22.07.2019 - 22:50 Uhr
WackersdorfDeutschland & Welt

Mobbt Lehrerin Schüler?

Schwere Vorwürfe: Eine Lehrerin der Wackersdorfer Grundschule soll Kinder so heftig mobben, dass diese krank wurden. Der Rektor habe trotz Beschwerden nicht reagiert. Die Regierung muss sich mit Dienstaufsichtsbeschwerden auseinandersetzen.

Wollen sich den Spaß an der Schule nicht nehmen lassen: Die Grundschüler (vorne) Niko (9), Ben (8), Noah (8) und ihre Mütter (von links) Marina Kehrer, Betina Tiemann, Steffi Mückl und Alexandra Hein.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Oberste Regel im Journalismus: Alle Seiten müssen gehört werden. Der Rektor, der diese Woche feierlich verabschiedet wird, verweist auf das schwebende Verfahren: "Ich darf nichts sagen, das Gegenstand der Dienstaufsichtsbeschwerde ist", erklärt Gerhard Süß. Georg Kick, Leiter des Staatlichen Schulamts im Landkreis Schwandorf, verweist auf die Regierung.

Bleibt also die Pressestelle der Regierung der Oberpfalz, die gewohnt auskunftsfreudig ist - allerdings auch nur im Rahmen des formalen Prozesses: "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns im laufenden Verfahren nicht zu den einzelnen Vorwürfen äußern werden", vertröstet Pressesprecher Markus Roth, "und uns erst abschließend zu diesem Fall äußern können, wenn über die Dienstaufsichtsbeschwerden entschieden worden ist." Die Regierung prüfe mit Unterstützung des zuständigen Schulamts Schwandorf seit Vorliegen der ersten Dienstaufsichtsbeschwerde sorgfältig die erhobenen Vorwürfe. "In derartigen Fällen gilt es, stets alle Beteiligten zu hören, Stellungnahmen einzuholen und diese zu würdigen", erklärt Roth das Verfahren.

Vier Dienstaufsichtsbeschwerden

Ursprüngliches Ziel sei gewesen, die Entscheidung noch vor Ende des Schuljahres, also bis Ende Juli 2019, zu treffen. "Aktuell sind am Sonntag und heute drei neue Dienstaufsichtsbeschwerden von betroffenen Eltern gegen die erwähnte Lehrkraft bei der Regierung der Oberpfalz eingegangen." Neue Aspekte müssten nun zusätzlich geprüft werden.

Eine Gruppe von Eltern, die über Monate versucht haben will, das aus ihrer Sicht grob unpädagogische Verhalten einer langjährigen Lehrkraft an der Grundschule Wackersdorf durch Gespräche mit der betroffenen Lehrerin, dem Rektor und dem Schulamt abzustellen, wusste sich nicht mehr anders zu helfen und wandte sich an die Presse.

In einem mehrstündigen Redaktionsgespräch schildern vier Mütter, wie ihre Kinder unter dem Druck leiden, dem sie ausgesetzt sein sollen. Dazu liegen weitere schriftliche Stellungnahmen von Eltern vor, die nicht kommen konnten.

◉ Marina Kehrer, selbst Elternklassensprecherin und Mitglied des Elternbeirats im vergangenen Schuljahr, beschreibt den Leidensweg ihres Sohnes Niko: "Ich bin seit einem Vierteljahr krank", sagt der ernste Junge, "ich höre auf einem Ohr nicht mehr." Warum das so sei: "Sie brüllt ständig rum." Mutter Kehrer erläutert: "Den Gehörsturz hatte Niko, als ihn die Lehrerin vor versammelter Klasse eine Viertelstunde anbrüllte und als Lügner bezeichnete." Der vermutliche Grund: Die Kehrers hatten sich beim Schulamt über den Rektor beschwert, der den Eltern, ohne auch nur einmal mit ihnen zu sprechen, eine Kindswohlgefährdung unterstellt hatte. Vorausgegangen waren mehrere Krankheitstage Nikos im Winter, die Einschaltung des Gesundheitsamtes: "Nachdem das Amt die Infektionskrankheiten Nikos bestätigt hatte, eskalierte der Rektor den Konflikt." Die Kehrers wehrten sich mit einer Anzeige wegen Verleumdung. "Seitdem ist Niko bei der Lehrerin, der der Rektor gesagt hatte, wir hätten uns über sie beim Schulamt beschwert auf der Abschussliste." Zuvor sei der ruhige Junge ein Musterschüler gewesen.

◉ Stefanie Mückl, aktuelles Elternbeiratsmitglied: "Luis war schwierig, man hat ADHS diagnostiziert und wegen der Nebenwirkungen des Medikaments wurde er aggressiv, hat einmal einen Kieselstein geworfen." Die Lehrerin aber habe ihn mit nachweislich falschen Anschuldigungen denunziert: "Er soll Sachen kaputt gemacht, Schüler geschlagen, getreten und mit Steinen beworfen haben. Als ich die Eltern der angeblich betroffenen Kinder gefragt habe, waren die erstaunt, wussten von nichts." Der raue Umgangston habe ihr Kind krank gemacht: "Der Mückl ist so dumm, der schafft nicht mal die erste Klasse", soll sie geätzt haben. "Mein Kind wollte nicht mehr in die Schule, hat mit niemandem mehr gesprochen. Er hat gesagt, was bringt es, wenn ich Hausaufgaben mache, ich bleibe doch ein Idiot und Arschloch, wie die Lehrerin sagt." Seitdem ist Luis in Therapie.

◉ Alexandra Hein: Immer wieder habe die Lehrerin ihrem Noah Notizen mit nach Hause gegeben, in denen sie dem Erstklässler "unmögliches Verhalten" vorgeworfen habe: "Ich habe mein Kind geschimpft, weil es andere geschlagen und geschubst haben soll." Er habe geweint und gesagt: "Du glaubst mir eh nicht." Bis sie dann andere Eltern kontaktiert habe. Die angeblich geschubsten Kinder konnten sich an nichts erinnern. "Das war bei uns der Wendepunkt", sagt Hein. "Ich begriff, ich muss hinter dem Kind stehen." Zusammen mit ihrem Mann habe sie versucht, mit der Lehrerin zu sprechen: "Die Folge war, wir hatten ein ganzes Jahr nonstop die Hölle." Noah sei krank geworden: "Die Bauchschmerzen wurden nachts so schlimm, dass er sich die Fäuste an der Wand blau schlug." Die Ärzte diagnostizierten eine psychosomatische Störung.

◉ Betina Tiemann: "Wenn Ben montags heimkommt, nachdem er diese Lehrerin hatte, ist ihm schlecht, er will nur noch ins Bett." Er traue sich nicht mehr, die Hausaufgabe abzugeben, weil er es ihr ohnehin nicht recht machen könne.

Übereinstimmend beschreiben alle Eltern, dass es gedauert habe, bis sie ihren Kindern glaubten: "Es erinnert mich an das System der Domspatzen", sagt ein Vater, "man soll den Kindern nicht glauben, die Lehrer sagen, ,was in der Schule gesagt wird, bleibt in der Schule' und die Lehrerin soll sogar gedroht haben: ,Ich kann in die Köpfe der Eltern schauen und wenn ihr was sagt, passiert was Schlimmes'."

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