08.08.2018 - 21:07 Uhr
Deutschland & Welt

Das System Ryanair wird zum Bumerang für seine Profiteure

Wenn am Freitag auch die deutschen Ryanair-Piloten streiken, werden sich viele Urlauber zu recht ärgern. Trotzdem ist der Arbeitskampf beim irischen Billigflieger lange überfällig. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Kenny Jacobs, Marketingchef von Ryanair, spricht bei einer Pressekonferenz des irischen Billigfliegers. Die Piloten-Vereinigung Cockpit hatte zuvor alle angestellten Piloten an den deutschen Ryanair-Basen für den 10. August zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
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Die Zeiten sind noch nicht lange her, in denen eine Reise in den Urlaub mit dem Flugzeug eine Sache war, die sich nur Gutverdiener leisten konnten. Doch dann kamen Airlines wie Ryanair, stellten alles auf den Kopf und trieben das Billigkonzept auf die Spitze. Heute zahlt man etwa für einen Flug von Frankfurt nach Ibiza weniger als für ein Abendessen für zwei Personen im Restaurant um die Ecke. Ein Irrsinn, wenn man ehrlich ist. Ein Irrsinn allerdings, der es Millionen Menschen mit schmalem Portemonnaie ermöglicht, ihrem Alltag zu entfliehen.

Trotz sinkender Ticketpreise machte Ryanair im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/2018 einen Gewinnsprung um zehn Prozent auf satte 1,45 Milliarden Dollar. Man muss kein Mathe-Genie sein, um sich auszurechnen, dass die Mitarbeiter davon wohl kaum profitieren. Der Pilotenstreik setzt also ein wichtiges Zeichen.

Wenn Ryanairs Marketing-Chef Kenny Jacobs nun klagt, die Streikenden zerstörten "den Urlaub unschuldiger Familien", dann darf man vor lauter Pathos eines nicht übersehen: Niemand ist "unschuldig", der bei Ryanair sein Flugticket löst, denn er profitiert von einem System, bei dem es auch Verlierer gibt. Wenn eine Ware oder eine Dienstleistung so unverschämt günstig ist, kann man sich sicher sein: Irgendjemand muss immer den Preis für solche Schnäppchen zahlen.

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