06.01.2020 - 13:28 Uhr
Deutschland & Welt

Stimmungen - passend vom Klavier vermittelt

Der Pianist Christian Seibert gestaltet mit einer "Hommage an Franz Liszt" das Schwandorfer Neujahrskonzert 2020

Christian Seibert
von Reinhold TietzProfil

Es ist schon bald Tradition, dass Christian Seibert am ersten Sonntag des neuen Jahres Werke der Klavierliteratur in der Spitalkirche spielt. Den diesjährigen Klaviervortrag leitet das "Andante mesto", das letzte der "Fünf Klavierstücke" op 101 von Philipp Scharwenka ein. Es versetzt gleich treffend in den Titel der Veranstaltung. "Poesie und Virtuosität" lautet er, und alle gespielten Klavierwerke werden vom vortragenden Pianisten so dargeboten, dass der Hörer die darin vom Komponisten vermittelten Gedanken klar aufnehmen kann.

Nachdenklichkeit wird hörbar

So wird die Nachdenklichkeit im Einleitungsstück, die aufkommende Sehnsucht bändigt, im Spiel des Vortragenden spürbar. Intensiver sind die Stimmungen in Franz Liszts Werken wirksam, weil sie durch die vielen Spielmöglichkeiten auf dem Klavier verstärkt werden. In den "Années de pèlerinage - Deuxième année: Italie", also im zweiten Jahr seiner Wanderungen, in Italien, vertont er drei Sonette von Petrarca und übernimmt deren programmatische Ideen. Sei es der Frühling (Sonetto 47) und dessen "Segnungen", sei es gescheiterte Liebe (Sonetto 104) und deren heiße Tränen, sei es die Wirkung unterschiedlicher Gefühle (Sonetto 123), mit denen der Mensch sich arrangieren muss - immer vermittelt Christian Seibert überzeugend die jeweilige Gefühlstiefe. Nach der Pause erklingen die "12 Études d'exécution transcendante" von Liszt, in denen der Komponist alle möglichen Gefühlsregungen musikalisch darstellt. Das "Preludio" C-Dur bringt virtuose Läufe zur Einstimmung, das "Molto vivace" steigert feurig diese dargestellte Leidenschaft. Die "Paysage" F-Dur führt eine Landschaft vor, die beim Betrachten große Gefühle auslöst. "Mazeppa" d-moll - später als "Symphonische Dichtung Nr. 6" für Orchester gestaltet - schildert das Schicksal des Kosakenhauptmanns, der, auf einen Pferderücken gebunden, immer schneller in die Steppe gehetzt wird. Das erklären die donnernden Oktaven.

Ernstes Heldengedicht

Der verherrlichende Schluss erweist das Gedenken an ihn als Nationalhelden. Die "Feux follets" B-Dur zeigen geisterhaft zarte chromatische Läufe dieser Irrlichter, dazwischen einige erregte Ausbrüche, wozu die "Vision" g-moll in ihrer Feierlichkeit einen ernsten Kontrast bildet. Noch ernster die "Eroica" Es-Dur, ein Heldengedicht in mächtiger musikalischer Steigerung. Äußersten Gegensatz dazu bildet die "Wilde Jagd" c-moll, ein frei dahinsausender Geistertanz. Wie der Name "Ricordanza" As-Dur schon sagt, neigt man in der Erinnerung oft zu einer sentimentalen Sicht auf ein Ereignis. So zeigt sich in "Presto molto agitato" f-moll ein großer emotionaler Ausbruch der verstörten Seele. Mildernd ertönen daraufhin "Harmonies du soir" Des-Dur als harmonische Abendklänge, die das Empfinden beruhigen. Schließlich bringt "Chasse neige" b-moll die Einsicht, dass zuweilen Erinnerungen wie durcheinander wirbelnde Schneeflocken die klaren Melodien - Sicht auf ein Ereignis - verzögern.

Christian Seibert vermag jedem Stück den eigenen passenden Charakter zu vermitteln und diesen dann durch sein vielseitig gestaltendes Spiel überzeugend zu vermitteln. Das lässt den Klaviervortrag so überzeugend werden. Als Zugabe erklingt der erste Satz aus der "Mondscheinsonate" op 27/2 von Ludwig van Beethoven. Ein wunderbarer Ausklang.

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