30.08.2019 - 14:27 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Ein Lichtblick für ökumenischen Kleiderladen

Ein Motiv, das sich immer wieder bei unseren „Lichtblicken“ findet: Mir geht es gut, ich möchte etwas für andere tun. Das und ihr Glaube sind Christine Liers Ansporn, viele Stunden in der Woche für den ökumenischen Kleiderladen zu opfern.

Im ökumenischen Kleiderladen in Sulzbach-Rosenberg gibt es viel Arbeit: Christine Lier sortiert unter anderem die angelieferte Kleidung und verteilt sie auf die Stockwerke.
von Gabi EichlProfil

Christine Lier (61) steht an der Spitze eines 30-köpfigen Frauenteams mit relativ hohem Altersschnitt, in dem sie selbst noch zu den Jüngeren gehört. Es sei in 25 Jahren nicht gelungen, einen Mann ins Team zu bekommen, sagt sie, dabei könnten sie einen solchen gut gebrauchen. Denn die Arbeit im Kleiderladen ist schwer.

Auf engstem Raum müssen Berge von Kleidung immer wieder auf engen, steilen Treppen über zwei Stockwerke hin- und hergetragen, teilweise im Keller für den Weitertransport in andere Länder zwischengelagert werden. Christine Lier koordiniert die Arbeit nicht nur, sie ist Dreh- und Angelpunkt des Ladens. Sie schleppt treppauf, treppab, sortiert ein und aus, verkauft und wirft resolut auch einmal einen Störenfried aus dem Laden. Auch so etwas kommt vor.

Redakteur Markus Müller überreicht Christine Lier den 500-Euro-Gutschein der Sulzbach-Rosenberger Schreinerei Beck. Lier lässt damit neue Regale für den Laden bauen.

1,50 Euro für gute Jeans

Träger des Kleiderladens sind die vier Sulzbach-Rosenberger Kirchengemeinden, diese hatten in der Anfangszeit auch die Miete übernommen, inzwischen trägt sich der Laden jedoch selbst. Christine Lier ist seit Anfang der neunziger Jahre im Kleiderladen aktiv, als dieser noch in der Brauhausgasse untergebracht war.

Sie war mit an der Entscheidung beteiligt, die Second-Hand-Bekleidung nicht mehr kostenlos abzugeben, als sich zeigte, dass die Sachen nach ausgiebigem Tragen weggeworfen wurden, statt sie zu waschen, denn es gab ja kostenlosen Nachschub. Durch die Einführung von Minipreisen - eine gute Jeans kostet heute im Laden 1,50 Euro - versuchte man, dieser mangelnden Wertschätzung entgegenzuwirken, gleichzeitig gelang es relativ schnell, auf eigenen Beinen zu stehen und die - geringe - Miete selbst zu finanzieren.

Aus dem Laden, der heute in einem Lager einer ehemaligen Eisenwarenhandlung in der Frühlingstraße untergebracht ist, ist inzwischen eine Art soziale Anlaufstelle geworden. Christine Lier, die seit 2006 verantwortlich für den Laden ist, ist mit der Unterstützung ihres Frauenteams Lichtblick für viele; viele ihrer Kunden kennt sie seit Jahren, kennt auch deren Probleme fernab von Jeans und T-Shirts.

Auch außerhalb der Ausgabe und Annahme gibt es viel Arbeit im Laden: Die angelieferte Kleidung muss sortiert und dann auf die Stockwerke verteilt werden.

Sachen nicht wegwerfen

Sie sei im christlichen Glauben erzogen, das Teilen sei ihr immer schon wichtig gewesen, sucht Lier die Beweggründe zu erläutern, die ihrem Engagement für den Laden zugrundeliegen. Dazu sei in den letzten Jahren aber noch ein anderer Grund gekommen: nämlich das Bewusstsein, wie ökologisch sinnvoll es sei, Kleidung und auch andere Haushaltsgegenstände in diesem Sinn weiter zu verwerten statt sie zu entsorgen. "Die Sachen würden alle weggeschmissen, wenn wir sie nicht nähmen", sagt sie.

Christine Lier wünscht sich neue Regale für den Eingangsbereich des Ladens, der im Moment aus einem Sammelsurium aus alten Möbeln besteht. Ein 500-Euro-Gutschein der Schreinerei Beck im Rahmen unserer Aktion "Mein Lichtblick" wird helfen, dem Laden ein freundlicheres Gesicht zu geben. Lesen Sie hier mehr zur Serie 25 Jahre Lichtblicke: www.onetz.de/themen/aktion-lichtblicke___Zum 25. Jubiläum der Aktion "Lichtblicke" hatten Oberpfalz-Medien Menschen gesucht, die sich besonders sozial engagieren. Viele wurden von Lesern als "Mein Lichtblick" vorgeschlagen. Wir stellen die Menschen vor, welche von einer Jury ausgewählt wurden. OberpfalzMedien stiften je 500 Euro zur Erfüllung eines Wunsches.

Zur Person: Christine Lier:

Christine Lier spricht viel lieber über den Kleiderladen als über sich selbst. Jenen Laden, mit dem sie schon das 25-jährige Bestehen gefeiert hat. Sie ist nicht eine Frau der ersten Stunde im Laden, "aber der zweiten", sagt sie.

Seit 2006 hat sie die Verantwortung für den Betrieb, der von einem 30-köpfigen Frauenteam getragen wird. Und das erledigt die 61-Jährige alles nebenbei unter Bedingungen, bei denen mancher die Arbeit verweigern würde: Im Sommer ist es in dem Lager einer früheren Eisenwarenhandlung unter dem Dachboden extrem heiß, im Winter arbeitet Lier mit ihren Damen auch schon mal bei Minusgraden.

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