06.02.2020 - 15:36 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Souveräne Höhen problemlos beherrscht

Mezzo-Sopranistin Christa Mayer brilliert beim VHS-Kammermusikkreis

Mezzo-Sopran Christa Mayer hatte ein umjubeltes Gastspiel in ihrer Heimatstadt. Begleitet wurde sie dabei am Klavier von Stefan Wolitz.
von Autor GACProfil

Vorstellen muss man sie nicht, die Mezzo-Sopranistin Christa Mayer. Sie singt auf allen großen Opernbühnen der Welt, vor allem im dramatischen Fach und mit besonderer Vorliebe Richard Wagners Opernpartien wie die Brangäne in "Tristan und Isolde". In ihrer Heimatstadt Sulzbach-Rosenberg gab sie am Mittwoch beim Kammermmusikkreis der VHS einen Liederabend der ganz anderen Art.

Die "Zigeunermelodien" op. 55 von Antonín Dvořak, obwohl nicht ohne sängerische Schwierigkeiten, verlangen keine Stimmakrobatik, und der Konzertsaal im Beruflichen Schulzentrum ist kein Opernsaal. Hier kann Mayer ihre lyrischen Qualitäten voll zur Geltung bringen. Dvořak schrieb diese sieben Lieder zu Texten des böhmischen Schullehrers und Dichters Adolf Heyduk. Heyduk selbst übersetzte sie für die Uraufführung in Wien 1880 ins Deutsche.

Die melancholische Grundstimmung des Werks gibt Mayer mit samtenen Timbre sehr gut wieder, kongenial am Piano begleitet von Stefan Wolitz. Mit starker Dynamik singt sie, dabei auch im Forte ohne hörbare Anstrengung. Die letzten beiden Lieder, "In dem weiten, breiten, luftigen Leinenkleide" und "Darf des Falken Schwinge" fordern souveräne Höhen - Mayer beherrscht sie problemlos, und so werden diese Lieder zu Feiern der Freiheit.

Der französische Komponist Henri Duparc war ein Schüler von César Franck und im späten 19. Jahrhundert vor allem für seine Liedkompositionen berühmt. Mayer singt einige seiner bekanntesten Werke wie "Le manoir de Rosemonde" nach einem Text von Robert de Bonnières oder "La vie antérieure" nach Charles Baudelaire. Die Texte sind dunkel, mystisch und rätselhaft, und so ist auch die Musik. Mayer singt mit profunder Tiefe und in der Höhe ohne jede Schrillheit. Die rhythmisch anspruchsvollen Partien und die raschen Tempowechsel klappen dank des perfekten Zusammenspiels mit Wolitz am Flügel hervorragend. Die Zuhörer werden so hineingezogen in die düstere romantische Stimmung der Lieder, dass der Beifall zum Schluss erst nach längerer Pause einsetzt.

Franz Liszt war zu Lebzeiten ein gefeierter Klavier- und Orgelvirtuose, so dass seine Lieder auch einige Ansprüche an den Pianisten stellen, denen sich Wolitz erfolgreich stellt. Bei "Si'l est un charmant gazon" erfreut Mayer mit geradezu heiterer, beweglicher Stimme. "Die drei Zigeuner" singt sie mit Kraft in den Höhen und opernhafter Gestik. Einen dramatischen Höhepunkt bereitet die Sängerin mit der "Loreley" nach der bekannten Ballade von Heinrich Heine.

Bei Gustav Mahler denkt man zuerst an die "Kindertotenlieder" - man erwartet also schwere Kost. Die Lieder nach Texten aus "Des Knaben Wunderhorn" sind aber wesentlich volkstümlicher und zum Teil auch heiter. Das "Rheinlegendchen" gibt Mayer als neckischen Walzer, bei "Wer hat dies Liedlein erdacht?" zeigt sie ihre sehr bewegliche Stimme mit kunstvollen Koloraturen. Ergreifend ist das "Irdische Leben", das mit einem Kind auf der Totenbahre endet. "Aus! Aus!" ist mit seiner dialogischen Struktur und dem Schlussruf "Aus! Aus!" ein heiterer Rausschmeißer, der ein entspanntes Gelächter der Zuhörer provoziert.

Nach stürmischem Applaus kann sich Mayer bei der Zugabe ein Lied von Richard Wagner nicht verkneifen: "Träume". Und mit Richard Strauss' "Zueignung" entlässt sie das dankbare Publikum in den kalten Winterabend.

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