12.08.2019 - 15:08 Uhr
SpeinshartDeutschland & Welt

Chorgesang, der die Herzen berührte

Zuerst bekommt die Seele ihren Balsam - und dann ist in Speinshart Feierabend. Himmlische Klänge und himmlische Stimmen lassen an einem himmlischen Ort den Alltag vergessen und lenken den Blick auf Höheres.

In Speinshart spielt in diesen Wochen die Musik der Zukunft. Im Rahmen des Festivals junger Künstler Bayreuth hieß es am Sonntagabend "Himmlische Klänge, Himmlische Stimmen" an einem "himmlischen" Ort. Die jungen Sängerinnen und Sänger des finnischen Chores "Dominante" bewiesen dabei ihre herausragende Stellung in der Musikwelt Skandinaviens und weit darüber hinaus
von Robert DotzauerProfil

Ein heißer Sommertag stimmt sich auf den Abend ein. Besuchermassen strömen in den Innenhof des Klosters, wo schon viele reservierte Plätze vom erwarteten Andrang künden. 600 Besucher lauschen schließlich den Begrüßungsworten von Thomas Englberger, der die Atmosphäre mit einem Sommer in Finnland mit seinem nordischen Zauber vergleicht und ein Vertreter des Festivals junger Künstler nennt die Ausstrahlung des Klosters dem Konzerttitel folgend himmlisch. Himmlisch auch die ersten Töne. Sie kommen von Vogelstimmen, die sich in den Konzertraum verirren. Ein fröhliche Einstimmung für 40 junge Sänger, die als „Chor Dominante“ im skandinavischen Raum und darüber hinaus für Furore sorgen. Die Chorsänger sind Stammgäste in der finnischen Nationaloper und geschätzte Partner des Sinfonieorchesters des finnischen Rundfunks.

„Denn er hat seinen Engeln befohlen“ tönt es zum Auftakt. Schwerelose Klänge schweben durch den Klosterhof. Wie aus dem Nichts erhebt sich der Gesang und füllt die Abtei. Das Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy steht am Anfang eines außergewöhnlichen und vielseitigen Programms, das „Dominante“ unter Leitung von Seppo Murto gestaltet. Auch der Maestro gehört zur Prominenz seiner Zunft. Murto versteht es, die bemerkenswerte stilistische Vielseitigkeit der Stimmen in „himmlische“ Klänge zu verwandeln. Mühelos erklingen die Sopranstimmen in höchste Höhen, während die Bässe mit einem sonoren Bassfundament glänzen. Beeindruckend ist die große dynamische Bandbreite vom zartesten, fast unhörbaren Pianissimo bis zum kraftvollen Fortissimo.

Nachdruck verleiht der Chor diesem Stil das „Abendlied“ von Josef Rheinberger. Vorgetragen mit vornehmer Schlichtheit und Durchsichtigkeit wird das Stück trotz der Mächtigkeit des Chores zum romantischen Hörgenuss. Bestens ausgewogen zeigt sich „Dominante“ beim „Nunc Dimittis“. Die Vertonung der Verse aus dem Lukas-Evangelium durch den estnischen Starkomponisten Arvo Pärt wartet geradezu darauf, vom Chor interpretiert zu werden. In stiller Schönheit gelingt „Dominante“ und den im Mittelpunkt stehenden Solostimmen ein funkelnder Programmbeitrag voller Zärtlichkeit und strahlender Freude.

Die dynamische Bandbreite des Chores entfaltet sich nach eher geistlichem Liedgut in der Musik des Nordens. Der Mittelteil des Konzerts gehört „ihrem“ finnischen Komponisten Jean Sibelius. Unter dessen Patronage wurde das Festival junger Künstler Bayreuth 1950 gegründet. In Speinshart beeindruckt der A-cappella-Chor mit den mystischen Farben des Nordlichts. Im finnischen Geist erklingen aus Sibelius Kompositionen aus den „Sechs Liedern, Op. 18“ die gebrochene Stimme, Kahnfahrt, Lied meines Herzens, Feuer auf der Insel und fleißig wie eine Drossel. Zu diesen unbeschwerten Serenaden gesellt sich „Der Liebende“. Die Sänger unternehmen beim spannungsgeladenen Volkslied zwischen Herzensfreud und Herzensleid einen Ausflug die herb-schöne Landschaft Finnlands.

Die Klangschätze des Nordens ergänzt der Chor mit Stücken des bedeutenden finnischen Romantikers Toivo Kuula. Klangvoll, spritzig und dann wieder voller stimmungsvoller Wiedergaben „erzählt“ der Chor vom „Sonnenaufgang“ und mit „Keinutan kaikua“ von den Irrungen und Wirrungen einer finnischen Seele. Homogen in allen Stimmlagen, intonationssicher, perfekt in Phrasierung und Artikulation erinnert das Ensemble an die Qualitäten berühmter Chorgemeinschaften, die sich auch im großangelegten Chorwerk „Erste Elegie“ von Einojuhani Rautavaara zeigen.

Im Ton des Werkes mild und in den dramatischen Phasen poetisch, verneigen sich die Finnen mit einer Komposition von Rautavaara auch vor Rainer Maria Rilke. Mit Chormusik, frisch und lebendig, gewürzt mit den finnischen Zutaten der Freiheitsliebe und dem symbolhaften Blick auf tiefblaue Seen und Wälder werden die jungen Sängerinnen und Sängern zu charmanten Botschaftern ihres Heimatlandes und zu Zukunftsträgern für die Ideale der Kultur und des weltoffenen Singens und Muszierens. Stehende Ovationen von bemerkenswerter Ausdauer für ein außergewöhnliches Konzert auf hohem Niveau bewegen den Chor zu einigen Zugaben.

Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
Konzert des finnischen Chores "Dominante" im Innenhof von Kloster Speinshart.
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