Update 24.07.2026 - 21:45 Uhr

Notstand: Waldbrände in Spanien und Frankreich wüten weiter

Frankreich und Spanien kämpfen weiter gegen Waldbrände. Rund 110.000 Menschen mussten allein in der Gironde ihre Unterkünfte verlassen – ein Ende ist nicht abzusehen. Was machen betroffene Touristen?

Schwere Waldbrände halten Frankreich und Spanien weiter in Atem. Während bei Madrid und in einer anderen spanischen Region der Notstand ausgerufen wurde, mussten an der französischen Atlantikküste Zehntausende weitere Touristen vorsorglich ihre Urlaubsquartiere räumen. In beiden Ländern sprechen die Behörden von ungünstigen Wetterbedingungen, die die Löscharbeiten erschweren.

Wegen der sich weiter unkontrolliert ausdehnenden Waldbrände an Frankreichs Atlantikküste wurden inzwischen laut Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez rund 110.000 Menschen evakuiert. 

Flammen breiten sich in Richtung Bordeaux aus

Da der Wind gedreht hat, habe das Feuer seine Ausbreitungsrichtung geändert, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez dem Fernsehsender TF1 weiter. Die Flammen breiteten sich nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus. Die Stadt sei derzeit nicht unmittelbar bedroht. Der Flughafen Bordeaux-Mérignac wurde aber wegen der dichten Rauchentwicklung geschlossen.

An der auch bei deutschen Touristen beliebten Küste bei Bordeaux mussten weitere 24.000 Menschen zehn am Becken von Arcachon gelegene Orte verlassen, wie die Präfektin des Departements Gironde, Sophie Brocas, am Nachmittag sagte. Rund 20.000 Menschen waren zuvor bereits vor allem von Campingplätzen und aus Ferienanlagen evakuiert worden. Von Cap Ferret aus wurden für die Evakuierung seit dem Morgen auch Schiffe eingesetzt.

Das Feuer habe sich laut Nuñez inzwischen auf 14.000 Hektar Fläche ausgedehnt. Das ist eine Fläche größer wie Paris. 80 Gebäude wurden von den Flammen beschädigt und davon 53 zerstört, wie auch ein Campingplatz. Rund 1.000 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand mit dem Ziel, Menschenleben und Gebäude zu retten. Unterstützt wurden sie von neun Löschflugzeugen und zwei Löschhubschraubern. Bislang kam von der Bevölkerung niemand zu Schaden. 42 Feuerwehrleute allerdings wurden überwiegend leicht verletzt.

In Brand geratener Lieferwagen setzt Wald in Flammen

Wegen eines weiteren Brandes an der Atlantikküste südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse wurden inzwischen 23.000 Menschen evakuiert. Auch hier waren vor allem Campingplätze und Urlaubsquartiere betroffen. Dort hatte ein Lieferwagen auf einer durch einen Wald führenden Landstraße wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts Feuer gefangen. Die Flammen griffen schnell auf die Natur über. 100 Häuser wurden bei dem Brand beschädigt, 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Dramatische Szenen gab es auch bei einem Reitgestüt in Biscarrosse: Wie auf Videobildern der Zeitung „Le Figaro“ zu sehen war, wurden die Pferde aus ihren Stallungen gelassen, damit sie sich über die Straße galoppierend vor dem heranrückenden Brand retten konnten.

Wann die Touristen in ihre Urlaubsquartiere zurückkönnen, ist noch offen. Vorläufig kamen die Betroffenen in Notunterkünften und Ausweichquartieren in angrenzenden Urlaubsorten unter. In Bordeaux wurde auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet, man rüstet sich auf die Aufnahme von bis zu 10.000 Evakuierten. Die Gendarmerie koordiniert die Evakuierungen und bewacht die verwaisten Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten. 

Lage an Atlantikküste bleibt ungünstig

Die Lage zur Eindämmung und Bekämpfung der Brände blieb unterdessen schwierig. Es wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region erwartet. Wie die Präfektur des Départements Landes mit Blick auf den Brand in Biscarrosse am Morgen mitteilte, sei das Feuer noch nicht unter Kontrolle. Es wehe Wind, die Lage bleibe weiter sehr unbeständig und ungünstig.

Unterstützung bei den Löscharbeiten erhält Frankreich auch über den Hilfsmechanismus der Europäischen Union. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, kämen zur Unterstützung unter anderem zwei Löschflugzeuge aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bot Frankreich Unterstützung an. Die Waldbrände in Frankreich hätten verheerende Auswirkungen und er habe Präsident Emmanuel Macron Mitgefühl ausgesprochen, schrieb der Kanzler in einer französischsprachigen Mitteilung auf der Plattform X. „Wir sind bereit, Frankreich im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus zu helfen. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen und den Einsatzkräften.“

Spanien ruft Notstand aus

Wegen der schweren Waldbrände hat Spanien für die Umgebung der Hauptstadt Madrid und eine weitere Region den Notstand ausgerufen. Das Innenministerium kündigte in der Nacht die Entsendung weiterer Kräfte zur Bekämpfung der Flammen an. Das operative Kommando übernahm eine militärische Kriseneinheit, die direkt bei der Regierung angesiedelt ist. Zudem steht mit der Ausrufung eines „Notstands von nationaler Tragweite“ mehr Geld zur Verfügung. 

Nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE ist dies das erste Mal, dass wegen Waldbränden ein solcher Notstand erklärt wird. Wegen der Brände mussten inzwischen mehr als 20.000 Menschen ihre Häuser verlassen, die meisten davon im Großraum Madrid. In der nordwestlich davon gelegenen Region Ávila wurden etwa 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner evakuiert. In mehreren Gemeinden bedrohten die Flammen sogar das Zentrum.

Wetterlage am Freitag „besonders ungünstig“ 

Viele warten in Notunterkünften, bei Familienangehörigen oder Freunden darauf, dass sie zurückkönnen - ohne dass es dafür einen konkreten Termin gibt. Befürchtet wird, dass noch mehr Menschen evakuiert werden müssen, weil die Feuer nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden können. 

Die Brände in Spanien bedrohen auch eine Station der Nasa in der Sierra Oeste, der westlichen Gebirgskette der Region Madrid. Das Feuer sei praktisch bis in den Madrider Tiefraum-Kommunikationskomplex in Robledo de Chavela, rund 50 Kilometer westlich der spanischen Hauptstadt, vorgedrungen, sagte der Leiter des Betriebs, Raúl Alonso, der Zeitung „ABC“. Die rund 50 Mitarbeiter der Station sowie die Bewohner der Gemeinde seien in Sicherheit gebracht worden. „Wir hoffen, dass zumindest ein Teil der Systeme nicht beschädigt wurde“, sagte Alonso. Die Station verfügt über sechs Antennen.

Das Innenministerium warnte für Freitag vor „besonders ungünstigen“ Wetterbedingungen: Starke Windböen könnten die Brände weiter anfachen. Insgesamt sind in Spanien dieses Jahr bereits mehr als 125.000 Hektar Land verbrannt.

© dpa-infocom, dpa:260724-930-430973/6

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