Erst Angst, dann Jubel: Sulzbach-Rosenberger Hundestaffel half Julia zu suchen

Erst sehr betrübt, dann einfach nur glücklich. Die Sulzbach-Rosenberger Hundestaffel des THW war bei der Suche nach der vermissten Julia im Einsatz. Gruppenführer Horst Ott erzählt von den Stunden zwischen bangen, hoffen und sich freuen.

Die Rettungshundestaffel des THW Sulzbach-Rosenberg nach der Rückkehr aus Tschechien: mit Einsatzleiter Harald Eßner (Dritter von rechts) und Gruppenführer Horst Ott (Vierter von links)
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Und plötzlich war es wie bei einer Party." Horst Ott war im deutsch-tschechischen Grenzgebiet vor Ort, als am Dienstagnachmittag die erlösende Nachricht die Runde macht. "Julia ist gefunden. Sie lebt." Ott ist beim THW Sulzbach-Rosenberg aktiv, als Gruppenführer in der Suchhunde-Staffel. Einsatzleiter Harald Eßner habe gerade die letzten Informationen mitgeteilt, die Gruppe war kurz davor in die ihr zugeteilten Waldgebiete aufzubrechen, um nach der seit Sonntag verschwundenen Achtjährigen zu suchen.

In der Einsatzzentrale nahe des Bergs Čerchov sei bis dahin nicht viel gesprochen worden, die Stimmung war gedrückt, erinnert sich Ott. Auch wenn es niemand von den Helfern ausgesprochen habe: "Natürlich haben wir uns alle unsere Gedanken darüber gemacht, dass die Aussichten nicht sehr gut sind." Auch innerhalb des zwölfköpfigen Teams der Sulzbach-Rosenberger Hundestaffel war die Stimmung gedämpft, weil jeder um die schlechten Chancen wusste. "Wir haben alle Kinder. Das war nicht schön."

Tatsächlich hatten Einsatzleiter Eßner, Gruppenführer Ott und ihre Truppe Einblick aus erster Hand. Der Einsatz am Dienstag wäre bereits ihr zweiter gewesen. Schon wenige Stunden nach dem Verschwinden des Mädchens am Sonntagabend war die Hundestaffel aus Sulzbach-Rosenberg vor Ort.

Schon 16 Stunden gesucht

Die junge Berlinerin war zuvor mit ihrer Familie im oberpfälzisch-tschechischen Grenzgebiet zum Wandern unterwegs, als sie plötzlich nicht mehr auffindbar war. Ab 21 Uhr beteiligten sich die Sulzbach-Rosenberger an der Suche nach ihr. 16 Stunden durchforsteten die zwölf Helfer mit ihren sechs Hunden den Wald bis weit in den Montagvormittag hinein.

Aufgeteilt in drei Gebiete, mit Flächensuchhunden und sogenannten Mantrailern, suchen die Einsatzkräfte aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach nach der vermissten Achtjährigen. "Wir haben Hundeteams, das sind immer zwei Menschen und ein Hund. Mit GPS-Geräten können wir bei der Suche nachvollziehen, wo wir uns aufhalten", erklärt Ott die Vorgehensweise der Truppe. Die Flächensuchhunde sind dabei darauf spezialisiert, in größeren Gebieten ganz allgemein nach Menschen zu suche. Die Einsatzkräfte erhalten dafür eine Fläche zugeteilt, die sie anschließend mit ihren Hunden absuchen. Mantrailer nehmen dagegen direkt die Witterung der vermissten Person auf - etwa indem ihnen ein Kleidungsstück der Gesuchten vorgehalten wird.

Während der Suche begegnete Ott am Montagmorgen auch dem Vater des Mädchens. "Natürlich haben wir ihm Mut gemacht." Aber schon zu diesem Zeitpunkt wuchsen die Sorgen. "Es war wirklich sehr kalt in der Nacht.", erinnert sich der Gruppenführer. Allen war wegen des rauen Herbstklimas in der Mittelgebirgsregion klar, dass die Suche auch ein Wettlauf gegen Zeit und Kälte sein wird, deshalb wurden auch schnell immer mehr Helfer alarmiert. Bis zu 1400 Menschen aus Deutschland und Tschechien waren insgesamt an der Suchaktion beteiligt. Alleine 80 Hundestaffeln aus ganz Deutschland eilten dem Mädchen von Sonntag bis Dienstag zu Hilfe.

"So groß wie Nürnberg"

Weshalb Julia solange unentdeckt blieb, obwohl über tausend Helfer nach ihr gesucht haben - auch Horst Ott kann hierüber nur mutmaßen. Fest steht, dass die Suche durch die äußeren Umstände selbst sehr schwer gewesen sei. "Der Wald ist so groß wie Nürnberg." Dazu komme das bergige, beinahe alpine Gelände. Das Areal galt im Kalten Krieg zudem als militärisches Sperrgebiet, bis heute gebe es keine Siedlung im weiteren Umkreis. Selbst für Oberpfälzer Verhältnisse sei der Landstrich deshalb extrem einsam und verlassen.

In diese Gegend brachen die Sulzbach-Rosenberger am Dienstagvormittag zur zweiten Schicht auf. Die Hoffnung lag zu diesem Zeitpunkt schon mehr oder weniger am Boden. Vor Ort erfuhr die THW-Truppe dann auch noch, dass sie die letzte frische Einheit sei, die für die Suche angefordert worden sei. "Natürlich wäre auch danach weitergesucht worden", sagt Ott. Aber der Fokus hätte dann wohl nicht mehr darauf gelegen, das Mädchen schnell und vor allem lebend zu finden. Die Gedanken, was das für die kleine Julia zu bedeuten hat, werden dann aber gegen 14 Uhr durch die freudige Nachricht vertrieben.

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Hintergrund:

Die Suche nach Julia: 70 dramatische Stunden

  • Am Sonntagnachmittag ist Julia mit ihrer Familie zum Wandern am Čerchov (deutsch Schwarzberg; 1042 Meter über Null) unterwegs
  • Mit Bruder und Cousin entfernt sich die Achtjährige von den Eltern. Diese können im Anschluss nur die beiden Jungen wiederfinden.
  • Nachdem die Polizei alarmiert ist, nehmen Helfer ab Sonntagabend die Suche auf.
  • Am Montagmorgen beginnt die Öffentlichkeitsfahndung. Die Polizei veröffentlicht ein Bild und eine Beschreibung des 1,40 Meter großen Mädchens.
  • Auch in der Nacht zum Dienstag geht die Suche weiter. Bis zu 1400 Helfer sind eingebunden. Auch die Anteilnahme der Menschen vor Ort sei riesig, meldet das Oberpfälzer Polizeipräsidium.
  • Am Dienstag um 13.51 Uhr verkündet die Tschechische Polizei via Twitter "Hervorragende Nachrichten", das Mädchen sei gefunden und am Leben.
  • Laut "Bild" haben tschechische Forstarbeiter Julia in einem Unterstand gefunden, Luftlinie etwa vier Kilometer südöstlich vom Ort des Verschwinden des Mädchens.
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