Es sind Momente wie diese, die einem Konzert etwas Magisches verleihen. Und nicht für die Besucher, sondern wohl auch für die Sängerin auf der Bühne. Wenn die ersten Akkorde eines über 20 Jahre alter Songs dafür reichen, dass die Künstlerin ihr Mikro eigentlich zur Seite legen könnte. Wenn wohl wirklich die gesamten Zuhörer jenes Lied anstimmen, das vor zwei Jahrzehnten um die Welt gegangen ist und das noch heute nichts von seinem Glanz verloren hat.
So geht es Alanis Morissette und den Besuchern des "Tollwood"-Festivals in München, wo die gebürtige Kanadierin am Montagabend das eh schon überhitzte Zelt zum Sieden bringt. "Ironic", das Lied, um das es geht, ist in den 90er Jahren eine Hymne. Und dass sie es auch heute noch ist, hat auch viel mit dem Songtext zu tun. Morissette singt darin von der Ironie des Lebens - angefangen bei einem verpassten Bus über gute Ratschläge, die man nicht angenommen hat, und dem Verkehrsstau, wenn man eh schon zu spät dran ist, bis hin zur verregneten Hochzeit.
Alanis Morissette braucht keine Zeit zum Aufwärmen, dynamisch und kraftvoll steht sie vom ersten Moment des Konzertes an auf der Bühne. Wobei: "Stehen" ist wohl der falsche Ausdruck für den 44-jährigen Wirbelwind, der sich kaum einfangen lässt. Sie ist in Bewegung, rechter Bühnenrand, dann gleich wieder der linke Bühnenrand, nicht einmal wenn sie zur Mundharmonika oder zur Gitarre greift, kehrt bei ihr Ruhe ein. Es ist natürlich unfair, Alanis Morissette nur auf "Ironic" zu reduzieren.
Denn da gibt es ganz viel mehr - bester Beleg dafür ist ihr erstes internationales Album "Jagged little pill": Schon allein wegen des Covers fällt die Scheibe Mitte der 90er Jahre auf und landet in vielen heimischen CD- und LP-Ständern. Aus diversen Bestenlisten ist das Album nicht wegzudenken - der Grund dafür wird auch in München hörbar. "You oughta know", "Head over feet", "Hand in my pocket" oder "All I really want" - für nicht wenige Konzertbesucher gehören diese Songs zur individuellen musikalischen Sozialisation. Begleitet wird die stimmgewaltige Morissette von einer formidablen Band, mit denen sie sich - wenn sie selber zum Instrument greift - kraftvolle Duelle liefert.
In ihre Setlist des Abends packt Morissette all das, was ihre Fans auch von ihr erhoffen: Mit "Guardian" ihre Hommage an Berlin, Wim Wenders und dessen Berlin-Film, "Hands clean" vom 2002er Album "Under Rug Swept" bis hin zu Zugabe, die erneut zum Selbstläufer wird: "Thank U". Tosender Applaus.
18.07.2018 - 16:17 Uhr
Über die Ironie des Lebens
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