22.02.2019 - 13:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Komplexe Themen professionell Interpretiert

Umjubelter Auftritt des Ebonit-Saxofonquartetts in Sulzbach-Rosenberg

In der VHS-.Konzertreihe des Kammermusikkreises überzeugte das Ebonit-Saxofonquartett mit seinem großen Können: (von links) Mateusz Pusiewicz, Paulina Marta Kulesza, Dineke Nauta und Alberto Tárraga Alcañiz.
von Autor GACProfil

Als die vier jungen Musiker des Ebonit-Quartetts mit ihren Saxofonen auf die Bühne treten, möchte man meinen, man habe es mit einem Studentenensemble zu tun. Schon bei den ersten Tönen des "Petit Quatuor" von Jean Françaix wird aber klar, dass hier absolute Profis am Werke sind. Die komplexen jazzigen Rhythmen, die ständigen Tempowechsel und die enorme Dynamik des Stücks beherrschen die vier Musiker mühelos. Die Spielfreude kommt dabei aber nicht zu kurz - man meint fast, eine Seelenverwandschaft zwischen den jungen Musikern und dem Komponisten zu spüren, der sein Saxofonquartett 1935 mit nur 18 Jahren komponierte.

Die "Gaguenardise" ist fröhlich und flott, Alberto Tárragas Sopransaxofon so beweglich wie eine Klarinette. Den Stimmungsgegensatz der ruhigen und fast melancholischen "Cantilène" fangen die Musiker überzeugend ein. Die überkandidelt fröhliche "Sérénade comique" ist Großstadtmusik vom feinsten, rasend schnell, laut und manchmal dissonant. Pauline Kulesza macht mit ihrem Baritonsaxophon die Off-Beats, dass es fast wie ein Schlagzeug klingt. Ein großartiger Einstieg!

Eine der berühmtesten Originalkompositionen für Saxofonquartett ist das "Quartett für vier Saxophone" op. 109 von dem russischen Komponisten Alexander Glasunow. Glasunows Musik verbindet Elemente russischer Volksmusik mit dem Stil der Romantik. Das Quartett von 1932 ist eines seiner letzten Werke. Das "Allegro" beginnt mit einer Fanfare, bei der die Instrumente fast wie Blechbläser klingen. Es ist erstaunlich, welche Klangvielfalt die Musiker ihren Instrumenten entlocken können - von der Flöte über die Trompete, Horn, Akkordeon bis zur Trommel.

In fast impressionistischer Manier lassen sie die Linien fließen, dass man einen Bach plätschern zu hören meint. Das wirkt alles ungeheuer leicht und spielerisch, nur wenn man den ständigen Blickkontakt und die dauernde Abstimmung zwischen den Saxofonisten beobachtet, erkennt man, welche Leistung dahinter steckt. In der "Canzone variée" wird die russische Herkunft des Komponisten deutlich. Im Finale zeigen die Musiker noch einmal ihr ganzes Können - wie Dineke Nauta (Altsaxophon) und Tárraga in rasender Beschleunigung ihre Läufe spielen und dabei so exakt parallel bleiben, als wären sie ein einziges Instrument - das ist Spitzenklasse. Die Zuhörer sind so gefangen, dass sie erst nach mehreren Minuten in die Pause gehen wollen.

Den zweiten Teil bestreitet das Ebonit-Quartett mit Bearbeitungen berühmter Kammermusikwerke. Johann Sebastian Bachs "Italienisches Konzert" BWV 971 ist ursprünglich für zweimanualiges Cembalo geschrieben. Sein melodiöser und unterhaltsamer Stil macht es zu einem der populärsten Kammermusikwerke Bachs. Beim Arrangement für ein Quartett ergibt sich jedoch die Schwierigkeit, dass Läufe oder Motive, die auf einem Tasteninstrument problemlos spielbar sind, auf mehrere Instrumente verteilt werden müssen.

Aber das bringen die vier Musiker wie aus einem Guss, ein Motiv läuft vom Sopran bis zum Bariton durch, ohne dass man überhaupt erkennt, wo der eine vom anderen übernimmt. Im "Andante" spielt Pusiewicz am Tenorsaxofon zeitweise den Solopart mit sehr distinguiertem Ton, während Kulesza den Basso Continuo übernimmt. Im "Presto" kann das Baritonsax aber dann zeigen, dass es auch zu enormer Beweglichkeit fähig ist.

Bei der Bearbeitung von Antonín Dvořáks "Amerikanischem Quartett" op. 96 hat das Baritonsax die Partie des Cellos, das Tenorsax die Bratsche, Alt- und Sopransax die beiden Violinen. Das Werk ist gekennzeichnet durch einprägsame Themen und romantische Harmonien.

Das "Lento" interpretieren die Musiker jazzig, dabei aber sehr zart und transparent. Beim "Molto vivace" klingt das Sopransax wie eine Flöte, während Bariton und Alt ein starkes Unisono darunter setzen. Das "Vivace ma non troppo" wirkt sehr luftig und überaus dynamisch. Das begeisterte Publikum erklatscht sich noch eine Zugabe: Die zweite "Arabesque" von Claude Debussy. Dieses impressionistische Meisterwerk interpretiert das Ebonit-Quartett kongenial, mit Vogelzwitschern und fließendem Auf und Ab. Ein großartiger Abschluss eines großen Abends.

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