09.11.2018 - 18:13 Uhr
WaidhausDeutschland & Welt

Dürre: Tausende junger Bäume vertrocknet

Die Oberpfalz steuert auf eine Jahrhundertdürre zu. Mit fatalen Auswirkungen auf den Wald.

Förster Stefan Bösl hält einen von zigtausenden verdorrten Setzlingen in den Händen. Die junge Douglasie vor ihm hat es geschafft.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Sorgenvoller Blick von Betriebsleiter Stefan Bösl, Revierleiterin Marion Herweg (rechts) und Referendarin Anna Meindl im Staatswald bei Waidhaus. Der Weg von der Fichtenmonokultur zum Mischwald ist steinig.

Ein Jammer. Revierleiterin Marion Herweg zeigt eine verdorrte Douglasie.

Flossenbürg. (ca) Der heiße Sommer hat massive Auswirkungen auf die Wälder. Bösl, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Flossenbürg, ist verantwortlich für rund 16 000 Hektar Staatswald von Bärnau bis Schönsee, alles östlich der A93. Konkret sind von 27 Hektar Neuanpflanzungen 10 Hektar "komplett kaputt gegangen". Pro Hektar sind im Durchschnitt 3000 bis 5000 Pflanzen betroffen. Pro eingesetzter Topfpflanze kann der Schaden inklusive Pflanzung auf zwei bis drei Euro beziffert werden. Der Schaden liegt also bei grob geschätzt 100 000 Euro.

"Klimatolerant": Douglasie

Hauptsächlich handelt es sich dabei um junge Tannen, aber auch Buchen und Douglasien. "Die ganze Bandbreite, um den Wald fit zu machen für den Wald von morgen", sagt Bösl. Bereits die klimatolerante Douglasie, eine Baumart aus Nordamerika, ist ein Zugeständnis an die veränderten Bedingungen. Die Douglasie verträgt auch Hitze - wenn sie denn die Chance bekäme, Wurzeln zu schlagen. Der Baum mit den weichen, nach Orange riechenden Nadeln war schon einmal in Mitteleuropa verbreitet: vor der Eiszeit. Bösl kennt die Kritik - ob irgendwann eine "Bananenplantage" geplant sei - aber er meint: "Bevor wir keinen Wald haben, müssen wir alles versuchen."

"Das ist eine Situation, wie wir sie noch nie hatten", sagt Bösl - und er ist seit 1985 im Dienst. Eine derartige Trockenheit hat er in noch keiner Saison erlebt, selbst 2003 nicht: Da regnete es zumindest im Herbst. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit selbst in den Herbstmonaten - "es hat nur einmal geregnet und das vor 14 Tagen" - kann Bösl auch keine Herbstkultur anlegen.

Er hofft jetzt tatsächlich auf den Winter für eine Neuanpflanzung. Alles ist möglich. "Früher hatten wir narrischen Frost, viel Schnee." In den letzten Wintern - außer dem letzten - gab es milde Wärmeperioden, meist um Weihnachten. Voraussetzung für eine Winteranpflanzung wäre aber wiederum, dass es vorher regnet. Der Waldboden ist ab zehn Zentimeter Tiefe strohtrocken. Es müsste 14 Tage intensiv regnen. "Ein kleiner Guss nützt uns gar nichts."

Bundesweites Problem

Dann würde Bösl versuchen, neue Setzlinge zu besorgen. Die Bayerische Staatsforsten betreibt in Bindlach bei Bayreuth einen eigenen Pflanzgarten. Der Forst bezieht auch von örtlichen Baumschulen, etwa bei Kahl in Schnackenhof bei Plößberg.

Das Problem besteht deutschlandweit: Der Deutsche Forstwirtschaftsrat schätzt, dass ein Großteil der rund 500 Millionen Setzlinge, die jedes Jahr in den Wäldern nachgepflanzt werden, in diesem Jahr vertrocknet ist - am stärksten betroffen seien der Norden und Osten des Landes. Insgesamt seien schätzungsweise 750 Millionen Setzlinge eingegangen, sagte jüngst Ratspräsident Georg Schirmbeck und sprach von einer "Jahrhundertkatastrophe".

Hintergrund:

Fakt ist: Der Förster hat recht. Seit April fielen in der Oberpfalz, hier Weiden, gerade einmal rund 260 Liter Regen pro Quadratmeter. Normalerweise sollten es im gesamten Zeitraum rund 400 sein, um ein „normales“ Sommerhalbjahr hinzubekommen. Zum Vergleich: 400 Liter haben wir im gesamten 2018 teilweise noch gar nicht geschafft. Im Gesamtjahr 2018 fiel bislang teilweise gerade einmal die Hälfte des Soll-Niederschlages.

Dazu kam der ausgesprochen ausgeprägte Sonnenschein, durch den über den Sommer auch noch jede Menge verdunstet ist – und damit bleibt an Feuchtigkeit eigentlich fast nichts mehr übrig. Nicht zu Unrecht weist der Dürremonitor (www.ufz.de) für die Oberpfalz vor allem in den Bodenschichten unterhalb 25 Zentimeter eine außergewöhnliche Dürre aus.

Tatsächlich steuert 2018 auf einen Rekord zu: Im Jahr 1954 gab es einmal nur insgesamt 460 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Wenn es bis Jahresende weniger als 70 Liter regnen sollte, würde man das Niveau dieses bislang trockensten Jahres seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in den 50er Jahren erreichen. Da große Niederschläge im November wohl aber nicht mehr zu erwarten sind, ist die „Chance“ groß, dass wir diesen Rekord womöglich – leider – brechen könnten. Die Dürre würde sich fortsetzen oder gar noch verschärfen.

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