"Tageszeitungen weiterhin Vertrauensanker für das Publikum"

Die höchste Glaubwürdigkeit wird einer neuen Studie zufolge mit 78 Prozent öffentlich-rechtlichen Radiosendern zugeschrieben. Wieder einmal sind sich Ost- und Westdeutsche nicht einig

Prominenter Zeitungsleser: Friedrich Merz macht Schmöker-Pause beim CDU-Bundesparteitag in Leipzig.

(nt/az)) 61 Prozent der Bevölkerung halten die Informationen in deutschen Medien für glaubwürdig. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR. Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2018 (65 Prozent) ist dieser Wert leicht gesunken, liegt aber über den Zahlen von 2015 (52 Prozent) und 2016 (57 Prozent). Ost- und Westdeutsche sind sich in dieser Frage nicht einig: Während im Westen Deutschlands 64 Prozent der Menschen die Medien-Informationen als glaubwürdig einschätzen, sind es im Osten nur 48 Prozent.

Tageszeitungen bei 76 Prozent

Wo sich die Befragten selbst im politischen Spektrum einordnen, spielt dagegen eine geringere Rolle: Menschen, die sich politisch in der Mitte sehen, halten die Informationen in den deutschen Medien ebenso zu 59 Prozent für glaubwürdig wie jene, die sich eher rechts einordnen. Bei Menschen, die sich selbst als links bezeichnen, sind es 69 Prozent.

Die höchste Glaubwürdigkeit wird mit 78 Prozent erneut öffentlich-rechtlichen Radiosendern zugeschrieben. Die Informationen in öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern schätzen 74 Prozent der Befragten als glaubwürdig ein. Ähnlich gut schneiden Tageszeitungen ab (76 Prozent). Als "weniger glaubwürdig" bewertet ein Großteil der Befragten die Boulevardpresse, nur sieben Prozent halten sie für glaubwürdig. Auch die Informationen in sozialen Netzwerken schätzen die Deutschen größtenteils als wenig glaubwürdig ein, wobei es zwischen den einzelnen Plattformen durchaus Unterschiede gibt: Während Youtube noch von 19 Prozent der Befragten als glaubwürdig beurteilt wird, fallen Twitter (8 Prozent), Facebook (7 Prozent) und Instagram (4 Prozent) deutlich ab.

"Die Studie zeigt, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Qualitätspresse weiterhin als stabile Säulen unserer Gesellschaft sind", ordnet WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn die Ergebnisse ein und sagt: "Obwohl die Nutzung digitaler Medien voranschreitet, sind die öffentlich-rechtlichen Angebote und die Tageszeitungen weiterhin Vertrauensanker für das Publikum. Selbst bei den Jüngeren ist die Glaubwürdigkeit von Nachrichten in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter denkbar niedrig."

Im Vergleich zu den drei Vorgänger-Studien ist das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erneut gestiegen: Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) gaben an, großes oder sehr großes Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu haben - drei Prozentpunkte mehr als vor eineinhalb Jahren und sogar sechs Prozentpunkte mehr als 2015 und 2016. Verglichen mit anderen Institutionen rangieren in puncto Vertrauen die Polizei (87 Prozent, minus 2), die Verbraucherzentrale (75 Prozent, plus 1), das Bundesverfassungsgericht (73 Prozent, minus 2) und die Stiftung Warentest (72 Prozent, minus 2) vor dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unter anderem Tageszeitungen (54 Prozent, minus 1), der Bundesregierung (37 Prozent, plus 4) und privaten Rundfunksendern (21 Prozent, plus 1) bringen die Deutschen weniger Vertrauen entgegen.

Wer sich wo informiert

Haupt-Informationsquellen zum politischen Geschehen bleiben für mehr als die Hälfte der Deutschen die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Tageszeitungen kommen auf 22 Prozent. Bei den 18- bis 34-Jährigen zeigt sich das gleiche Bild: Auch unter ihnen nutzen zusammen 53 Prozent öffentlich-rechtliches Fernsehen (20 Prozent), die Internetangebote der öffentlich-rechtlichen Sender (19 Prozent) und öffentlich-rechtliches Radio (14 Prozent) an erster Stelle, um sich politisch zu informieren. Soziale Medien wie Youtube, Facebook, Instagram oder Twitter nennen dagegen nur 9 Prozent der Jüngeren als ihre politischen Haupt-Informationsquellen.

Gibt es politische Einflussnahme?

Dass es politische Vorgaben für die Berichterstattung der Medien gibt, vermuten nach wie vor vier von zehn Deutschen (38 Prozent, minus 2). 58 Prozent sehen keinen Einfluss der Politik, das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch vor eineinhalb Jahren. Im Osten Deutschlands geht sogar eine leichte Mehrheit von 50 Prozent der Befragten davon aus, dass es Vorgaben von Staat und Regierung gibt. 47 Prozent glauben das nicht.

Für die Studie hat Infratest dimap vom 14. Oktober bis 1. November insgesamt 1000 Wahlberechtigte in Deutschland befragt.

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