15.04.2021 - 07:36 Uhr
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Tirschenreuth mit der niedrigsten Corona-Inzidenz in ganz Bayern

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Der Kreis Tirschenreuth entwickelt sich in der Corona-Pandemie erneut gegen den Trend. Zum Jahresanfang fielen die Zahlen überall, nur nicht in Tirschenreuth. Jetzt steigen die Werte, aber der Norden der Oberpfalz hält dagegen.

Im Februar blickte ganz Deutschland auf den Hochinzidenz-Kreis Tirschenreuth. Seither sind die Zahlen kontinuierlich gefallen, während sie anderswo deutlich stiegen.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Landkreis Tirschenreuth weist laut RKI aktuell die geringste Corona-Belastung in ganz Bayern auf. Am Donnerstag veröffentlichte das Robert-Koch-Institut (RKI) für den Kreis im Norden der Oberpfalz einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 76,3. Dies ist mit Abstand der niedrigste im gesamten Bundesland. Der Schnitt aller Kreise liegt derzeit bei 178,37. Nur vier Landkreise liegen bei dem Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen im zweistelligen Bereich, nur Tirschenreuth liegt unter 90. Den höchsten Wert wies das RKI für die Stadt Hof mit 567,4 aus.

Die gute Entwicklung in Tirschenreuth ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Landkreis lange am anderen Ende der Liste stand. Die ansteckendere Corona-Mutante B117, die erstmals in Großbritannien aufgetreten war, verbreitete sich in dem Landkreis besonders früh. Noch Mitte Februar wies er auch deshalb Werte von knapp unter 400 aus, damals die höchsten in ganz Deutschland. Heute weist die Entwicklung in die entgegensetzte Richtung. Alleine von Mittwoch auf Donnerstag fiel der Wert von 94 auf 76 deutlich. Häufig sind solche starken Sprünge mit Übertragungsfehlern verbunden. In Tirschenreuth scheidet diese Begründung aus. Laut RKI hat das Gesundheitsamt auch am Mittwoch Fälle übertragen. Mit 5 lag die Meldung aber deutlich unter der Zahl an Neuinfektionen, die andere Kreise derzeit täglich verzeichnen.

Im Januar von der dritten Welle überrollt

Als Erfolg will dies der Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier (CSU) aber nicht groß feiern. Mit Blick auf die hohen Zahlen zu Beginn des Jahres sagt er: Wir machen nicht vieles anders als noch im Januar, aber im Januar überrollte uns die dritte Welle – auch aus Richtung Tschechien. Für die Lage unseres Landkreises können wir nicht viel dafür.“ Zugleich betont er, wie schon häufiger in den zurückliegenden Wochen, dass viele Firmen und der Handel auf tschechische Grenzpendler oder Kunden angewiesen sind.

Der Landrat warnt davor, mit dem Finger auf die tschechischen Nachbarn zu zeigen. Auch die Tschechen hätten es geschafft, "sich mit viel Entbehrungen und auch Leid von den hohen Zahlen herunter zu arbeiten". Inzwischen liegt der Wert für die Sieben-Tage-Inzidenz im unmittelbar an den Kreis Tirschenreuth grenzenden tschechischen Eger laut tschechischem Gesundheitsministerium bei 51.

Aus seinem Ärger über überregionale Medien, die den Landkreis Tirschenreuth erst als Negativbeispiel vorführen und nun feiern wollen, macht der Landrat in seiner Presseerklärung vom Donnerstag keinen hehl, betont aber er wolle nicht nachtreten.

Als Gründe für den Rückgang der Corona-Infektionen führen Sprecher Walter Brucker und der Landrat unter anderem das Angebot ausreichender Testmöglichkeiten im Landkreis an, die Testpflicht und Grenzkontrollen für tschechische Pendler und die Test- und Hygienekonzepte sowie die Kontrollen in Betrieben und Unternehmen. Auch die hohe Quote von 23,82 Prozent bei Erstimpfungen hilft, die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Dazu kommt die Disziplin und das Durchhaltevermögen der Menschen, betont Brucker und verweist auf die konsequente Kontaktnachverfolgung durch das Tirschenreuther Gesundheitsamt. Deshalb bittet Landrat Grillmeier weiter um Disziplin, "sonst kann uns in einigen Wochen wieder eine Situation drohen, wie sie derzeit in vielen Regionen mit steigenden Fallzahlen stattfindet".

Wir machen nicht vieles anders als noch im Januar, aber im Januar überrollte uns die dritte Welle – auch aus Richtung Tschechien. Für die Lage unseres Landkreises können wir nicht viel dafür.

Roland Grillmeier (CSU), Landrat von Tirschenreuth

Roland Grillmeier (CSU), Landrat von Tirschenreuth

Kontrollen und Testkonzepte zur Eindämmung

Brucker verweist zudem darauf, dass die angrenzenden Regionen (Neustadt, Weiden, Wunsiedel, Bayreuth, Tschechien) derzeit keine Hot-Spots mehr darstellen. Während in Eger die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 51 lag, betrug sie weiter südlich im Kreis Tachov 114 und im Kreis Domzlice sogar 159. Im Februar hatte der Mathematiker Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig gewarnt, die Mutante B117 sei um mindestens 35 Prozent ansteckender und es baue sich wegen deren Verbreitung eine zweite Pandemie auf. Im Kreis Tirschenreuth ging der Anteil wegen der Nähe zu Tschechien schneller nach oben als im übrigen Deutschland. Im Landratsamt geht man deshalb davon aus, dass der Kreis früher erlebt hat, das was jetzt ganz Deutschland erlebt. Die Gefahr durch die Corona-Pandemie ist aber auch im Kreis Tirschenreuth noch nicht vorbei. Davon gehen die Verantwortlichen auch aus.

Corona in Zahlen

Weiden in der Oberpfalz
Wegen der steigenden Zahlen in Tschechien waren Grenzkontrollen, wie hier in Waldsassen, eingeführt worden..

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