02.04.2020 - 16:46 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Coronakrise: Erschütternde Einblicke eines Pflegedienstes

Ein Warnsignal kommt in der Corona-Krise vom ambulanten Intensivpflegedienst "Lebenswert", der Patienten in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN, Wunsiedel und Hof betreut. Das Team sorgt sich über Pandemieentwicklung in der Region.

Beatmungsgeräte sind derzeit wichtiger denn je.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Es sind bedrückende Schilderungen: In einem Offenen Brief an die Landräte Wolfgang Lippert (Tirschenreuth) und Andreas Meier (Neustadt/WN) äußert der Leiter des außerklinisch tätigen Intensivpflegedienstes „Lebenswert“, ansässig in Mitterteich, große Sorgen über die Pandemieentwicklung in der Region.

Geschäftsführer Wolfgang Karbstein erklärt in dem Schreiben, dass aus seiner Sicht „einiges im Bereich des Katastrophenschutzes im Argen liegt“. Er nennt eine ganze Reihe von Beispielen, die er aus eigener Erfahrung, Meldungen von Kollegen und betroffenen Familien gesammelt habe. So sei in der vergangenen Woche ein Ersatzbeatmungsgerät einer Patientin, die 24 Stunden beatmet werden muss, im Auftrag des Lagezentrums Katastrophenschutz in Neuhaus beschlagnahmt worden.

Das Gerät sei aus der „Lebenswert“-Wohngemeinschaft in Altenstadt/WN von einem Feuerwehrmitarbeiter abgeholt worden. „Das Ersatzgerät dient dem Lebenserhalt der Patientin, falls das in Betrieb befindliche Gerät ausfällt“, betont Karbstein. Erst nach massiver Intervention eines Anästhesisten sei das Gerät zurückgebracht worden. Karbstein zufolge sei das kein Einzelfall gewesen. „Kollegen in Weiden wurden vier Geräte aus Wohngemeinschaften beschlagnahmt, die auch zurückgebracht werden mussten.“ Unverständlich sei das auch im Hinblick auf die Tatsache, „dass wir der Katastrophenschutzbehörde Tirschenreuth mitgeteilt haben, dass wir noch über drei Beatmungsgeräte verfügen, die für Schulungszwecke verwendet wurden und die nach einer Wartung zum Einsatz geeignet wären“. Diese Geräte seien bis dato nicht abgerufen worden.

Grundsätzlich bemängelt Karbstein, dass das Fachpersonal an Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen nicht flächendeckend mit sicheren Schutzmasken ausgestattet sei. „Alle, die derzeit nahe an Patienten arbeiten müssen, gefährden aufgrund dieses Mangels die Gesundheit und das Leben der von uns Versorgten, Kranken, Schwachen und Alten.“ Die Dauer, bis das Ergebnis eines Corona-Tests vorliegt, sei zudem in vielen Fällen zu lang. Der Geschäftsführer appelliert an die Verantwortlichen, mit Laboren zusammenzuarbeiten, die noch Kapazitäten frei haben.

Auch stößt Karbstein sauer auf, dass die Zusammenarbeit der Landkreise bei der Bewältigung der Krise aus seiner Sicht ungenügend ist. „Wie kann es sein, dass Kliniken in Nachbarlandkreisen noch sehr viel Kapazität haben, um Patienten aufzunehmen und zu behandeln?“, fragt er. Karbstein fordert hier eine engere Vernetzung und Kooperation.

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