Von Ulla Britta Baumer
Am 7. August feierte Hans-Georg Schulze seinen 87. Geburtstag. Damit dürfte er der älteste, aktive Künstler der Region sein. Sein aktives Künstlerdasein mutet dagegen nahezu „jung“ an. Seine Tochter habe ihn vor über 20 Jahren angeregt, wieder was mit Kunst zu machen, erzählt er. „Sie hat meine Karikaturen gefunden“, nennt Schulze als Grund und nimmt ein Buch aus seinem Bücherschrank. Es ist voll mit Karikaturen aus Schulzes Studienzeit. Die Schwarz-weiß-Zeichnungen über das Studentenleben eines angehenden Zahnarztes sind sehr gut. Ein Talent, das eine Weiterverfolgung wert gewesen wäre.
Aber das wollte der gebürtige Westpreuße nicht. Schulze suchte auf Anregung seiner Tochter die neue Herausforderung in der figürlichen Darstellung. Im Alter von 74 Jahren nach Beendigung seines weiteren Hobbys, der Segelfliegerei, startete er richtig durch. Nach ersten Versuchen in Holz legte er dieses Material wieder beiseite und nahm sich die weit anspruchsvolleren Werkstoffe Metall und Ton zu Herzen. Fortbildungskursen in Deutschland und Frankreich hätten ihm geholfen, das Material zu verstehen, sagt er.
Diese Grundlagen, habe er schnell erkannt, seien für die Arbeit unumgänglich. „Übung, Übung, Übung“, sagt er lachend, was ihn über die Jahre hinweg antrieb, immer besser zu werden. Dieser Fleiß, gekoppelt mit Wissbegierde und einer ungemein aufregenden Fantasie zahlte sich für Schulze aus. Er spezialisierte sich auf figürliche Keramik, die er mitunter in einer Spezialgießerei in Kötzting in Bronze gießen lässt. „Da lernt man schnell seine Grenzen kennen“, sagte Schulze bescheiden im Vergleich zu den „ganz Großen“, die nach Kötzting ebenfalls ihre Werke zum Gießen bringen.
Seine Bescheidenheit ehrt ihn, wenn sie auch unbegründet ist. Schulze kann durchaus mithalten mit den Großen. „Oft schaut das Ergebnis völlig anders aus, als ich es skizziert habe“, erzählt er von seiner Arbeit und wie seine Skulpturen lebendig werden. Dass er Zeit habe und sein Künstlerdasein genießen könne, das sei ein Geschenk des Himmels für ihn, fügt er an. Schulze bedauert zwar, dass er sich nie ein Atelier eingerichtet habe.
Sein unspektakulärer Wirkungsort ist die Garage. Hinter seinem Auto an einer Werkbank setzt dieser äußerst kreative Kopf, selbst jetzt im hohen Alter, seine futuristischen Fantasien um. Hier verbringt er Stunden, ganze Nächte, Tage. Solange, bis fertig ist, was das Herz den Händen schafft. "Das erfordert das Material. Man muss dabei bleiben, bis es fertig ist. Sonst bricht es in sich zusammen", erklärt dies Schulze mit der Technik. Und schmunzelt.
Natürlich sind diese Stunden der Kreativität auch Ausgleich und Seelennnahrung im Alltag für ihn. Hans-Georg Schulze hat mit den Jahren ein außergewöhnliches Talent entwickelt, seinen figürlichen Darstellungen mehrere Gesichter gleichzeitig einzuverleiben. „Absonderliches“ in dreidimensionaler Betrachtungsform ist seine besondere Stärke. Provokativ, mitunter „diabolisch“ und meist ein wenig spöttisch lachend blicken Schulzes Werke hinaus in die Welt. Wenn der Künstler auch von sich selbst sagt, seine Arbeiten seien keinem politischen Hintergrund unterworfen, sondern rein seiner Fantasie, dringt dennoch in nahezu jedem seiner Werke der gesunde Menschenverstand eines kritischen Freigeistes nach Außen durch.
Hans-Georg Schulze wurde am 7. August 1931 in Elbing in Westpreußen geboren. Er studierte in Hannover Zahnmedizin und betrieb 1960 bis 1993 eine Zahnarztpraxis in Tirschenreuth. Schwerpunkte sind zeitgenössische Keramik, Metallskulpturen und Bronzeguss. Schulze ist Mitglied im Oberpfälzer Kunstverein Weiden, im Kunstverein Tirschenreuth und im Verein Kunsthaus Waldsassen. Seine Werke zeigte er bisher bei Gemeinschafts- und Einzelausstellungen im Raum Tirschenreuth und Weiden sowie in Tschechien, Italien und Frankreich.
Die nächste Ausstellung des 87-jährigen Künstlers findet im Kunsthaus Waldsassen statt gemeinsam mit Toni Eichinger, dem ehemaligen Kunstlehrer am Stiftland-Gymnasium, statt. Vernissage ist am 25. August um 19 Uhr, die Ausstellung dauert bis 23. September und kann jeweils Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.
























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