11.02.2019 - 18:32 Uhr
Deutschland & Welt

Vergangenheitsbewältigung in der Unionswerkstatt

CDU und CSU treffen sich zum "Werkstattgespräch" in Berlin. Nach außen hin geht es um Migration, Integration und innere Sicherheit. Doch hinter dem Treffen steckt mehr. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Bundesvorsitzende, Joachim Herrmann (CSU), Bayerischer Innenminister, und Thomas Strobl (CDU), Innenminister in Baden-Württemberg (von links), beim Abschluss des "Werkstatt-Gesprächs".
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Der bayerische CSU-Innenminister Joachim Herrmann beliebt zu scherzen: Im "Werkstattgespräch" mit der CDU führe man keine "Debatten der Vergangenheit" wie die SPD. Mag sein, dass es bei dem zweitägigen Treffen oberflächlich gesehen um die Generalüberholung der Migrations- und Integrationspolitik ging. Eigentlich traf man sich im Konrad-Adenauer-Haus jedoch zur Therapiesitzung, um die von Ex-CSU-Chef Horst Seehofer befeuerte Entfremdung und den immensen Vertrauensverlust aufzuarbeiten, der vergangenes Jahr um ein Haar zur Trennung der Unionsschwestern geführt hätte.

Anders ist es auch nicht zu erklären, dass CDU und CSU in Berlin auch die europäische Dimension des Themas im Alleingang durchdiskutieren, ohne dass der Koalitionspartner mit am Tisch sitzt. Den aber braucht die Union, wenn sie am Ende ihre Ideen umsetzen will.

Auch wenn Herrmann und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier noch so sehr das Gegenteil behaupten: Natürlich ging es beim "Werkstattgespräch" um Vergangenheitsbewältigung, wenn auch nicht um eine offene Abrechnung mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Seitenhiebe auf die Sozialdemokraten können sich die Unionspolitiker also sparen. Denn ob sie es zugeben wollen oder nicht: Auch sie kämpfen derzeit mit aller Macht darum, verlorenes Profil zurückzugewinnen.

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