Update 08.09.2026 - 06:10 Uhr

„Tatort“-Rückkehr mit Furtwängler: Ein Fall voller Zweifel

Nach einer der längsten Sommerpausen in der Geschichte des „Tatorts“ kehrt die ARD-Krimiserie am 13. September zurück - mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm und einem außergewöhnlichen Fall.

Der Sonntagskrimi der ARD ist endlich zurück. Nach der ungewöhnlich langen Sommerpause - immerhin 19 Wochen - ermitteln nun vom 13. September an wieder die deutschsprachigen „Tatort“- und „Polizeiruf“-Kommissare. Den Anfang macht Maria Furtwängler als norddeutsche Ermittlerin Charlotte Lindholm. „Tatort: König in Gelb“ läuft am Sonntag, 20.15 Uhr, im Ersten.

In ihrem 33. Fall führt es die Kommissarin in den fiktiven niedersächsischen Ort Kleinhude, in ein sogenanntes Demenzdorf. Dort soll Menschen mit Demenz ein möglichst normales und selbstbestimmtes Alltagsleben ermöglicht werden. An diesem vermeintlich geschützten Ort stößt Lindholm auf einen rätselhaften Todesfall. 

Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entwickelt sich schnell zu einem möglichen Mordfall. Ein Bewohner, Gustav König, gerät dabei ins Visier. Hauptkommissar Matthias Vogel behauptet, König habe über einen Zeitraum von 20 Jahren sieben Menschen ermordet. 

Das Problem: Vogel ist selbst an Demenz erkrankt und vom Dienst beurlaubt. Lindholm muss deshalb herausfinden, wie ernst sie seine Hinweise nehmen kann. Sind Vogels Erinnerungen noch zuverlässig? Hat er tatsächlich etwas beobachtet oder setzt sich in seinem Kopf eine Geschichte zusammen, die so nie passiert ist? Je länger sie ermittelt, desto mehr beginnt auch sie, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. 

Dass Lindholm dabei zunehmend ihre einfühlsame Seite zeigt, wirkt überzeugend und gibt dem „Tatort“ eine ungewohnt berührende Note. Gleichzeitig bleibt der Film spannend, weil bis zum Schluss offen ist, welchen Erinnerungen und Wahrnehmungen man überhaupt trauen kann.

Wenn die Ermittlerin den Boden verliert

„Das Reizvolle ist ja, dass alles, was Charlotte sonst so ausmacht oder eben Ermittler grundsätzlich und Ermittlerfiguren ausmacht, ist, schlauer zu sein als die anderen, schneller kombinieren zu können, dass ihr diese Grundlage weggenommen wird“, sagte Schauspielerin Maria Furtwängler der Deutschen Presse-Agentur. Das verunsichere die Hauptfigur. Normalerweise könne sich Lindholm auf ihre Beobachtungsgabe und ihre Fähigkeit verlassen, Zusammenhänge schneller zu erkennen als andere. Das verunsichere sie, führe aber zu einer großen Empathie, sagte Furtwängler.

Ein Kommissar mit Demenz

Gespielt wird Matthias Vogel von Andreas Lust. Für den Schauspieler war die Rolle eine besondere Herausforderung. „Es war in jedem Fall eine besondere Aufgabe und natürlich mit der Angst verbunden, ins Klischee zu gehen oder etwas zu erzeugen, was nicht der Realität entspricht“, sagte Lust.

Deshalb habe er sich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Unterstützung bekam er demnach von der Hamburger Alzheimer Gesellschaft. Zudem habe Lust vor den Dreharbeiten mit Menschen aus einer Selbsthilfegruppe für jüngere Demenzbetroffene gesprochen. Besonders wichtig sei für ihn dabei gewesen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Erkrankung im Alltag und körperlich auswirken kann. „Dieses Treffen war enorm wichtig, um das sichere Gefühl zu haben: Es ist alles wahr, was wir erzählen“, sagte Lust.

25 Jahre Charlotte Lindholm

Für Maria Furtwängler ist die Rückkehr als Charlotte Lindholm auch ein Blick auf eine Figur, die sie lange begleitet. Im kommenden Jahr feiert Lindholm 25-jähriges Jubiläum. „Ich glaube, was sich mit der Zeit doch stark verändert hat, ist, dass sie so viel greifbarer, so viel menschlicher ist, und man plötzlich ihre Wärme spürt. Und dass sie diese Wärme und Menschlichkeit vielleicht früher nicht so ausdrücken konnte.“ 

Auch nach so vielen Jahren beginne die Vorbereitung auf eine neue Folge für Furtwängler mit kleinen Details. „Das beginnt bereits mit den Schuhen, die ich anziehe, die ich typischerweise da trage, oder einem Gürtel. Und sobald ich die anhabe, entsteht so ein Energiefeld Charlotte, was extrem aufgeladen ist.“

Eine eigene Oper für den Tatort 

Die Musik spielt in „König in Gelb“ eine ungewöhnlich große Rolle. Eigens für den Film wurde eine Oper komponiert. Nach Angaben der Komponisten wurde sie mit dem NDR Vokalensemble und der Capella St. Crucis Hannover aufgenommen. 

Ungewöhnlich lange Krimi-Sommerpause

Der neue „Tatort“ markiert das Ende einer ungewöhnlich langen Sommerpause. Seit dem 10. Mai waren im Ersten keine neuen Folgen von „Tatort“ und „Polizeiruf“ am Sonntagabend zu sehen. 

Die ARD bezeichnet die verlängerte Pause als Ausnahme aus planerischen Gründen. Eine Reduzierung der Folgen sei in Zukunft nicht geplant. Dass der „Tatort“ aus dem Norden die Saison eröffnet, sei laut Sender eine bewusste Entscheidung. „König in Gelb“ habe man wegen seines Stoffes ausgewählt. Für Schauspielerin Maria Furtwängler fällt die Rückkehr auf einen besonderen Tag. Am 13. September wird sie 60 Jahre alt.

© dpa-infocom, dpa:260908-930-650035/2

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.