08.01.2019 - 17:14 Uhr

Überlegener Underdog: Was der Datenskandal über das Land sagt

Über den Datenklau zu diskutieren, hat etwas vom berühmten Blinden, der über die Farbe spricht. Was daran beunruhigend ist - es scheint auch für Innenminister und Behördenleiter so zu sein, findet Wolfgang Würth in seinem Kommentar.

Daten auf dem Bildschirm Bild: Jens Büttner/dpa
Daten auf dem Bildschirm

Ich gebe es zu, beim Datenskandal fehlt mir der Durchblick. Ich bin begeisterter Computernutzer, aber von der Funktionsweise fehlt mir jede Vorstellung. Das zuzugeben, fällt mir nicht schwer - mit dem Bundesinnenminister befinde ich mich in bester Gesellschaft. Der hat vier Tage nach dem Bekanntwerden des Vorfalls die Phase des "sich informieren" nicht überwunden. Erhellendes hat Horst Seehofer bisher jedenfalls nicht beigesteuert.

Nun ist es nicht Aufgabe des Ministers, sich bei jedem Detail auszukennen. Sehr wohl ist es aber sein Job, sich mit Experten zu umgeben, die wissen, worüber sie sprechen. Diesen Eindruck konnte bislang weder Seehofers Staatssekretär Stephan Meyer noch Arne Schönbohm als Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik vermitteln. Dass am Montag als einzig praktikable Reaktion die Umbenennung des "Cyber-Abwehr-Zentrums" in "Cyber-Abwehr-Zentrum plus" auf dem Tisch lag, spricht für sich.

Und was am Dienstag nach der Verhaftung eines 20-Jährigen bekannt wurde, lässt die Verantwortlichen in der Exekutive auch nicht kompetenter wirken: Kein Computer-Genie mit Studium an einer Eliteuni, ein interessierter Laie mit Ärger auf Politiker und Hang zum Prahlen hat Deutschlands IT-Experten hinters Licht geführt. Wladimir Putin und seine Hacker-Armeen werden's gern hören.

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