15.11.2018 - 15:35 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Mit schwebender Leichtigkeit

Stürmischer Applaus für das "trio unico" beim Kammermusikkreis in Sulzbach-Rosenberg.

Myriam Ghani, Viktor Soos, und Katarina Schmidt (von links) überzeugen bei ihrem Konzert beim Kammermusikkreis.
von Autor COGProfil

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das kann man beim Konzert des "trio unico" erleben. Auf der Bühne sitzen ein Pianist, eine Flötistin und eine Cellistin. Das ist keine ganz alltägliche Triobesetzung, aber das ganz Besondere an diesem Abend ist das, was zwischen den drei jungen Musikern passiert: Ihr vollendetes Zusammenspiel, ihre wunderbare Harmonie. Sie gehen herzlich aufeinander ein, rücken einander ins rechte Licht und sind in jedem Augenblick hörbar ein Ensemble und nicht nur drei Virtuosen. Sie verzichten auf schnelle Effekte, um die Essenz der Stücke zu durchleuchten und zum Strahlen zu bringen.

Die ungewöhnliche Besetzung bedeutet, dass auch das Programm Stücke umfasst, die man eher selten hört. Das Trio spannt einen Bogen von der Klassik bis zur Moderne. Laut und schnell kann jeder. Bei den langsamen, leisen Passagen jedoch erweist sich das Können. Der 1. Satz von Carl Maria von Webers Trio für Klavier, Flöte und Violoncello g-moll op. 63 ist zart und verhalten, und schon hier zeigt sich, dass das "trio unico" Spannung aufbauen und vor allem auch halten kann. Die schwebende Leichtigkeit von Myriam Ghanis Flöte, Katarina Schmidts wunderbar warmer Celloklang und der Flügel, dessen ganze klangliche Möglichkeiten Viktor Soos zum Leben erweckt, ergänzen sich zu berückendem Wohlklang.

Astor Piazzolla malt in seinen "Cuatro estaciones porteñas" die vier Jahreszeiten in Buenos Aires. Melancholisch und neblig präsentiert sich der Herbst. Die Musiker machen die Sehnsucht nach Wärme und Sonne spürbar. Spritzig und voller Witz ist Bohuslav Martinus Trio für Flöte, Cello und Klavier. Rhythmische Kapriolen und pfiffige Synkopen fordern höchste Aufmerksamkeit von den Musikern, machen den Zuhörern aber einfach Spaß. Impressionistische Farbigkeit prägt Philippe Gauberts "Trois Aquarelles". Hingetupfte Klänge malen ein zartes Bild von Einsamkeit im 2. Satz "Soir d'Automne", während die "Sérénade" Leidenschaftlichkeit mit einem Unterton von Tragik bietet. Immer ergründen Ghani, Schmidt und Soos die Idee der Komposition und bringen sie nachvollziehbar und überzeugend zum Ausdruck.

Abschluss und Höhepunkt des Konzerts ist Felix Mendelssohn-Bartholdys Klaviertrio Nr. 1 d-moll op. 49. Ursprünglich für die klassische Triobesetzung mit Geige geschrieben, arbeitete der Komponist das Werk selbst für ein Trio mit Flöte um. Hoch emotionale Dynamik, subtile Freude an den Details und rasende Läufe, die mit absoluter Präzision dargeboten werden, machen dieses Stück zu einem vollendeten Musikgenuss.

Für den stürmischen Applaus bedanken sich die Musiker mit der "Primavera Porteña", dem Frühling von Piazzolla, dessen leuchtende Farben die begeisterten Zuhörer schließlich in den Novemberabend begleiten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.