Starkes Wachstum durch Digitalisierung

Zwei junge Unternehmen aus verschiedenen Branchen weisen zwei Gemeinsamkeiten auf: totale Digitalisierung und weltweite Aktivitäten. Der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz stellt die innovativen Firmen vor.

Der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz präsentiert in den Räumen von Oberpfalz-Medien mit zwei Neumitgliedern auch ausgefallene Geschäftsideen. Von Links: Präsident Anton Braun, Michael Menner vom Dentallabor ZRO2, Stephan Schneider vom Online-Versand ZS Zweiradteile und Vizepräsidentin Cornelia Gebell.

Weiden/Unterbibrach. (cf) "Sie haben die Digitalisierung konsequent umgesetzt", betont Clubpräsident Anton Braun: Stephan Schneider mit dem Online-Versand ZS Zweiradteile (zweiradteile.net) in Unterbibrach (Vorbach) und Michael Menner mit dem etwas anderen Dentallabor ZRO2 (zro2.net) in Weiden. Die beiden Neumitglieder seien als "Hidden Champions" ein Beispiel dafür, mit Digitalisierung enorm zu wachsen und sich am Weltmarkt zu etablieren.

Bereits im jugendlichen Alter von 14 Jahren befasste sich Stephan Schneider mit dem Internet, um günstig Ersatzteile für das legendäre Mofa-Rennen am Barbaraberg einzukaufen. Mit 18 Jahren - damals noch in der Ausbildung als Mechatroniker - meldete er sein erstes Gewerbe an; mit 22 Jahren machte er sich schließlich selbstständig und seine Passion zum Beruf. Der heute 32-Jährige versendet über das Internet rund um den Globus gesuchte Ersatzteile für die gängigen Zweiradfahrzeuge und E-Bikes, von der Bremsscheibe bis zum Motor: mit inzwischen 50 Beschäftigten, 10 Millionen Euro Jahresumsatz, eigener Software-Entwicklung und fast zwei Millionen Euro Investitionen in den sukzessiven Ausbau der Betriebsgebäude.

100 Tage Rückgaberecht

Unter dem Motto "Einkaufen in einem der besten Shops, Deine Nummer 1 für Zweiradteile" entwickelte sich der Online-Versender aus einem Dorf im westlichsten Kreis Neustadt/WN zur gefragten, vertrauenswürdigen Adresse. ZS Zweiradteile wirbt mit 100 Tagen Rückgaberecht und Datensicherheit (Verschlüsselung). Algorithmen errechnen in Sekunden die wirtschaftlichsten Prozesse bei der Kommissionierung der mehr als eine Million Pakete im Jahr.

Vom Versand gehen rund 70 Prozent in den Export, hauptsächlich in die europäischen Länder, "aber auch nach Australien, "wo alte deutsche Mopeds begehrt sind". Selfmademan Stephan Schneider, der in einer 90-Stunden-Woche die "Arbeit als Hobby" stemmt, betreibt eine "Tochter" in den USA (Delaware) und lässt für seine Firma in Fernost die Ersatzteile exklusiv produzieren.

Experten aus dem Iran

"Wir verkaufen über den Preis", sagt Schneider. Es gibt keinen Zwischenhandel. Weil für die teilweise mehr als 50 Jahren alten Zweiräder häufig die Originalteile nicht mehr am Markt sind, legt der Oberpfälzer Online-Versender sogar Kleinstserien auf: "Das ist eine Alleinstellung."

Der junge Unternehmer macht kein Hehl daraus, dass die umfangreiche Lagerhaltung Kapital in siebenstelliger Höhe bindet. Doch der internationale Markt sei gigantisch, zusätzliche Nachfrage komme vor allem aus Osteuropa. Schneider beziffert das jährliche Umsatzwachstum auf 20 bis 25 Prozent. Da sich das Rad im Online-Hand "dramatisch rasant" dreht, "muss man in dieser Branche expandieren, um zu bestehen".

Kurz vor der Ankündigung von Sanktionen der USA gegen den Iran verpflichtete Stephan Schneider übrigens noch einen iranischen Software-Entwickler. Dieses hochinnovative Feld bestellen bei ZS Zweiradteile seit Jahren fast ausschließlich Experten aus dem Iran: angesichts des Mangels an deutschen Fachkräften.

Zahntechnikermeister Michael Menner exportiert Hightech-Werkzeuge in 20 Länder:

In alle Welt

Weiden. (cf) Neun hochmoderne CNC-Fräsmaschinen laufen Tag und Nacht: Das 2006 gegründete „Zahnzentrum Weiden“ entwickelte sich zum dentalen Fräszentrum in der Region. Täglich gehen 150 bis 200 in Präzisionsarbeit gefertigte Zahnimplantate an die Dentallabors im gesamten deutschsprachigen Raum. Für Inhaber Michael Menner stellt die (zertifizierte) Zahntechnik nur ein wirtschaftliches Standbein dar: Seit 2013 liefert er mit seiner „Tochter“ PowerTools die selber entwickelten Spezialwerkzeuge (feinste Bohrer) für die CNC-Fräsmaschinen in alle Welt. Bei den Ausfuhren in derzeit 20 Länder nehmen die USA mit einem Exportanteil von mehr als 60 Prozent eine Sonderstellung ein. Seit wenigen Jahren ist Menner auch in Asien aktiv. Die qualitative Perfektion und das „Made in Germany“ öffnen auch den Markt in Osteuropa und Russland. „Wir sind international angekommen“, sagt der 54-jährige Zahntechnikermeister.

Von Anbeginn der Unternehmensgründung setzte Menner auf durchgreifende Digitalisierung mit optimierten Arbeitsprozessen und Automatisierung. Die heute 19 Mitarbeiter (darunter drei Zahntechnikermeister) erwirtschaften einen siebenstelligen Jahresumsatz. Die hochwertigen Werkzeuge (Bohrer) gehen an die großen Dentallabors der Welt, unter anderem an ein Dentalzentrum in China mit allein 6000 Beschäftigten. Beim Pressegespräch des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz zeigte sich Menner zuversichtlich, dass es durch die Digitalisierung gelingt, früher nach Asien verlagerte Aufträge nach Deutschland zurückzuholen: „Wir sind in Teilbereichen günstiger als Import-Labore.“

2016 gliederte Menner die Werkzeugsparte in die ZrO² PowerTools GmbH &Co.KG aus und gründete die ZrO²group GmbH als Dachorganisation. Ein Werkstoff fasziniert Menner besonders: Zirkonoxid. Das Hochleistungs-Porzellan kommt quasi aus dem Weltraum in den Mundraum: Die Industrie verwandte Zirkonoxid beispielsweise für die Space Shuttle oder auch die neuen Bremsscheiben des Porsche. Als Material für künstliche Hüftgelenke hat es sich ebenfalls bestens bewährt. Im Hinblick auf die additive Fertigung werden vorerst zwei 3 D-Drucker bei der Verarbeitung von Kunststoffen eingesetzt. „Für Metall fehlt noch die Präzision.“ Menner ist aber überzeugt, dass dieser Technologie die Zukunft gehört. „Das kann noch ein Jahr – oder auch fünf Jahre dauern.“

Michael Menner mit seinem Teilhaber Burkhard Großmann-Memmel (von links).

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