16.09.2019 - 16:28 Uhr
SpeinshartDeutschland & Welt

Vollmond inspiriert zum Feuerwerk

Speinshart genießt den Ruf als Labor für musikalische Leidenschaften und für Völkerverständigung. Das gemeiname Singen und Musizieren von Gästen aus dem Reich der Mitte und jungen Deutschen bestätigt diese Zielrichtung

Der Philharmonische Chor Qingdao aus dem Reich der Mitte und die jungen Musikerinnen und Musiker des Ostbayerischen Jugendorchesters schaffen bei einem Konzert im Innenhof des Klosters Speinshart mit chinesischen Liedern und westlichen Melodien eine abwechslungsreiche und faszinierende Klangwelt
von Robert DotzauerProfil

In der chinesischen Literatur preisen viele Poeten den reinen Mond am Tag des Mondfestes und auch das Volkslied kennt etwa im „Heit scheint der Mond so schee“ Liedgut, das ganz besondere Heimatverbundenheit zum Ausdruck bringt. Diese Gefühlsmomente trafen am Samstag in Speinshart aufeinander. Zum Mond- oder Mittherbstfest, das die Chinesen am 13. September feiern (chinesisch Pinyin Zhongqujiè), gesellt sich schon andeutungsweise im milden Licht des Sonnenunterganges der „deutsche“ Vollmond. Ob im Reich der Mitte oder in einheimischen Gefilden: der Mond führt Menschen zusammen. Dieses Ziel vor Augen, brillierten der Philharmonische Chor Qingdao und das Ostbayerische Jugendorchester (OJO) in vollendeter Harmonie mit einem mächtigen Tongewitter.

Das Konzert begann mit einem berührenden Heimatrauschen. Die 40 Sänger aus der Bierhauptstadt Chinas und von 1898 bis 1914 zu Kaiser Wilhelms Kolonialmacht-Zeiten „deutsches Honkong“, schmeichelten die Hörerschaft mit überraschend entstaubtem deutschem Volkslied-Gut. Mit freundlicher Unterstützung von Chorsängern aus Ungarn verneigte sich der Chor vor Franz Schubert. „Am Brunnen vor dem Tore“ klang es auf Chinesisch durch das weite Rund des Kloster-Innenhofes. Betörend schön folgte das Lied von der Loreley. Einem Feuerwerk der Freude gleichten die gefühlvollen Solostimmen in der Arie „Voi Che Sapete“ aus Figaros Hochzeit von Wolfgang Amadeus Mozart.

Die Volkslieder vom „Wind of Qingdao“, von der „Birnenblüte“, dem „Bächlein“ aus der Provinz Yunnan oder dem mongolischen Schäferlied durchschritten in Siebenmeilenstiefeln das Riesenreich der Mitte. Auch der oft stürmische Wellenschlag des Meeres gehörtt zum Liedschatz der Sänger und schließlich bekannte sich der Chor mit vier Sopran- und Tenorstimmen frisch, lebendig, ja emotional zu „China I love you“.

Verstärkung erhielten die Künstler im zweiten Teil des Programms. Das Ostbayerische Jugendorchester (OJO) spielte Bach. Überall hinträumen durften sich die Besucher im Air der Orchester-Suite Nr. 3 D-Dur BWV 1068. Unbeschwert und voller Geist präsentierten die Streicher die damals neue Form bürgerlicher Tafelmusik. Mit ihrer Interpräsentation erschlossen die Akteure unter Leitung von Walter Schreiber den Zauber des Stücks und ließen der Spiritualität des Werkes Raum und Kunstgenuss.

"An die Freude" hieß es schließlich zum grandiosen Höhepunkt. Auch in Fernost hat Beethovens Neunte Kultstatus. Gemeinsam mit den jungen Talenten des OJO demonstrierten Orchester und Chor ein harmonisches Zusammenspiel. Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 mit dem Götterfunken-Finale sprengte im wahrsten Sinn des Wortes Grenzen. Man spürte: OJO und der Qingdao-Chor sind ganz heiß auf das Finale. Und das hörte man den beiden Klangkörpern auch an. Hohe Konzentration, bedingungslose Hingabe, und eine Menge Herzenswärme. Stardirigent Jiang Jinyi forderte, die Akteure lieferten kontrastreich, dynamisch und ein bisschen feierlich. Eine Festtagsmusik für große Momente, wie sie auch zum chinesischen Mondfest passt. Ein ganz großer Genuss, sinnlich, leicht und schwebend bis zum schweren Fortissimo beim Allegro ma non troppo und schließlich mit wuchtiger Dramatik im Finale. Gesanglich und klangschön dargeboten, wurden die brausenden Schlussakkorde zum Herzstück des Konzerts. Das Publikum honorierte die Darbietungen mit stehenden Ovationen.

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