Mit ihrer aktuellen Ausstellung zeigt die Sulzbach-Rosenberger Galerie gruppe 81 Werke der Künstlerin Hedwig Thun, die zu Beginn der Dreissiger Jahre am Bauhaus in Dessau studierte. Ihre Werke machen die Aufbruchstimmung dieser Zeit erlebbar.
Die Großnichte von Hedwig Thun, Teresa Wißmüller aus Kirchenreinbach, verwaltet und ordnet den Nachlass der Künstlerin. Einige Werke werden nun in der Galerie gruppe 81 ausgestellt.
Dass Bauhaus weit mehr als Architektur ist, wird oft vergessen. Zumal in der Nachbarstadt Amberg eines der interessantesten Gebäude des Bauhaus-Gründers Walter Gropius zu finden ist, die „Glaskathedrale“. Aber „Bauhaus“, das war auch die Antwort auf überkommene Konventionen in der Gesellschaft, der Malerei und der Architektur. Frauenwahlrecht und die Zulassung von Frauen zum Studium an Staatlichen Kunstakademien waren Zeichen des Aufbruchs zur Gründungszeit des Bauhauses. Aufbruchstimmung und Optimismus kennzeichneten die Lehre an der Kunstschule. Die Malerin Hedwig Thun als Vertreterin der abstrakten Malerei hat es verstanden, diese Stimmung auf großformatigen Leinwänden lebendig werden zu lassen.
Zunächst Schülerin an der Debschitz-Schule in München, später Kunstgewerbeschule, konnte sie früh ihre Werke in Bielefeld, Bremen, New York und Hamburg ausstellen. Am Bauhaus wurde ihr Potenzial erkannt und so nahm sie 1930 ihr Studium am Bauhaus auf, das zunächst in Weimar und seit 1926 In Dessau untergebracht war. Auch wenn ein Großteil der ausgestellten Gemälde erst später entstanden sind, so ist der Einfluss von Klee und Kandinsky unübersehbar.
Wer war Hedwig Thun? Nein, sie war keine der prominenten Bauhaus-Schüler wie Max Bill, Theo Balden, Eugen Batz oder Fritz Winter, an die man sich heute noch erinnert. Aber sie ist bekannt als eine Künstlerin der Europäischen Avantgarde des Expressionismus. Erst nach Ende des 2. Weltkrieges nahm sie ihre künstlerische Arbeit wieder auf, denn nach der Rückkehr aus Dessau nahm ihr der aufkommende Nationalsozialismus die Kraft zum schöpferischen Arbeiten. In dieser Zeit verfasste sie einige Schriften und einen Roman über den Mediziner und Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer aus Lemgo unter dem Psyeudonym „H.S.Thielen“.
Wie bei vielen Malern war ihr gestalterisches Werk nach Kriegsende von Düsternis und Zerstörung geprägt. Die Leuchtkraft und Leichtigkeit der frühen Bilder fanden erst nach längeren Aufenthalten in Spanien und Italien wieder Eingang in ihr Werk.
Die Bilder sprechen mit dem Betrachter durch ihre Flächen und Formen, die durch Farbe verstärkt werden. „Punkt und Linie zu Fläche“ von Wassily Kandinsky mag hier Pate gestanden haben. Stil und Komposition nehmen den Betrachter mit, lassen ihn in das Bild eintauchen. Kräftig aufgetragene Farbverläufe geben den Bildern eine weitere Dimension und Dynamik. Die großformatigen, dominanten Bilder, die größtenteils in den 50er Jahren – auch hier wieder Aufbruchstimmung - geschaffen wurden, nehmen Stilelemente des abstrakten Expressionismus auf. Hauptvertreter dieser Stilrichtung, die auch unter dem Namen „Action Painting“ bekannt wurde, ist Jackson Pollok. Zwei kleinere Formate zeigen graphische Elemente und Farbkompositionen wie Paul Klee sie in seinem Werk verarbeitet hat. An die ausgestellten Aquarelle aus der „Vor-Bauhaus-Zeit“ knüpfte Hedwig Thun auch in den 40er Jahren wieder an
Interessante Schlaglichter auf Hedwig Thuns Leben werfen ihre „Gästebücher“, eine Art Tagebücher mit Skizzen, Aquarelle als Reisejournal, Briefen und Gesprächen. Auszüge hieraus sowie ein Lebenslauf runden die interessante Ausstellung ab.
Die Ausstellung ist noch zu sehen bis 10. Juni (Pfingstmontag) samstags von 10 bis 11 Uhr und 14 bis 16 Uhr und sonn- und feiertags 14 bis 16 Uhr. Die Finissage findet am 10. Juni um 16 Uhr mit Musik und Getränken statt. Danach sind die Werke in einer Frankfurter Galerie sowie im Bauhausmuseum in Dessau zu sehen.
Service
Ausstellung: „100 Jahre Bauhaus“ mit Arbeiten der Kandinsky-Schülerin Hedwig Thun. Bis 10. Juni. Danach sind die Werke in einer Frankfurter Galerie sowie im Bauhausmuseum in Dessau zu sehen
Finissage am Montag, 10. Juni (16 Uhr)
Ort: Galerie Gruppe 81, Frühlingstraße 10, 92237 Sulzbach-Rosenberg
Öffnungszeiten: Samstag von 10 bis 11 Uhr und 14 bis 16 Uhr und Sonn- und Feiertage 14 bis 16 Uhr
Kontakt: 09661/8159024














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