08.12.2020 - 14:37 Uhr
VorbachDeutschland & Welt

Lehrer aus Vorbach betreibt eigenes System für Digital-Unterricht

Home-Schooling, Hybrid-Unterricht, Digitales Lernen – im Zuge der Corona-Pandemie sind Themen in den Vordergrund gerückt, die jahrelang eher stiefmütterlich behandelt wurden. Ein Oberpfälzer hat eine besondere Antwort.

Mittelschul-Lehrer Marcus Müller geht seine eigenen Wege im Bereich E-Teaching - und hat daraus einen Leitfaden zum Nachmachen entwickelt.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Viele Lehrer mussten von heute auf morgen aus der Not eine Tugend machen, als im Frühjahr der Schul-Lockdown beschlossen wurde. Einer von ihnen ist Marcus Müller, Studienrat im Mittelschuldienst an der Grund- und Mittelschule in der Kreisstadt Ebersberg (Oberbayern). Seine Erfahrungen und individuellen Ansätze hat der 47-jährige Oberpfälzer, der aus Vorbach (Kreis Neustadt/WN) stammt und 1994 das Abitur am Gymnasium Eschenbach abgelegt hat, in einem Buch zusammengefasst.

„Den Weg, den ich eingeschlagen habe, habe ich anfangs wirklich aus der puren Not beschritten“, bekennt er. Im März unterrichtete er eine M10-Abschlussklasse, folglich sei ihm klar gewesen, dass er einen Modus finden musste, um Materialen und Inhalte an seine Schülerinnen und Schüler zu bringen. Die Lernplattform MEBIS des Kultusministeriums sei schon vor dem Lockdown überlastet gewesen und von Microsoft Teams habe zu diesem Zeitpunkt noch keiner gesprochen. „Ich hatte aber schon seit einiger Zeit eine private Website und dachte mir, dass ich die irgendwie dafür nutzen muss“, erzählt Müller.

Videokonferenz über eigene Homepage

Innerhalb weniger Tage war die Homepage dann zweckmäßig aufgesetzt, über die Seite und die Videokonferenz-Software Jitsi-Meet konnte dann Distanzunterricht stattfinden. „Ich hatte 24 Schüler, Unterricht machten wir immer von 9 bis ungefähr 12.30 Uhr, natürlich auch mit entsprechenden Pausen“, berichtet Müller. Jeder Schüler habe auch zustimmen müssen, ob man sein Bild dann am Bildschirm sehen könne. Diese Art des Unterrichtens ersetze natürlich den Präsenzunterricht nicht komplett, sei aber das ideale Medium, um in regelmäßigem Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. „Freilich muss auch deutlich angesprochen werden, dass das Mitschneiden der Sitzungen strafbar ist“, so Müller. Im Hinterkopf müsse man zudem haben, dass eventuell auch Schülereltern zuschauen und zuhören, entsprechend dürfe man auch „keine sensiblen Daten raushauen“.

Die Art und Weise, wie er das Home-Schooling angegangen sei, sei auch bei den Schülern offensichtlich gut angekommen, wie eine anonymisierte Rückmeldungsaktion ergeben habe. Bei diesem erprobten System zu bleiben – dazu habe ihn auch sein Schulleiter ermutigt. Auf „Teams“ umsteigen habe er deshalb nicht müssen. „Ich finde, dass Teams für die Kommunikation zwischen Schule, Schülern und Lehrern eh nicht sinnvoll ist, das ist eher ein Kommunikationstool für Betriebe“, so Müller. Was ist aber die Alternative? Sein eigenes System sei sicherlich nicht für die große Masse der Lehrkräfte einsetzbar, aber für manchen mag es der richtige Weg sein. „Natürlich muss es von Seiten des Kultusministeriums eine einheitliche, funktionsfähige und belastbare Infrastruktur geben, die alle bedienen können“, betont der Lehrer. Ob und wann es die denn wirklich geben wird? Ein Lächeln des Oberpfälzers sagt an dieser Stelle mehr als jede wortreiche Antwort. Tatsächlich habe es auch viele Schulungen und Fortbildungen in MS Teams für Lehrer in den vergangenen Monaten gegeben. „Aber da wird wohl irgendwann auch die flächendeckende Lizenz auslaufen“, stellt Müller fest.

Unterichtsmaterial über Internet mit Schülern geteilt

Auch in der Zeit des Präsenzunterrichts hat der Pädagoge seine Homepage weiterhin dafür genutzt, um Unterrichtsmaterialien für die Schüler bereitzustellen. Probleme mit dem Datenschutz sieht er hier nicht. Andererseits: „Als Lehrer bewegt man sich eh immer am Rande des Datenschutzes, wenn man private Geräte wie Laptop oder Tablet im Unterricht einsetzt. Aber anders funktioniert es eben auch nicht“, so Müller.

Theoretisch wäre es mit seiner Art des E-Teaching auch möglich, dass beispielsweise Schülerinnen und Schüler, die sich in Quarantäne befinden, live am Unterricht teilnehmen. „Das wäre natürlich ein Traum“, bekennt Müller. Allerdings gebe es zwei hemmende Faktoren: Zum einen ist die technische Ausstattung an seiner Schule nicht vorhanden, da es kein WLAN, keine Mikrofone und keine Headsets gibt. Zum anderen ist es datenschutzrechtlich nicht ganz einfach, wenn Inhalte aus dem Unterricht im Plenum nach Hause transportiert werden. „Wenn per Stream Unterricht nach Hause übertragen wird, hat man viel weniger Kontrolle als wenn man nur über Videokonferenz unterrichtet“, sagte Müller.

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Das Buch

Wer sich auf die Spuren von Marcus Müllers Art und Weise des Distanzunterrichts begeben möchte, kann dies mit dem Buch „E-Teaching leicht gemacht. Digital unterrichten in Ihrem virtuellen Klassenzimmer“ tun. Es ist erschienen im AOL-Verlag (ISBN: 978-3-403-10660-9) und kostet 9,95 Euro. Lohnenswert ist auch ein Blick auf die Homepage des Pädagogen (www.marcusmueller73.de)

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