„Es war die Ästhetik, die mich fasziniert hat, weniger die Waffen“, erzählt Gabriel Barbier-Mueller. Seine Sammlung und die seiner Ehefrau Ann ist es, die in der Kunsthalle München gezeigt wird. Begonnen hat es – wie bei jedem Sammler – ganz klein. „Das erste Objekt war eine Rüstung, die ich in Paris erstanden habe“, berichtet der gebürtige Schweizer, der seit 1979 in Dallas/Texas lebt. „Dass das der Beginn einer großen Leidenschaft wird, habe ich damals noch nicht geahnt“, bekennt er. Seit rund drei Jahrzehnten sammelt er jetzt Samurai-Rüstungen, Helme und Masken, Pferdeausrüstung und Waffen aus dem 7. bis 19. Jahrhundert, gezeigt werden die Stücke seit 2012 im eigenen „Ann & Gabriel Barbier-Mueller Museum: The Samurai Collection“ in Dallas. „Es gibt wohl keine größere Sammlung als diese“, so Barbier-Mueller.
In München werden aktuell mehr als 100 Exponate aus dieser Samurai-Kollektion gezeigt – und das zum ersten Mal in Deutschland.
Dass die Samurai über Jahrhunderte die Geschichte Japans prägten, steht außer Frage. Das wird auch beim Gang durch die Ausstellung deutlich. Und sie prägten sie eben nicht nur als Krieger, sondern auch als politische Elite.
„Ihre mit höchster Handwerkskunst aus edlen Metallen und kostbaren Stoffen hergestellten Rüstungen waren nicht nur wirkungsvolle Schutzpanzer, sondern auch imposante Statussymbole“, erklärt Nerina Santorius, Kuratorin der Ausstellung in der Kunsthalle.
Dass mit den Samurai im „Westen“ eine bestimmte Vorstellung einhergeht, mag auch mit so manchen bekannten japanischen Filmen zusammenhängen, die hierzulande populär sind - beispielsweise das filmische Werk des Regisseurs Akira Kurosawa, der unter anderem für Klassiker wie „Die sieben Samurai“ oder „Kagemusha – Der Schatten des Kriegers“ verantwortlich ist. Wer sich dementsprechend eine „actiongeladene“ Ausstellung erwartet, sieht sich getäuscht. Denn die bloßen Waffen – auch das Schwert – nehmen nur eine untergeordnete Rolle ein – auch wenn vor allem eines dieser Exponate ins Auge fällt: Dabei handelt es sich um ein Schwert (Efu No Tachi) aus der Zeit um 1660. Die Beleuchtung und die Anordnung der Exponate unterstreichen den Stellenwert der Ästhetik der Ausstellung, für den Besucher sind die Einzelstücke allesamt so angeordnet, dass er die Verzierungen und Verarbeitungen exakt studieren kann. Neben den Materialien wie Metall, Holz, Leder und Lack können auch Motive wie Dämonen, Drachen, siegesverheißende Pflanzen oder buddhistische Schutzgötter beispielsweise auf den Rüstungen erkannt werden.
Informative Wandtafeln vermitteln den Besuchern einen mehr als nur oberflächlichen Eindruck in die Geschichte der Samurai und ihre Bedeutung.
Ihre „Hochzeit“ als Stand hatten die Samurai von Ende des 12. Jahrhunderts bis zum späten 19. Jahrhundert. Eng verbunden ist der Aufstieg der Samurai mit dem der Shogune, der obersten militärischen Befehlshaber, die vom Kaiser die Regierungsmacht übernahmen. Es begann in den folgenden Jahrhunderten die Zeit der Kämpfe zwischen regionalen Samurai-Fürsten, bekannt als die „Zeit der streitenden Reiche“ und prägend für die westliche Vorstellung des rituellen Selbstmords (Harakiri) der Samurai.
Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte sich ein Shogun durchgesetzt, und die so genannte „Edo- Zeit“ (Friedensepoche) begann. Die Samurai passten sich in dieser weltpolitisch abgeschotteten Zeit an, blieben Krieger im Wartestand, den sie mit Verwaltungsaufgaben und ethischer Vorbildfunktion legitimierten.
Prägend wurde der Ehrenkodex des „bushi-do (der Weg des Kriegers) mit den sieben zentralen Tugenden, die für jeden Samurai galten: Gerechtigkeit, Mut, Güte, Höflichkeit, Aufrichtigkeit, Ehre und Loyalität. „Der Kodex legitimierte die Existenz von Kriegern in Friedenszeiten, indem er die Samurai als moralische Erzieher und Garanten der öffentlichen Ordnung darstellte“, erklärt Santorius.
1868 sollte schließlich zum Schicksalsjahr für die Samurai werden: Das Shogunat wurde abgeschafft, der Tenno, der Kaiser, hatte sich wieder durchgesetzt und der Stand der Samurai wurde aufgelöst. „In einem modernen, sich dem Westen öffnenden Japan war kein Platz mehr für archaische Krieger mit Rüstung und Schwert“, so die Kuratorin. Der Mythos der Samurai lebt aber heute noch: die Ausstellung beweist es.
Servive 1
Die Ausstellung „Samurai – Pracht des japanischen Rittertums“ wird bis zum 30. Juni in der Kunsthalle München der Hypo-Kulturstiftung (Theatinerstraße 8, in den Fünf Höfen, Telefon 089/224412) gezeigt. Sie ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet (am 20. März, 17.April, 15. Mai und 19. Juni bis 22 Uhr, am 5. März und am 29. Juni bis 17 Uhr). Regelmäßig werden Führungen angeboten. Anfahrt zur Kunsthalle mit U-Bahnen U4/U5 bis Odeonsplatz, U3/U6 bis Marienplatz oder Odeonsplatz sowie mit allen S-Bahnen bis Marienplatz.
Im Hirmer Verlag ist begleitend zur Ausstellung ein umfangreicher Katalog mit ca. 200 Farbabbildungen erschienen, der im Shop erhältlich ist. Weitere Informationen im Internet unter www.kunsthalle-muc.de
Service 2
Von den Samurai bis hin zu Philipp Franz von Siebold – 2019 steht Japan im Zentrum des kulturellen Lebens in München. Verschiedene Kunst- und Kulturinstitutionen wie die Kunsthalle München, das Museum Fünf Kontinente, die Deutsch-Japanische Gesellschaft in Bayern und das Japanische Generalkonsulat haben sich zusammengeschlossen, um im Laufe des Jahres die Kultur Japans durch Ausstellungen und Veranstaltungen, wie Vorträge und Konzerte, erlebbar zu machen. Höhepunkt neben der Samurai-Ausstellung ist ab Oktober die Ausstellung „Siebolds Japan“ im Museum Fünf Kontinente: Sie zeigt einzigartige Objekte, die der pionierhafte Forscher und Museologe Philipp Franz von Siebold (1796–1866) von seinen beiden Aufenthalten in Japan 1823 bis 1829 und 1859 bis 1862 mitbrachte. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft lädt ab 23. Februar zu einer Samurai-Filmreihe am Gasteig ein.
Weitere Infos unter www.japan-muc.de
















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