04.09.2020 - 21:51 Uhr
VohenstraußDeutschland & Welt

Comeback mit ganz besonderer Magie

Das Jubiläumsjahr des LTO sollte ein Jahr der Feiern werden. Dann kam Corona. Nun ist das Landestheater Oberpfalz zurück. Mit einem Herbstspielplan mit viel Kreativität und dem gewissen Etwas, wie künstlerischer Leiter Till Rickelt erzählt.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

ONETZ: Wie hat das Theater, wie haben die Schauspieler ihre Coronazwangspause empfunden?

Till Rickelt: Es war für uns alle, glaube ich, eine sehr seltsame Situation. Normalerweise ist beim LTO die erste Jahreshälfte mit den Proben und Aufführungen der Sommersaison die arbeitsintensivste Phase in einem sowieso arbeitsintensiven Beruf, der kaum Raum für Freizeit lässt. Wenn das alles schlagartig wegfällt, fällt einem zunächst einmal natürlich auch eine gewisse Last von den Schultern, vor allem nach den Wochen des Abwartens und der Ungewissheit. Anderseits fehlt einem mit der kreativen Arbeit aber plötzlich auch ein ganz wesentlicher Teil des alltäglichen Lebens.

ONETZ: Was erwartet das Publikum im Kulturherbst ab dem 3. Oktober?

Wir haben die Pause genutzt, um ein möglichst abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, sowohl mit unseren drei Eigenproduktionen – Familientheater, klassisches Schauspiel und Komödie – wie auch mit den Gastspielen, deren Bandbreite sich von der literarischen Lesung bis zum Operettenabend erstreckt. Es war uns wichtig, dass nach Monaten der theaterlosen Zeit für jede Altersgruppe und jeden Geschmack etwas dabei ist, und wir den Kulturherbst auch nutzen, um Kulturschaffenden aus der Region die Möglichkeit zu bieten, wieder vor Publikum zu spielen.

ONETZ: War die relativ kurze Vorbereitungszeit ein Problem?

Es ist natürlich eine echte Herausforderung – aber auf plötzlich auftretende Schwierigkeiten flexibel und kreativ zu reagieren, ist ja im Theater gewissermaßen Alltag.

ONETZ: Wie ist es, sich auf ein deutlich kleineres Publikum in der Vohenstraußer Stadthalle einzustellen?

Unsere Erfahrungen mit der „Kuh Rosmarie“ im Sommer waren, dass die reduzierte Zuschaueranzahl an sich kein Problem ist. Was neu und zunächst ungewohnt ist, sind die Abstände zwischen den Zuschauern so wie die Distanz zu den Darstellern. Unter diesen Bedingungen trotzdem während der Aufführung mit dem Publikum in Kontakt zu kommen, ist schon eine besondere Aufgabe. Wir haben aber bei den Vorstellungen im Sommer festgestellt, dass es mit etwas Übung möglich ist und dann auch eine ganz eigene Intensität und Magie entwickeln kann.

ONETZ: Das LTO ist auch mit einer Stückentwicklung am Start ...

Es war mir persönlich ein Anliegen, dass wir uns auch kreativ mit der neuen Situation auseinandersetzen, und das in komödiantischer und selbstironischer Art. Deshalb entwickeln wir eine eigene Komödie, in der eine Theatertruppe ein klassisches Boulevardtheaterstück probt und deren Regisseur sich plötzlich zum normalen Theaterwahnsinn und den typischen Allüren der Darsteller zusätzlich noch mit immer neuen Abstands- und Hygieneregeln herumschlagen muss.

ONETZ: Hat Corona die Herangehensweise an die Stoffe verändert?

Wir haben zunächst überlegt, wie wir mit den Auflagen für Proben- und Spielbetrieb umgehen können, welche Stoffe sich so inszenieren lassen, dass sich die Einschränkungen szenisch zugunsten des Inhaltes nutzen lassen. Das hat dann dazu geführt, dass wir auf Stücke und Themen gestoßen sind, die auch einen inhaltlichen Bezug zur aktuellen Situation enthalten, wie eben die schon beschriebene Stückentwicklung oder auch einen klassischen Stoff wie „Cyrano de Bergerac“. In dem passiert die zentrale Liebesgeschichte ja über einen Briefwechsel und kreist eigentlich die ganze Zeit um die Themen Schein und Sein, Nähe und Distanz.

Abstandsregeln und Hygienekonzept:

Im Sommer gab es mit der Kuh Rosmarie nur eine LTO-Produktion. „Die war aber ein guter Test, erzählt LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer. Das Landestheater Oberpfalz habe mit dem Neustart ein umfangreiches Hygienekonzept, das auf der Homepage einzusehen ist, nach den Vorgaben zum Schutz aller Beteiligten erarbeitet. „Dies wurde bereits im Sommertheater mit Erfolg und sehr positiver Resonanz vorbildlich umgesetzt. Diesen Wohlfühlmoment für das Publikum wird auch die Veranstaltungsreihe ‚Kulturherbst‘ fortsetzten“, so Meidenbauer. „Bestuhlungspläne, Einlassmanagement oder auch das Lüftungs- und Heizungskonzept wurden an die Raumsituation entsprechend angepasst, so dass einem sicheren Theatergenuss nichts im Wege steht.“ (tos)

Kulturherbst: Die Stücke und Events:

* "Mei fähr Lady" – Kultiger Bairisch-Crashkurs vom Turmtheater Regensburg mit der Chinesin „Mei Ding“

* "Die Kuh Rosmarie" – Familienspaß von Andri Beyeler für alle

* "Cyrano de Bergerac" – Meisterhafte Mantel-und-Degen-Komödie über Liebe, Selbstverleugnung und Lebensmut

* "Jubiläumsprogramm 10 Jahre Landestheater Oberpfalz" – Galaabend mit alten Wegbegleitern, Ausschnitten aus Inszenierungen und Musik

* "Der Löwe, der nicht schreiben konnte" – Witzige Urwaldreise vom Theater Spielzeit nicht nur für kleine Zuschauer

* "Hätte, hätte, Operette – Kein Tenor in Sicht" – Ein vergnüglich konzertanter Abend

* "Mit Mundschutz und Schwimmnudel" – Eine Must-go-on-Show

* "Das gelbe Tagwerk" – Einblicke Bernhard Setzweins in die Gedankenwelt eines Autors.

* "Rock meets Cello" – Rising Storm unplugged – Hard-Rock-Urgesteine mit Cellistin

Karten und Termine beim NT/AZ/SRZ- Ticketservice unter 0961/85-550, 09621/306-230, 09661/87290 sowie unter www.nt-ticket.de

Weitere Infos: www.landestheater-oberpfalz.de

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