Sulzbach-Rosenberg
24.01.2019 - 15:59 Uhr

Meisterschaft der leisen Töne

Bülow-Quartett begeistert beim VHS-Kammerkonzert in Sulzbach-Rosenberg

Mit viel Feingefühl und großem künstlerischen Können präsentierte das Bülow-Quartett Werke von Schubert, Brahms, Beethoven und Bernstein in der Berufschule in Sulzbach-Rosenberg. Bild:  Stephan Huber
Mit viel Feingefühl und großem künstlerischen Können präsentierte das Bülow-Quartett Werke von Schubert, Brahms, Beethoven und Bernstein in der Berufschule in Sulzbach-Rosenberg.

Das Streichquartett gilt als Königsdisziplin der Kammermusik. Insbesondere in der Wiener Klassik um 1800 komponierte und spielte man überall Streichquartette. Mit dem Quartettsatz in c-moll von Franz Schubert aus dem Jahr 1820 beginnt das Bülow-Quartett sein Konzert im Saal der Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg. Dieses "Allegro assai" ist das Fragment eines Streichquartetts, das Schubert am Anfang des zweiten Satzes liegen ließ und nie vollendete. Ein fast unhörbar leises Schwirren am Anfang steigern die Musiker innerhalb weniger Takte zum vollen Klang aller Instrumente. Die beiden Violinen (Maximilian Lohse und Moritz von Bülow) klingen überaus harmonisch, fast wie ein einziges Instrument. Mit enormer Dynamik, dabei in den Forte-Passagen ohne jede Schärfe, zeigt das Bülow-Quartett, was der Musikwelt entgangen ist, als der junge Schubert sein Quartett-Projekt abbrach.

Nach diesem beschwingt-klassischen Beginn erwartet die Zuhörer schwere Kost: Johannes Brahms' Streichquartett in a-moll op. 51/2. Brahms hatte sich jahrelang mit Streichquartetten gequält und mehr als 20 Versuche wieder vernichtet, bevor er die zwei Streichquartette op. 51 veröffentlichte. Trotz seiner klassischen Form ist das zweite Streichquartett mit seiner anspruchsvollen Tonsprache schon Musik an der Schwelle zur Moderne. Im "Allegro non troppo" berückt Nikolaus von Bülow am Cello mit feinem Bogenstrich. Dieser Satz wirkt besonders dramatisch durch die extremen Tempowechsel, die von den Musikern ständige Kommunikation und Abstimmung verlangen.

Das Bülow-Quartett meistert diese Anforderung so souverän, dass man fast nicht glauben möchte, dass alle vier in verschiedenen Orchestern von Amsterdam bis Bern spielen und sich nur in den probenfreien Zeiten zum Quartett zusammenfinden. Im "Andante moderato" hat die Bratsche einige solistische Partien, teilweise in hoher Lage. Johannes von Bülow verweist mit vollem Ton und weichem Bogenstrich alle Vorurteile gegen die Bratsche ins Land der Märchen. Im dramatischen "Allegro vivace" fesseln die Musiker die Zuhörer so stark, dass man in den Generalpausen eine Stecknadel zu Boden fallen hören könnte - und das in der Hustenjahreszeit.

Ludwig van Beethovens "Rasumowsky-Quartette", eine Auftragsarbeit für einen russischen Diplomaten in Wien, haben eher symphonischen als kammermusikalischen Charakter. In den Parallel-Passagen der beiden Violinen und von Bratsche und Cello im "Allegro" zeigte das Bülow-Quartett wieder sein perfektes Zusammenspiel. Die beiden Violinen überzeugen mit virtuosem Bogen und sauberen Flageolett-Tönen. Das "Allegretto vivace sempre scherzando" hat ein rhythmisches Thema auf nur einem Ton, das Beethovens Zeitgenossen sehr befremdete. Heute bereitet dieser "Scherz" mit seinem schalkhaften Ende Musikern und Zuhörern gleichermaßen viel Vergnügen.

Das "Adagio" ist der Höhepunkt des Werkes. Hier zeigen die Musiker ihre Meisterschaft der leisen Töne. Mit ständiger Abstimmung untereinander, aber ohne erkennbare Mühe zelebrieren sie einfach Musik. Im abschließenden Allegro mit seinem russischen Thema zeigt das Bülow-Quartett noch einmal seine ganze Klasse: Feinen Bogenstrich, perfektes Zusammenspiel und makellose Intonation.

Das begeisterte Publikum entlockt den Musikern schließlich noch eine überraschende Zugabe: "America" aus Leonhard Bernsteins Musical "West Side Story". Mit diesem rhythmisch anspruchsvollen, aber eingängigen Ohrwurm gehen die Zuhörer beglückt in den verschneiten Abend hinaus.

 
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