28.12.2018 - 14:56 Uhr
WaidhausDeutschland & Welt

Bei der Bundespolizei sind die Welpen los

Viel Gewinsel ernten Waidhaus Bundespolizeifahnder bei einer Kontrolle in der Nacht zum Freitag. In einem Renault Thalia sitzen außer Fahrer und Beifahrer 37 Hundewelpen.

Die Bundespolizei heizte extra die Garage, damit kein Hund frieren musste. Rechts im Bild Bundespolizist Alexander Scheck.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Donnerstagnacht, 22.40 Uhr, an der A 6 bei Pleystein. Es hat minus 2 Grad, als Fahnder der Bundespolizei bei Pleystein einen Renault Thalia kontrollieren. Im Auto sind nicht nur Fahrer und Beifahrer aus Ungarn – darin jaulen auch zwei Dutzend Hundewelpen.

Es ist beinahe wie bei russischen Matroschka-Puppen: Immer kommt noch ein Hund und noch ein Hund zum Vorschein. Im Fußraum auf der Beifahrerseite steht eine Hundebox mit fünf Welpen. Auf der Rücksitzbank sind zwei Hundeboxen und ein Karton verstaut. In der Schachtel: zehn Hunde-Junge. Im Kofferraum sind zwei Boxen und ein Hamsterkäfig mit kleinen Hunden untergebracht.

Huskies, Möpse, Malteser, Yorkshire-Terrier, Havaneser, Englische und Französische Bulldoggen, zählt Bundespolizeisprecher Franz Völkl auf. Die Kollegen hätten bei der Kontrolle „viel Gewinsel und mitleiderregende Blicke“ geerntet. „Die Tiere waren erbärmlich eingepfercht“, hat Völkl von den Kollegen erfahren, die in Amtshilfe die Tiere zur Dienststelle brachten. Am Ende sind es 37 Paar Hundeaugen, die interessiert verfolgen, wie es im Polizeibus zur Bundespolizei nach Waidhaus geht. Dort bauen die Beamten in der warmen Garage in Windeseile einen „Laufstall“ auf. Die Laken als Unterlagen sind schnell verwirbelt. Die Bierbänke sind als Barriere auch nicht wirklich eine Herausforderung für 37 junge Hunde. „Denen hat’s bei uns gefallen“, sagt Völkl trocken.

Veterinär Dr. Norbert Sandner vom Landratsamt Neustadt/WN nimmt sich der Tiere an. Er beschlagnahmt die Hunde, die weder geimpft, noch entwurmt sind. Die Welpen werden die nächsten Wochen in Quarantäne verbringen müssen. Das ist eine teure Angelegenheit: „Auf die beiden Ungarn kommen Kosten in Höhe von 20 000 bis 25 000 Euro zu“, meint Sandner. Diese Summe setze sich aus Bußgeld, Impfungen und Unterbringungskosten zusammen. Gegenüber der Bundespolizei gaben der Fahrer (41) und Beifahrer (43) an, die Hunde in Ungarn „nur“ übernommen zu haben. Sie sollten die Tiere nach eigenen Angaben nach Belgien bringen.

Vertreter der Tierheime Wunsiedel, Regensburg und Nürnberg holen die Welpen gegen Mittag in Waidhaus ab. Das Team aus Wunsiedel nimmt 15 Tiere mit. Sechs Bulldoggen bleiben im Heim in Wunsiedel, neun Hunde werden von den Tierheimen Hof und Pfaffengrün abgeholt.

Die Bulldoggen seien in „relativ gutem“ Zustand, meint Roland Schraml, stellvertretender Leiter des Tierheims Wunsiedel, am Abend. Er hofft, dass dies auch so bleibt. Denn: Die Welpen sind zum einen „eindeutig zu früh von der Mutter getrennt“ worden. Er schätzt sie auf sieben bis acht Wochen. Sinnvoll sei eine Trennung ab zehn bis zwölf Wochen. Außerdem fehle den Kleinen jegliche Impfung und Entwurmung. Um international verkauft zu werden, müsste nach zwölf Wochen eine erste Impfung erfolgen, nach weiteren vier Wochen die zweite Impfung. Und erst nach weiteren drei Wochen hätten die Hunde reisen dürfen.

Warum so kleine Hundebabys dann überhaupt durch halb Europa kutschiert werden? „Das Problem sind die Käufer“, sagt Schraml. „Solange es so blöde Leute gibt, die Welpen im Internet bestellen, wird es auch dieses Problem geben.“ Die Welpen in Wunsiedel werden in zwei Dreier-Gruppen in Quarantäne gehalten. Die Fütterungen erfolgen in Schutzanzügen, da Tollwut nicht ausgeschlossen werden kann.

In diesem Renault Thalia waren die Tiere unterwegs.
Tierischer Trubel bei der Bundespolizei Waidhaus.
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