Trotz des jüngsten Minenunglücks mit drei verletzten südkoreanischen Soldaten setzt Präsident Lee Jae Myung weiter auf eine Entspannung der Beziehungen zu Nordkorea. Seine Regierung werde „konsequent praktische Maßnahmen“ verfolgen, um die militärischen Spannungen zwischen beiden Koreas zu verringern, sagte Lee bei einer Rede zum südkoreanischen Tag der Streitkräfte. Er hoffe, Nordkorea werde sich an der Wiederaufnahme des Dialogs beteiligen.
Seine Aussagen kommen nur wenige Tage, nachdem mutmaßlich nordkoreanische Landminen eine Explosion ausgelöst hatten, bei der drei südkoreanische Soldaten teils schwer verletzt wurden. Der Vorfall ereignete sich am 21. September im südlichen Grenzgebiet der innerkoreanischen Grenze. Das südkoreanische Militär geht nach einer gemeinsamen Untersuchung mit dem UN-Kommando mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass nordkoreanische Landminen die Explosionen verursacht haben.
Nordkorea weist Verantwortung zurück
Auch Südkoreas Verteidigungsminister Kang Shin Chul sagte am Montag, man gehe davon aus, dass die Landminen von Nordkorea südlich der militärischen Demarkationslinie verlegt und höchstwahrscheinlich nicht durch Niederschläge an den Explosionsort gespült worden seien. Dies würde laut Kang eine klare Verletzung des Waffenstillstandsabkommens zwischen den zwei Staaten darstellen. Nordkorea wies die Anschuldigungen zurück.
Zugleich drohte das Land im Falle einer Eskalation mit Vergeltung. Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, bezeichnete die Militärführung Südkoreas als „Militärgangster“ und deren Untersuchungsergebnisse als „inszenierte Verschwörungsfarce“.
Südkoreas Präsident Lee ging in seiner aktuellen Rede nur höchst indirekt auf den Minenvorfall ein. Er sprach von einem „unerwarteten Unfall“ in der entmilitarisierten Zone. Dabei vermied Lee direkte Kritik an Nordkorea und benannte auch nicht dessen Verantwortung.
Seit seinem Amtsantritt vor über einem Jahr verfolgt Lee eine Annäherungspolitik gegenüber Pjöngjang. Im September sprach er sich in einem Interview mit der „New York Times“ für eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea aus, sollte die Staatsführung ihr Atomwaffenprogramm einfrieren. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sich bislang jedoch ablehnend gegenüber den südkoreanischen Dialogbemühungen gezeigt.
Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) formal weiterhin im Kriegszustand, da bislang kein Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben in den vergangenen Jahren wieder deutlich zugenommen.
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