02.07.2018 - 19:46 Uhr
ThansteinDeutschland & Welt

Dürre in der Oberpfalz

Der Klimawandel ist für die Oberpfälzer Landwirte keine theoretische Debatte: Josef Reitinger vom Schwarzenhof in Thanstein (Kreis Schwandorf) hat der heißeste April seit Beginn der Wetteraufzeichnung und der trockene Sommer 50 Prozent der Getreideernte gekostet.

Die Kartoffeln sollten jetzt schon größer sein, deshalb hoffen Josef Reitinger (von links) und Gattin, Kreisbäuerin Rita Blüml und BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz (rechts) auf baldigen Regen und wachsende Knollen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Es ist nicht die Trockenheit allein, die den Bauern unter den Nägeln brennt: Die zunehmende Unberechenbarkeit des Wetters, wenig Niederschlag an einem Ort, dann Starkregen teilweise mit Hagel lokal eng begrenzt nur wenige Kilometer daneben, macht den Anbau zum Ernte-Roulett. „Bei uns am Betrieb hat es 38 Liter in zehn Minuten heruntergeregnet“, erzählt Josef Wutz, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), beim Erntegespräch am Schwarzenhof. Eine Schadfläche von 10.000 Hektar hätten Sturm und Hagel im Landkreis Cham zurückgelassen.

"Lieber weniger Regen als Hagel"

Im Vergleich dazu geht es Ferkelerzeuger Reitinger noch ganz passabel. „Lieber weniger Regen als so einen Hagel wie in Furth“, sagt der Vorsitzende der Kartoffel-Erzeugergemeinschaft Neunburg. „Auch unsere Wintergerste bringt 30 Prozent weniger Ertrag, bei den Kartoffeln habe ich die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben.“ Es komme darauf an, wie’s jetzt weitergehe: „Wenn es nicht bald regnet, gibt es Verwachsungen.“ Dann hat der Metallbaumeister ein Problem: „Wir produzieren für die Lorenz Snackworld, die bezahlen nur, was verarbeitet wird.“ 90 bis 95 Prozent sollte man rauskriegen, damit man einen Deckungsbeitrag erwirtschaftet, der passt.

Dabei hat sich Reitinger ohnehin schon auf die extremeren Wetterbedingungen eingestellt. Mit einem Erosionsschutz sorgt er dafür, dass auch bei Starkregen die Erde nicht weggespült wird. „Wir pflanzen eine Zwischenfrucht, die hält den Damm zusammen.“ Es gehe darum, die Energie, die die Wassertropfen haben, abzubremsen: „Die wird absorbiert vom Kraut.“

Die Wetterkapriolen treffen mit einer politischen Großwetterlage zusammen, die den Landwirten das Leben schwer macht: „Der Flächenverbrauch hat die nutzbare Fläche seit 1960 um mehr als 800.000 Hektar verringert“, sagt Präsident Wutz, „das ist mehr als die gesamte Acker- und Grünlandfläche der Oberpfalz mit 510.000 Hektar – und entspricht 27.000 Durchschnittsbetrieben.“ Dazu kämen die politischen Risiken mit Trump und Co., bringt Josef Wittmann, BBV-Geschäftsführer in Schwandorf den drohenden Handelskrieg in Erinnerung.

Vier Betriebe schlachten 60 Prozent aller Ferkel

Reitinger denkt weniger an die Exportchancen als mehr an die Risiken für einen kleinen Oberpfälzer Ferkelerzeuger: "Ich bin nicht optimistisch, dass wir über die Ferkelpreise die Einbußen reinkriegen - wenn 60 Prozent der Ferkel in Deutschland von vier Betrieben geschlachtet werden, ist das eine Macht." Selbst Getreidestroh sei dieses Jahr Mangelware, die Anfrage danach sogar höher als nach Körnern. "Wir kommen zu einem Engpass in der Futterversorgung."

Und Kreisbäuerin Rita Blüml warnt: "Wenn Familienbetriebe aufgeben, können wir auch regionale Programme für eine gesunde Lebensmittelerzeugung nicht aufrechterhalten." Klimaschutz und Bodenfruchtbarkeit seien den Bauern wichtig, "bei Blühstreifen und -flächen arbeiten wir mit Imkern zusammen."

"Es ist zu erwarten, dass uns die Klimaauswirkungen noch lange beschäftigen", glaubt Kreisobmann Josef Irlbachnicht an ein vorübergehendes Phänomen. "Die Verbraucher sollten sich klarmachen, wo die Nahrungsmittel herkommen." Auch der Forstwirtschaft mache die Trockenheit zu schaffen: "Die Schädlinge werden angreifen", sagt Irlbach "die Lage bei den Borkenkäfern hat sich dramatisiert." Dazu komme die wachsende Waldbrandgefahr.

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