13.03.2019 - 08:39 Uhr
WaidhausDeutschland & Welt

14 Menschen eingeschleust: Polizei schlägt bei Waidhaus zu

Die Bayerische Grenzpolizei und die Bundespolizei haben bei Waidhaus insgesamt 14 eingeschleuste Personen gefunden. Sie wurden hinter eingebauten Zwischenwänden auf unmenschliche Weise transportiert. Ein Schleuser wurde festgenommen.

Hinter der eingebauten Zwischenwand ist kaum Platz.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die Bayerische Grenzpolizei nahm in Zusammenarbeit mit Fahndern der Bundespolizeiinspektion Waidhaus am Sonntag gegen 7 Uhr einen Schleuser fest. "Eine sehr professionell durchgeführte Einschleusung von insgesamt neun Personen von Tschechien nach Deutschland" wurde dabei verhindert, heißt es im Polizeibericht.

Ein 38-jähriger Litauer mit Wohnsitz in Großbritannien hatte in seinem Mercedes Sprinter insgesamt neun Personen in eingebauten Zwischenwänden - mit Unter- und Oberabteil, die jeweils knapp 60 Zentimeter Tiefe hatten - transportiert. Die drei Iraner im Alter von 24 bis 35 Jahren, drei Iraker, 28 bis 37 Jahre, und eine irakische Familie, ein 35-jähriger Mann, seine 33-jährige irakische Frau und der achtjährigen Sohn, mussten ihre unmenschlich engen Verstecke durch eine Klappe mit 40 Zentimeter Durchmesser erreichen. In das obere Abteil gelangten sie durch eine weitere Klappe im Innenraum der doppelten Wand.

Das Versteck hinter der doppelten Wand war so präpariert, dass es nur sehr schwer über den Laderaum entdeckt werden konnte. "Es zeugte von einer guten, handwerklich professionalen Arbeit", heißt es im Polizeibericht. Sechs Personen konnten sich nicht ausweisen, drei Iraner legten gefälschte griechische Identitätskarten vor. Sämtliche Geschleuste waren bei der Kontrolle durch Beamten der Grenzpolizei im Begriff, ihr Versteck zu verlassen und aus dem Fahrzeug auszusteigen.

Ein 35-jähriger Iraner musste wegen gesundheitlicher Probleme in ein Klinikum gebracht werden. Der 38-jährige litauische Schleuser hatte die Gruppe im rumänischen Timisoara in das Fahrzeug geladen und war für einen Schleuserlohn von 1000 Euro insgesamt zehn Stunden ohne Verpflegung und Pause in Richtung Deutschland gefahren und wollte sie am ersten Autobahnparkplatz auf deutschem Gebiet "aussetzen". Bei der Polizeikontrolle wurde festgestellt, dass der Lkw keinen aktuellen Versicherungsschutz hat.

Die irakische Familie wurde an eine Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet, die restlichen sechs Männer nach Tschechien zurückgeschoben. Der Schleuser aus Litauen, der bisher Pizzafahrer in Großbritannien war, wurde am Montag dem Haftrichter beim Amtsgericht Weiden vorgeführt, der Untersuchungshaftbefehl erließ.

Tags darauf, am Montagmittag gegen 13.45 Uhr stand der gleiche Typ Fahrzeug wiederum auf dem Autobahnparkplatz Ulrichsberg Nord auf der A6. Das Fahrzeug war versperrt und vom Fahrzeugführer war weit und breit nichts zu sehen.

Fünf junge Männer aus Syrien stiegen durch ein enges Versteck aus einer Einstiegsklappe an der Unterseite des Fahrzeugs aus. Sie waren ebenfalls von Rumänien aus nach Deutschland gerbracht worden und mussten für die letzte Etappe der Schleusung 2000 Euro bezahlen. Bis zu 12 Stunden waren sie in ihrem engen Versteck und konnten ihre Notdurft lediglich in Getränkeflaschen entrichten.

Ein Minderjähriger wurde in eine Jugendeinrichtung gebracht, die anderen vier Syrer leiteten die Beamten an eine Ersthilfeeinrichtung weiter. Vom bisher unbekannten Fahrer des britischen Fahrzeugs fehlt jede Spur. Die Ermittler der Waidhauser Bundespolizei haben die Ermittlungen aufgenommen.

Der Einstieg von der Ladefläche hinter die eingebaute Zwischenwand.
In diesen beiden Fahrzeugen wurden die Menschen aus Rumänien nach Deutschland geschleust.
Info:

Seit Beginn des Jahres haben die Fahnder der Bundespolizeiinspektion Waidhaus insgesamt neun Schleusungen mit 34 Migranten registriert. Die Ermittler der Inspektion konnten dabei insgesamt 14 Ermittlungsverfahren gegen 13 Schleuser und Beihelfer auch im Rahmen der Nachermittlungen einleiten. Gerade in den letzten Wochen stellen die Ermittler fest, dass die Schleusungsfälle sich wieder häufen. Die Bevölkerung wird gebeten, eventuelle Feststellungen zu melden.

Im vergangenen Jahr 2018 waren 28 Schleusungsfälle, 53 Ermittlungsverfahren gegen 74 Schleuser und Beihelfer eingeleitet werden. Die Gesamtzahl der festgestellten eingeschleusten Personen betrug 2018 insgesamt 186 Personen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.