Aufgeben? Für Josef Reger keine Option beim "Three Peaks Bike Race". Für das Hinterteil des Vohenstraußers allerdings schon. Der 59-jährige Bauunternehmer mit dem Hang zu etwas längeren Rennradtouren musste bei dem Extremsport-Wettbewerb im Juli nicht nur mit langen Alpen-Anstiegen, schlechtem Wetter, Müdigkeit und Anstrengung fertigwerden, sondern auch damit, dass das Sitzen auf dem Fahrradsattel schon ab dem dritten Tag immer schmerzhafter wurde. Ein Tipp aus seinem Freundeskreis habe ihn gerettet, berichtet Reger im Rückblick. Mit Blasenpflaster aus der Apotheke habe er die wunde Stelle abgedeckt und so eine Entzündung verhindert, die ihn vielleicht wirklich zur Aufgabe hätte zwingen können.
"Normalerweise bin ich nicht empfindlich, wenn es um Sitzbeschwerden geht", erzählt der 59-jährige Sportler und Unternehmer einige Wochen nach dem erfolgreichen Abschluss der Tour. Aber die Verbindung aus Dauerbelastung und schlechtem Wetter mit nasser Bekleidung war dann doch zu viel. Wenn man Umstände und Regeln des "Three Peaks Bike Race" kennt, überrascht die Überlastung nicht. In einer Kombination aus Radrennen und Orientierungsfahrt mussten die Teilnehmer einen Parcours von Wien nach Nizza absolvieren. Nur bestimmte Abschnitte der Strecke waren vorgegeben, über die Wege dazwischen navigierten sich die Sportler selbst. Auch um Verpflegung, Unterkunft, Fahrradreparaturen mussten sich die Teilnehmer selbst kümmern.
Für die insgesamt rund 2500 Kilometer blieben den Sportlern dabei nur zehneinhalb Tage. Und nebenbei durchquerten Reger und die anderen Finisher in dieser Zeit die Alpen dreimal in Nord-Süd-Richtung und einmal von West nach Ost. Knapp 35 000 Höhenmeter sammelte er auf seinen Etappen. Radfahrer wissen, was das bedeutet.
Dabei komme ihm das viele Bergauffahren gar nicht entgegen, erzählt Reger im Gespräch. Der gelernte Maurer hat lange Kraftsport betrieben und davon noch immer eine Menge Muskelmasse im Körper. Das Gewicht ist am Berg eher hinderlich. Dazu war das Wetter in dem kühlen und feuchten Juli nicht ideal für die Tour.
Übernachtung im Hotel
Und der reine sportliche Aspekt ist nur das eine: Quasi nebenbei musste Reger seinen eigenen Tourenmanager geben. Er habe sich dabei entschieden, auf Hotelübernachtungen zu setzen, zu schlechte Erfahrungen habe er mit dem Campen und improvisierten Übernachtungen an Bushaltestellen gemacht. "Ich kann mich dabei nicht erholen." Das sei für die sportliche Leistung nicht hilfreich, vor allem werde die Übermüdung aber bald zum Sicherheitsrisiko.
Schließlich führte die Strecke fast ausschließlich durch die Berge. Und wo es hinauf geht, führt der Weg auch wieder runter. "Es ist einfach sehr gefährlich, wenn man auf der Abfahrt von einem Alpenpass kurz auf dem Rad einschläft", erklärt Reger. Eine ganze Reihe Sportler gehen das Risiko dennoch ein, wer um den Sieg des Rennens fahren will, kommt gar nicht daran vorbei, die Pausenzeiten zu minimieren.
Reger ist auch dank Lebenserfahrung etwas zurückhaltender. "Die Gesundheit hat Priorität." Schließlich wartet zu Hause in der Oberpfalz nicht nur eine Familie, sondern auch ein Bauunternehmen mit 160 Mitarbeitern, das vom Gründer und Geschäftsführer Josef Reger abhängig ist.
Der Plan sah deshalb vor, jeden Tag rund 15 Stunden im Sattel zu sitzen und den Rest für die Regeneration zu nutzen. Im Nachhinein muss der Oberpfälzer Sportler aber festhalten, dass dieser Plan nicht ganz einzuhalten war. "Ich habe unterschätzt, wie viel Zeit die tägliche Organisationsarbeit benötigt." Obwohl er fast jeden Tag morgens um 6 Uhr startete und abends erst um 22 Uhr zur Ruhe kam: mehr als 12 Stunden im Sattel habe er kaum geschafft.
Der Rest war nötig, um Übernachtungsmöglichkeiten zu finden, sich Essen und Sonstiges zu besorgen, das Rad in Schuss zu halten. Gerade in Frankreich sei das alles andere als einfach. Abseits der großen Städte geht es dort sehr einsam zu, hat Josef Reger im Juli feststellen müssen. Vor allem der vom Veranstalter vorgegebene Abstecher in die Vogesen war in dieser Hinsicht bemerkenswert. "Für alle, die es gerne einsam, dunkel und leer haben, für die habe ich jetzt einen Urlaubstipp", schrieb Reger in die Whatsapp-Gruppe seiner Fans, direkt nachdem er den Abschnitt hinter sich gebracht hatte.
Auch auf dem Weg in Richtung der touristisch sehr gut erschlossenen Seealpen war das Angebot überraschenderweise teils sehr dünn. So musste Reger die Nacht vor der letzten Etappe dann doch noch zum Teil an einer Bushaltestelle verbringen, zum Essen gab es an diesem Abend auch nichts mehr.
Und doch sind es gerade solche Erfahrungen, die den Reiz und das Besondere an einem Erlebnis wie dem "Three Peaks Bike Race" ausmachen. Die Begeisterung und Zufriedenheit ist Josef Reger auch Wochen nach der Zieleinfahrt in Nizza noch anzumerken. "Das sind Erlebnisse, die man heute sonst nicht mehr finden kann. Ein wirkliches Abenteuer", sagt Reger zu seiner Motivation für diese bisher härteste Herausforderung für den Ausdauer- und Extremsportler.
50 Prozent Ausfallquote
Im vergangenen Jahr war Josef Reger noch alleine mit dem Rad zum Nordkap gefahren. Auch wenn die Entfernung und die Zahl der Etappen in etwa vergleichbar waren, an die Herausforderung in den Alpen sei diese Tour nicht herangekommen. Das liegt natürlich daran, dass sich auf dem Weg zum nördlichsten Punkt Europas zwar einige Berge, aber eben nicht die Alpen in den Weg stellten. Zum anderen hat Reger den Ausflug in den Norden selbst geplant, hatte keinen Termindruck, konnte sich die Etappenlänge jeden Tag selbst wählen.
Theoretisch hatte er diese "Freiheit" auch beim "Three Peaks Bike Race", Etappenlängen gab der Veranstalter für das Rennen nicht vor. Wohl aber eine maximale Renndauer. Obwohl er täglich bis zu 13 Stunden im Sattel saß, hat Reger diese Vorgabe von zehneinhalb Tagen fast komplett ausgereizt. Zehn Tage und fünf Stunden war der Böhmischbrucker unterwegs. Damit zählt Reger aber immer noch zur vorderen Hälfte der rund 250 Einzelstarter des Rennens. Etwa die Hälfte gab ohnehin vorab auf und erreichte das Ziel in Nizza nicht.
"So wichtig war mir das Zeitlimit aber gar nicht", sagt Reger mit etwas Abstand über sein Ergebnis. Wäre er aus der Zeitplanung herausgefallen, er hätte die Tour dennoch erst in Nizza beendet. Dass sein Name in der offiziellen Ergebnisliste steht, sei schön, für ihn letztlich aber zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass er zu Ende bringt, was er einmal angefangen hat, gibt Reger Einblick in seine Prioritäten.
Mehr als drei Höhepunkte
Bleibt noch die Frage nach dem touristischen Höhepunkt des Elf-Tage-Trips. Schließlich hat Reger dabei Regionen durchfahren, die für zehn oder noch mehr Alpin-Urlaube reichen würden: von den Julischen Alpen im Osten über die Dolomiten, vorbei an den Seen Norditaliens in die Schweizer Alpen über einen Schlenker vorbei am Rhein und den Vogesen durch Frankreichs Seealpen bis nach Nizza an der Côte d’Azur.
Eine eindeutige Antwort muss Josef Reger allerdings schuldig bleiben. Klar, es gab einiges auf der Tour, was im Gedächtnis geblieben ist. Der lange Anstieg hinauf zum Grimselpass durch das besondere Schweizer Panorama. Oder auch der Cime de la Bonette in Frankreich, die höchste Straße in den Alpen überhaupt. Aber herauszuheben sei kaum ein einzelnes Erlebnis – auch wenn das Rennen den Titel "Three Peaks Bike Race" trägt – Höhepunkte hat es Josef Reger viel mehr geboten als nur drei.






























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