Elegant und mühelos, mit brillanter Spieltechnik und raffiniertem Gespür für stilistische Nuancen präsentiert das Ensemble "Tango Ala Turka" am Sonntagnachmittag im Kloster Speinshart ein weites Repertoire mit einer eigenwilligen Symbiose aus Musik und Gesang. Sanft streichelnd begleitet das Cello die gezupften Saiten der türkischen Zither Kanun, das harmonievollendete Gitarren und Kontrabass-Spiel.
Ähnlich wie in der Hafenmetropole Buenos Aires wird die Tangomusik hinter Klostermauern zum Ausdruck für immerwährende Sehnsucht, verzweifelte Liebe und großstädtische Dekadenz. Viele Kompositionen entstehen in Istanbul. Sie verleihen dem Tango durch die Verbindung lateinamerikanischer Rhythmen und orientalischer Melodik einen völlig eigenen Charakter. Die Zuhörer lassen sich mitreißen vom Inbegriff der Leidenschaft, Liebe, von tiefer Sehnsucht und zarter Poesie, dessen magischer Sog bis heute weltumspannend die Menschen zusammenführt. Mit "Tango Ala Turka", das Quintett entstand vor fünf Jahren unter dem Dach der Orientalischen Musikakademie Mannheim, verbindet das türkische Ensemble gleich drei Kontinente und Kulturen, indem sie von Speinshart aus die Brücke über den Atlantik und zurück in das ehemals byzantinische Istanbul schlägt.
Musiker und Komponist Muhittin Kemal Temel, in Speinshart Moderator, hebt diesen Schatz und bringt die alten Lieder gemeinsam mit türkischen und deutschen Künstlern wieder auf die Bühne. Seine Kanun mit dem harfenähnlichen Klang wird ergänzt durch den satten Kontrabass-Sound von Katharina Gross. Als Gitarrist glänzt Cengiz Onural, Partner am Cello ist Jakob Schütze. Einfühlsam werden die sehnsuchtsvollen türkischen Lieder von Sängerin Serap Giritli vorgetragen. Immer präsent, aber nie dominant, verschmelzen ihr zart melancholisch-leidenschaftlicher Gesang und ihr unstillbares Liebeswerben mit der Musik. Zu den funkelnden Tango-Melodien gehört neben der traurig-schönen Musik aus der Tango-Metropolen auch die fröhliche, ausgelassene Weltmusik, die in der Türkei ganze Stadien füllt. In den dicken Notenmappen von "Tango Ala Turka" finden sich temperamentvolle Wiedergaben ebenso wie berührend schöne Musikstücke mit melancholischem Charakter. Zu den genussreichen Beiträgen zählt eine Fülle türkischer Tango-Kompositionen mit unaussprechbaren Titeln. Übersetzt ist stets die Rede von Sehnsüchten und Liebeskummer, von Herzensbrechern oder vom Ozean im Herzen. Ein glanzvolles Konzert, das Brücken zum Islam baut.



Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.