24.06.2019 - 16:47 Uhr
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Disco-Klofrau schreibt Buch über ihre Erlebnisse bei der Arbeit

Mit 62 Jahren geht Helga Bauermann öfter in die Disco als manch 20-Jährige: Die Mitterharthausenerin (Kreis Straubing) arbeitet seit 2011 als Toilettenfrau im "Stars" in Straubing. Die kleinen und großen Dramen des Nachtlebens beschreibt sie nun in einem Buch.

Helga Bauermann vor ihrem Arbeitsplatz, der Disco Stars.

Wo andere langsam an die Rente denken, wollte Helga Bauermann noch einmal etwas Neues ausprobieren. "Ich bin nicht die typische Oma, die zu Hause sitzt - ich will rauskommen." Bauermann nahm deswegen die Stelle als Klofrau in der Disco "Stars" in Straubing an. Sie wusste, worauf sie sich einlässt: Mehrmals hatte Bauermann auf dem Gäubodenfest als Klofrau gearbeitet. "Kaum hatte ich das erwähnt, hatte ich die Stelle", erzählt die 62-Jährige.

Ihre Arbeit in der Disco geht dabei weit über das Pensum einer einfachen Reinigungskraft hinaus: So musste sie auch schon Kummerkasten, Ertsthelferin oder Security spielen. Als Toilettenfrau bekommt sie jedes Wochenende die kleinen Dramen des Nachtlebens hautnah mit. "Gerade für die Mädels musste ich schon oft die Mutter Theresa spielen", erzählt sie lachend. "Wenn sie den eigenen Freund beim Tanzen mit einer anderen erwischen - das ist der Klassiker. Dann können auf der Toilette schon mal die Tränen kullern. In so einem Fall gehe ich hin und versuche, zu trösten."

Bauermann fällt das nicht schwer: Sie hat drei Kinder und zehn Enkel. Oft genug trifft sie diese in der Disco. "Die finden das super, dass ich hier arbeite. Für sie bin ich einfach die coole Oma", erzählt sie. Generell kommt Bauermann mit den Jungen oft besser aus als den Älteren. "Jugendliche sind vielleicht manchmal unverschämt, aber man kann sie noch erziehen. Wenn sie blöd daherreden, gebe ich ihnen passend raus. Das wirkt fast immer. Man darf halt nicht auf's Maul gefallen sein."

Kinnhaken früh um 4

Dabei ist die Arbeit nicht immer ungefährlich. Vor allem eine Situation ist der Toilettenfrau im Gedächtnis geblieben: "Das war schon spät, gegen 4 Uhr. Ich habe gerade die Männertoilette sauber gemacht, als zwei betrunkene Herren auf die Idee kamen, mir ihr bestes Stück zu zeigen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich schleichen sollen. Daraufhin wurde einer aggressiv und hat mir einen Kinnhaken verpasst. Da bin ich dann erstmal am Boden gelegen." Die beiden Männer kehrten danach auf die Tanzfläche zurück und feierten weiter - bis die Polizei eintraf und sie in Gewahrsam nahm. "Da habe ich dann auch Anzeige erstattet. Mit so was braucht mir keiner kommen."

Zum Glück überwiegen die lustigen Erinnerungen. Einmal erwischte sie etwa einen jungen Mann in der Herrentoilette beim Knutschen - mit der Wand. Seine Erklärung: Er wolle für seine Freundin üben. An einem anderen Abend verrichtete ein Toilettengänger sein Geschäft in ein Glas. Noch bevor die 62-Jährige es wegräumen konnte, hatte ein anderer Gast einen Schluck davon genommen. "Er hat es dann aber sofort gemerkt und sich minutenlang den Mund ausgewaschen. Der rührt so schnell bestimmt kein fremdes Glas mehr an", erzählt Bauermann.

Generell liegen Tragik und Komik in ihrem Beruf doch sehr nah beieinander: So wollte sich einmal ein junger Mann eine Zigarette anzünden, ließ dabei aber den Inhalt seiner Hosentasche fallen. Beim Aufheben verwechselte er dann sein Pfefferspray mit dem Feuerzeug - mit unangenehmen Folgen. Diese und viele weitere Erlebnisse hat Helga Bauermann in einem Buch niedergeschrieben. Es trägt den Titel "Lassen Sie mich durch - ich bin Klofrau".

Zum Schreiben ermutigt wurde die 62-Jährige von zwei Disco-Kolleginnen, die nebenbei in einem regionalen Verlag arbeiten. "Wir haben uns oft über die Sachen, die wir erlebt haben, unterhalten. Und einmal meinten sie: ,Mensch, Helga, schreib doch ein Buch darüber!' Ich habe zuerst gedacht, sie sagen das nur im Scherz. Aber drei Wochen später haben sie mich nochmal darauf angesprochen. Sie hatten ihrem Verlag von der Idee erzählt - und die Verantwortlichen waren begeistert."

Alles aus dem Gedächtnis

Also machte sich Helga Bauermann daran, ihre vielen Erlebnisse zu Papier zu bringen. Schwer gefallen ist ihr das nicht: "Ich habe fast alles aus dem Gedächtnis aufgeschrieben", berichtet die 62-Jährige. Die ersten Reaktionen auf das Buch sind durchaus vielversprechend: "Allein in meinem Bekanntenkreis haben schon über 70 Leute das Buch gekauft."

Des Geldes wegen habe sie nicht geschrieben - einfach nur aus Spaß an der Freude. "Reich werde ich damit nicht", sagt sie lachend. Generell ist sie mit ihrem Beruf als Toilettenfrau völlig zufrieden. "Die Arbeit macht mir Spaß, ich habe sehr nette Kollegen, jeden Abend abwechslungsreiche Musik - ich mache das solange, bis ich wirklich nicht mehr kann". Und vielleicht ergibt sich bis dahin ja auch noch genügend Material für eine Fortsetzung.Helga Bauermanns Buch ist im Isegrim Verlag erschienen und für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

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