15.03.2019 - 16:17 Uhr
WackersdorfDeutschland & Welt

Terror in Neuseeland: Oberpfälzer erzählen

Menschen aus allen Nationen leben in Christchurch friedlich zusammen. Dann erschüttert ein Anschlag die Idylle. Die Menschen denken an Fake-News. Doch der Anschlag ist Realität. Oberpfälzer in Neuseeland erzählen.

Ein Polizist patrouilliert hinter einem Absperrband in der Nähe einer Moschee im Zentrum von Christchurch. Bei einem mutmaßlichen Terror-Angriff auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind zahlreiche Menschen getötet worden.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Christchurch/Wackersdorf. Der Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch wird Neuseeland verändern. Das wird in Gesprächen mit Menschen, die sich gerade in dem Land aufhalten, deutlich. "Es war wie ein Blitz, der im Paradies einschlägt", beschreibt Günter Uschold am Freitagabend (Ortszeit) die Stimmung. Er selbst sei auch "etwas geschockt, dass so etwas ausgerechnet in Neuseeland passiert, wo Menschen aus so vielen Kulturen friedlich zusammenleben".

Der 56-jährige Oberviechtacher reist seit zweieinhalb Wochen durch Neuseeland. Derzeit befindet er sich in Nelson, rund 400 Kilometer von Christchurch entfernt. Dort hat er sich am Abend mit zwei amerikanischen sowie zwei neuseeländischen Gästen und der Betreiberin seiner Unterkunft unterhalten. "Die Neuseeländer kennen so etwas nicht. Blöd gesagt - wir Europäer sind das mittlerweile gewohnt."

Friedliches Miteinander

Uschold beschreibt Neuseeland als Land, in dem Menschen der unterschiedlichsten Nationen und Religionen friedlich zusammenleben. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern spricht von einer Nation mit mehr als 200 Ethnien und 160 Sprachen. "Neuseeland ist ein Schmelztigel der Nationen, Neuseeland kennt keinen Fremdenhass", fährt Uschold fort. "Man kann sich hier nicht vorstellen, dass ein verrückter Terrorist so etwas macht."

Angst empfindet der Oberviechtacher nach dem Anschlag nicht - "zumindest im Moment". Er wird noch weitere zweieinhalb Wochen durch Neuseeland reisen. Allerdings - wie bereits vorher geplant - Richtung Norden, also weg von Christchurch.

Deutschland und die Welt

Erste Gedanke: Fake-News

Der gebürtige Wackersdorfer Andreas Götz hat durch Freunde von dem Anschlag erfahren. Diese hatten ihm den Link zu dem Live-Video geschickt, das der Täter ins Internet gestellt hatte. Das Video zeigt unter anderem, wie der Mann die Moschee durch die Vordertür betritt und das Feuer eröffnet. Der Video wirkt wie aus einem Ego-Shooter-Spiel. Der Täter filmt wohl über eine Helmkamera. Er ist nur am Anfang zu sehen, sonst ist nur der Lauf seiner Waffe zu sehen - und seine Opfer. Auf einer seiner Waffen ist der Name eines Mädchens zu lesen, das 2017 bei einem Terroranschlag in Schweden ums Leben gekommen ist. "Erst hieß es, das wären Fake-News. Ich habe dann die Nachrichten überprüft und gemerkt: Das sind keine Fake-News", sagt Götz. Der 35-Jährige lebt seit fast zehn Jahren in Neuseeland. Aktuell ist er mit seinen Eltern, die aus Wackersdorf zu Besuch sind, in Dunedin, circa 300 Kilometer südlich von Christchurch. Eigentlich lebt Götz aber in Auckland. Dort am Bahnhof Britomart wurden am Freitag zwei herrenlose Gepäckstücke kontrolliert gesprengt. Auch Familie Götz ist in den vergangenen Wochen an dieser Station ein- und ausgestiegen. "Das Entsetzen ist groß, mein Vertrauen in die Sicherheitskräfte des Landes aber auch", sagt Vater Gerhard Götz. Er habe Respekt vor der Situation. "Wir werden den restlichen Urlaub wohl die Bahnhöfe mit anderen Augen sehen." Für Familie Götz ist es unbegreiflich, dass der Terror nun das "Paradies" Neuseeland erreicht hat. "Ich dachte, ich gehe ans andere Ende der Welt und bin von dem Mist weit entfernt", sagt Andreas Götz. Das Land sei im Schockzustand.

Gerhard (links) und Andreas Götz verfolgen auf dem Handy die Nachrichten zum Anschlag in Christchurch.

Gemeinsam Stärke zeigen

In Dunedin ist Andreas Götz mit seiner Familie zu Besuch bei der Schwester seiner Verlobten - in einer WG mit Studenten aus aller Welt. Alle sitzen am Tisch, starren in ihre Handys, verfolgen die Nachrichten. Gelähmt von dem, was im Land passiert. "In Neuseeland leben wir friedlich zusammen", sagt der Wahl-Neuseeländer. Von Problemen rund um den Islam habe er bisher nichts mitbekommen. Er macht auch deutlich, dass sich erst in den nächsten Tagen zeigen werde, wie der Terror das Land verändert hat. Wenn sich der erste Schock gelegt hat.

Wie gelähmt ist auch Doris Bryson aus Weiden. "Erschüttert und sprachlos." Die Familie ihres Mannes stammt aus Neuseeland, hat lange in Shirley, einem Vorort von Christchurch gewohnt. "Das Haus gibt es nicht mehr, es stand in der roten Zone nach den Erdbeben", erzählt Bryson. Sie erinnert damit an die Naturkatastrophe, die die Stadt im Jahr 2011 heimgesucht hatte. Die Familie habe noch Verwandte und Freunde in Christchurch: "Sie sind okay." Brysons Mann Dave aber sei bewusst geworden, dass der Terror immer näher rücke - sowohl bezüglich seiner neuseeländischen Heimat, als auch seinem Wohnort Weiden. Das Paar war erst im Oktober am Kölner Hauptbahnhof, als dieser wegen einer Geiselnahme gesperrt war.

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