24.08.2018 - 16:23 Uhr
Deutschland & Welt

Volle Kassen: Der Aufschwung, der gefühlt nirgends ankommt

Immer neue Rekordeinnahmen verbucht die Bundesrepublik. Und doch haben viele Bürger das Gefühl, dass sie nicht vom Aufschwung profitieren. Eine gefährliche Entwicklung, meint Albert Franz in seinem Kommentar.

Auf fast 50 Milliarden Euro beläuft sich der Einnahme-Überschuss im ersten Halbjahr 2018.
von Albert Franz Kontakt Profil
Kommentar

Glückliches Deutschland. Auf knapp 50 Milliarden Euro summiert sich der Einnahmen-Überschuss allein im ersten Halbjahr 2018. Doch wo bleibt der Jubel? Es könnte das historische Versäumnis der drei Großen Koalitionen unter Angela Merkel sein, dass sie finanzpolitisch keine Maßstäbe gesetzt haben, dass nichts in Erinnerung bleibt als die handstreichartige Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Punkte auf 19 Prozent gleich zu Beginn im Jahr 2005.

Dabei macht es offenbar wenig Unterschied, ob der Finanzminister Wolfgang Schäuble heißt oder Olaf Scholz. CDU-Mann Schäuble trug die schwarze Null wie eine Monstranz vor sich her, SPD-Mann Scholz scheint es ihm gleichzutun. Weder Schäuble noch Scholz konnten bisher den Eindruck verwischen, dass nichts ankommt vom Aufschwung bei den Bürgern. Vielleicht ist das mit eine Ursache, dass die SPD in Umfragen bei 18 Prozent herumkrebst, gerade mal ein Prozent vor der AfD. Vielleicht ist das mit eine Ursache, dass die Große Koalition geschrumpft ist auf ein Koalitiönchen, das es im jüngsten ARD-Deutschlandtrend gerade noch auf 47 Prozent bringt, knapp an der Regierungsunfähigkeit.

Die erschreckende Unfähigkeit, aus einem langen Aufschwung mit Rekordeinnahmen eine Erfolgsgeschichte oder ein schwarz-rotes Projekt zu machen, könnte der Bundesrepublik noch teuer zu stehen kommen. Nämlich dann, wenn es eines Tages nur noch für Pest oder Cholera reicht: ein Bündnis von Union und AfD oder von Rot-Grün-Rot-Gelb.

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Kommentare

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Rene Kinderlein

In der Presse hochgelobte fast 50 Mrd. Euro Überschuß werden so dargestellt als ob es der BRD gut geht. Schauen wir uns einmal um im Land. Mehr als 2 Billionen Euro Staatsverschuldung, viele Kommunen nahezu pleite, Bäder schließen, Infrastuktur defekt, öffentlicher Dienst kaputtgespart, Altersarmut, Kinderarmut... . Wenn es mit der Niedrigzinsphase zu Ende geht und die Schulden so richtig mit Zinsen belegt werden kommt der Tag der Wahrheit. Aber so lange unser Politiker in der Welt herumreisen und unser Geld verteilen kann es ja nicht so schlech stehen mit Deutschland. Oder doch? Ich wünsche mir eine nicht so verlogene Presse. Auch Verschwiegenes oder bewusst falsch dargestelltes gehört dazu.

26.08.2018