10.09.2018 - 17:05 Uhr
SpeinshartDeutschland & Welt

Ein Feuerwerk der Freude

Die Klosterkirche ist nicht nur ein Hort des Glaubens und des Gebets, sondern auch ein Kunsttempel. Diese Lebendigkeit der Auseinandersetzung mit der Musik wird auch mit dem Gastspiel des Ostbayerischen Jugendorchesters deutlich.

Mehr als 50 Musiker des „Ostbayerischen Jugendorchesters“ begeistern unter Leitung von Walter Schreiber in der Klosterkirche unter dem Titel „OJO meets Beethoven“ mit einem grandiosen Sinfoniekonzert.
von Robert DotzauerProfil

Speinshart. Ein besonderes Anliegen ist Dirigent Prof. Walter Schreiber schon zu Beginn des Konzerts am Sonntag die Ouvertüre zu Egmont. Die Komposition Ludwig van Beethovens schildert verschiedene Stationen im Leben des Grafen L. van Egmont, in der Beethoven als Musik zu Goethes Trauerspiel die Unterdrückung des niederländischen Volkes durch die Spanier umdeutet. Das Orchester fasst dieses Drama von Unterdrückung, Erhebung und Freiheitsrausch in atemberaubende Minuten zusammen.

"Gewaltiger Berg"

Den Berg, den das junge Dream-Team musikalisch besteigt, ist gewaltig. Doch "oben" angekommen, freut sich das Publikum über das triumphierende Tonfeuerwerk. Allerdings ist das Stück düster und monumental angelegt, passend zu der Überschrift, die Johann Wolfgang von Goethe seinem Werk gibt: Egmont. Und doch wird das Trauerspiel zum Triumphzug für die Freiheit.

Sie sind so berühmt wie die "Zauberflöte" oder Mozarts "Kleine Nachtmusik": Antonio Vivaldis Violinkonzerte. Am Sonntag brilliert das Orchester im Mittelteil des Konzerts mit Vivaldis "Konzert in h-moll für 4 Violinen". Glanzvoll erinnern die jungen Leute an manchen Geigen-Unterricht. So farbig und witzig klingt in Speinshart Barockmusik mit einem lieblichen Puzzle aus Tönen, aus den sich die Erfolgsmelodie des Ostbayerischen Jugendorchesters zusammensetzt. Im Mittelpunkt stehen die virtuosen Akzente von Jinlu Li, Johanna Fante, Lea Pommer und Maximilian Berger.

Wucht, Glut und Virtuosität präsentieren die jungen Musiker unter dem Titel "OJO meets Beethoven" mit der berühmten 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Spannungsgeladen eröffnen die Violinen und Kontrabässe das variantenreiche Gesamtwerk und bieten Unterhaltung auf beachtlichem Niveau. In der langsamen Einleitung wird bereits, wie so oft bei Beethoven, der Gesamtplan des Werkes vorweggenommen. Erwartungsvoll schrauben sich die Scalen in die Höhe, die majestätischen Orchesterschläge konterkarieren es. Dann wird das tänzerische Tarantella-artige Hauptthema des ersten Satzes "geboren". Das Orchester lässt die circa 500 Hörer in der überfüllten Klosterkirche explizit daran teilhaben.

Lebenskraft und Übermut

Ausgeprägt ist der Rhythmus, der durch allerhand harmonische Regionen führt. Ob im heiteren "Bauerntanz" oder im Allegretto herrscht Lebenskraft und Übermut - und dann ein Trauermarsch. Wieso das? Ist es eine Hinwendung an die damaligen napoleonischen Kriege voller Spannungen oder verarbeitet Ludwig van Beethoven nur persönliche Erlebnisse in eine spektakuläre Notenfülle? Ausgelassen demonstrieren die meist jungen Musiker dann wieder das daher stürmende Presto-Scherzo. Fröhlich klebt die Melodik an den Tonwiederholungen. Das Trio, eine Gegenmacht, bricht in das turbulente Gestik-Feuerwerk ein. Im Finalsatz ist dann jegliche Contenance vergessen. Die Besucher kommen in den Genuss eines überschäumenden Satzes, der zum gleißenden Feuerwerk der Freude wird.

Das Publikum weiß diese Stunden der Freude zu schätzen. Stehende Ovationen ermuntern zu schwungvollen Zugaben. Mit den "Ungarischen Tänzen Nr. 5" von Brahms endet ein grandioses Konzert.

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