Versponnen ist das Ganze alldieweil, der Neugierige begibt sich auf eine geradezu mystische Reise im Laufe der sieben Kompositionen. Aufgenommen wurde das Wunderwerk im belgischen Gent, gemischt vom gebürtigen Australier Joe Talia in Tokio, wodurch die immer wieder eingestreuten fernöstlichen Klänge besser nachvollziehbar sind.

Als Jugendlicher - von Autor Jack Kerouacs Beatnik-Klassiker "On The Road" als Lebensphilosophie inspiriert, gleichfalls von den unsterblichen Werken der Beat-Heroen Allen Ginsberg oder William S. Burroughs - gehörte er einer Skiffle-Combo an. Ab Ende der 1960er wandte der Mann mit dem Catweazle-Bart sich verstärkt dem Blues zu, spielte eine Zeitlang in der Band von Rory Gallagher, gab sich ein Stelldichein etwa mit Tim Hardin oder Leo Kottke. Ab 2000 gab es Kooperationen mit den wesentlich jüngeren belgischen Crossover-Interpreten Sioen und Helmut Lotti.

Mit "Folksongs From A Non-Existing Land" ist der charismatische Schrat allerdings wieder ganz bei sich und in eigener Mission unterwegs. Und auch wenn die aktuellen Lieder aus einem "nicht-existierenden Land" stammen - der Trip in diese imaginäre Welt lohnt sich definitiv.

"In jenem Titel steckt eine Menge Humor", lacht Van Campenhout. "Andererseits beschreibt er auch meine musikalische Entwicklungsgeschichte. Denn ursprünglich komme ich vom Jazz. Und natürlich von Folk-Klängen á la Bob Dylan, Woody Guthrie oder Joni Mitchell. Andererseits reise ich seit Jahrzehnten quer durch diesen Planeten. Lerne Unmengen von Menschen kennen, schließe Freundschaften, mache mit dieser oder jener Person gemeinsam Musik. Da bleibt es nicht aus, dass sich mein Klangbild immer wieder verändert. Es wäre ja eine furchtbar langweilige Angelegenheit, wenn ich irgendeinem Sound verhaftet geblieben wäre. So ein kreativer Stillstand interessiert mich nicht."

Obwohl Roland Van Campenhout Vater starb, als der Junge gerade mal Fünf war, "hat mein Vater mich in meiner Arbeit geprägt", ist der Belgier fest überzeugt. "Mein Papa war Jazzmusiker, genauso wie mein Opa. Ich bin vollkommen sicher, dass die Beiden Einfluss auf meine Musik hatten und haben."

Letztlich entscheidend ist aber, dass "ich seit jeher viel auf Reisen bin, mich hat das On-the-road-Sein in die unterschiedlichsten Länder und Kontinente geführt", schwärmt er, "an diesem Umstand hat sich nie etwas geändert. Während ich unterwegs war, habe ich pausenlos gejammt. Von dieser Unstetigkeit, Neugierde und Offenheit lebt mein Werk."

Aus diesem Grund nennt Roland Van Campenhout sein Oeuvre auch "Ethno-Pop-Folk", das "gefällt mir als Definition", giggelt er heiter. "Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt reist - und ich tue das nach wie vor -, der bekommt wie von Zauberhand Eindrücke geschenkt. Die gilt es im Anschluss bei den eigenen Liedern zu verarbeiten."

Neben "Folksongs From A Non-Existing Land" wird nur wenige Wochen später ein Vinyl-Doppelalbum samt DVD namens "Somewhere In The Mountains" erscheinen. Auf LP 1 zu finden sind Aufnahmen der "Kitchen Recording Series", die auch ein Songbook enthalten. Auf LP 2 ein Konzertmitschnitt aus dem "Theater Der Keller" in Köln. Und die DVD bietet Ausschnitte aus verschiedenen Konzerten der letzten Jahre im selben Theater.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.