19.02.2019 - 16:32 Uhr
Hof an der SaaleDeutschland & Welt

Theater Hof: Feurige Liebe in kühlem Rahmen

"Käthchen von Heilbronn" feiert am Theater Hof eine überzeugende Premiere. Neben Käthchen (Susanna Mucha) brilliert noch ein weiterer Schauspieler.

Susanna Mucha (Käthchen) und Oliver Hildebrandt (Friedrich Wetter Graf vom Strahl) in der berühmten Holunderbusch-Szene, im Hintergrund Aline Adam als Cherub
von Holger Stiegler (STG)Profil

Das Stück hat noch lange nicht begonnen, aber der Zuschauer ist schon mittendrin. Die Titelfigur liegt auf der Bühne, schlafend und träumend, während die Besucher langsam Platz nehmen. Und dann nimmt sie das Publikum mit in ihre Geschichte, in ihren Traum, in dem sie die Fäden in der Hand hält, und den sie so erzählt, wie sie ihn erlebt und empfindet. Dem Theaterensemble Hof gelingt am Freitag mit der Inszenierung von Reinhardt Friese eine meisterhafte Interpretation des Ritterschauspiels "Das Käthchen von Heilbronn" von Heinrich von Kleist. Die Umsetzung wird zu einem "Traum in Weiß".

Über 200 Jahre hat das Kleist'sche Drama bereits auf dem Buckel. Da muss sich jeder Regisseur mit der Frage nach einer zeitgemäßen, unterhaltsamen und weitgehend kitschfreien Inszenierung des durchaus märchenhaften Stoffes auseinandersetzen. Friese beantwortet dies, gemeinsam mit Annette Mahlendorf (Kostüme) und Herbert Buckmiller (Bühne), auf kreative und originelle Art und Weise - ganz ohne Ritterkostüme, Schwertkämpfe oder Schlösser als Kulissen.

"Dream a little dream of me" kurbelt das Käthchen, das am Bühnenrand sitzt, zu Beginn auf einer Spieluhr und das 16-köpfige Ensemble stimmt als Chor in den Song ein. Die an sich schon zentrale Bedeutung des Träumens für das Stück wird auf diese Weise nochmals hervorgehoben. Und als ob der Regisseur den Zuschauern zudem sagen möchte: "Ihr befindet Euch in Käthchens Traum, sie gibt den Takt vor!" Und das tut sie auch: Alle 16 Akteure sind während der zweistündigen Aufführung (ohne Pause) permanent auf der Bühne. Mit kurzen, aber klaren Handbewegungen macht Käthchen (grandios: Susanna Mucha) deutlich, wann sie ihren Einsatz haben. Und eben auch, wenn sie nicht gebraucht werden, blitzartig umfallen, marionettengleich auf dem Boden liegen oder an der Wand lehnen.

Weiß ist die dominierende Farbe des Abends: Der Bühnenboden, die Wände und die Decke sind es, die Schauspieler sind grell- und kalt-weiß gekleidet, deren Gesichter in denselben Tönen geschminkt (mit Ausnahme Käthchens). Diese Kühle, ja Sterilität, steht im krassen Gegensatz zur Hauptbotschaft des Stückes: Die Liebe Käthchens zu Friedrich Wetter Graf vom Strahl, bedingungslos, flammend, naiv und gegen alle Standesschranken. Diese Spannung zieht sich durch den Abend und fordert das Ensemble. Und auch die Zuschauer: Denn es ist in erster Linie das gesprochene Wort, das wirkt. Es sind die Poesie und die Wucht der Sprache Kleists, auf die Friese das Publikum lenkt. Die Inszenierung verpflichtet zum genauen Hinhören, zum konzentrierten Verarbeiten des Gesagten. Wer Action sucht, ist hier eindeutig falsch, an manchen Stellen mögen das statische und "körperfreie" Spiel vielleicht auch etwas zu arg ausgereizt sein.

Die Rollen sind sehr gut besetzt, aus einem homogenen Ensemble ragen neben "Käthchen" Susanna Mucha besonders Oliver Hildebrandt als Friedrich Wetter Graf vom Strahl, Volker Ringe als Käthchens Vater Theobald Friedeborn sowie Julia Leinweber als Kunigunde von Thurneck mit betörendem Vamp-Faktor hervor. Zum Schluss gibt es langanhaltenden Applaus für Ensemble und Kreativ-Team. Weitere Aufführungen (Beginn jeweils um 19.30 Uhr) am 20. und 23. Februar sowie am 2., 8. und 17. März. Tickets gibt es unter: www.theater-hof.de

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