21.08.2018 - 18:13 Uhr
Deutschland & Welt

Es verläuft noch immer eine Grenze quer durch Deutschland

Der Osten Deutschlands hat gegenüber dem Westen noch immer das Nachsehen, wenn es um Arbeitszeiten und Löhne geht. Ist das fast 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht ein Armutszeugnis für die deutsche Politik? Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Ein Arbeiter schleift mit einem Trennschneider an einem Rohr in einer Rohölverarbeitungsanlage. Arbeitnehmer im Osten arbeiten weiter länger als im Westen.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Wenn die Wessis an den Osten Deutschlands denken, schnellen reflexartig oft zwei Dinge aus dem Gedächtnis ins Sprachzentrum: der "Soli", mit dem nach Ansicht vieler Grantler unser gutes Geld drüben verschleudert wurde, und Helmut Kohls Versprechen der "blühenden Landschaften", das sich historisch gesehen bestenfalls als vorschnell herausgestellt hat. Natürlich: Wenn man durch Vorzeigestädte wie Leipzig flaniert, sieht man, wie gut sich der Osten entwickelt hat. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Dass fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung faktisch noch immer eine Grenze mitten durch Deutschland geht, wenn man die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden und das Einkommen betrachtet, ist ernüchternd. 40 Prozent der tariflich beschäftigten Ostdeutschen arbeiten 40 Stunden pro Woche, im Westen sind es gerade mal 8 Prozent. Hier sind vor allem Arbeitgeber und Gewerkschaften gefordert. Sie müssen weiter auf eine Angleichung der Verhältnisse hinarbeiten.

Ein eigenes Ost-Ministerium, wie es immer wieder gefordert wurde, kann nicht die Lösung sein. Denn strukturschwache Regionen, die Hilfe brauchen, gibt es hüben wie drüben. Und doch hatte der Osten 40 DDR-Jahre lang nicht die selben Chancen wie der Westen. Diesen Nachteil auszugleichen, wird möglicherweise noch weitere Jahrzehnte dauern.

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