16.02.2020 - 12:02 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Die absolute Harmonie der vier Hände

Beim Waldsassener Klavierkonzert interpretieren Markus Bellheim und Edgar Krapp brillant Meisterwerke von Mozart, Schubert, Debussy und Ravel. Die Zuhörer erfahren, wie perfekt Musiker harmonieren können.

Zwei perfekte Meister zu vier Händen an einem Flügel beim Kammermusikkonzert im Harmoniesaal des alten Abtschlosses in Waldsassen: Markus Bellheim (links) und Edgar Krapp.
von Redaktion ONETZProfil
Zwei perfekte Meister zu vier Händen an einem Flügel beim Kammermusikkonzert im Harmoniesaal des alten Abtschlosses in Waldsassen: Markus Bellheim (links) und Edgar Krapp.
Zwei perfekte Meister zu vier Händen an einem Flügel beim Kammermusikkonzert im Harmoniesaal des alten Abtschlosses in Waldsassen: Markus Bellheim (links) und Edgar Krapp.

Im ehemaligen Abtschloss Waldsassen konzertierte der hier von zahlreichen Orgelkonzerten her bestens bekannte gebürtige Bamberger Edgar Krapp als Emeritus mit seinem Partner, dem Münchener Klavierprofessor Markus Bellheim auf dem Steinway-Flügel. „Klavier zu vier Händen“ – das Konzert des Waldsassener Kammermusikkreises im Harmoniesaal erzeugte durch die stimmige Literaturauswahl in den Originalfassungen, die man selten zu hören bekommt, und die ungetrübt brillante Interpretationskunst in perfektem Zusammenspiel absolute Harmonie.

Die beiden Tastenmagier Bellheim und Krapp sind nicht nur Maestri ihres Faches, sie dürfen als Magnifizenzen ihrer Profession mit energiegeladener Noblesse verstanden werden. Mühelos alternieren sie als Primo- oder Secondo-Spieler. Mit Präzisionstechnik und der geballten Wucht des Steinway-Flügels zaubern sie Tonwerke in höchster künstlerischer Dimension in den Saal und überzeugen mit individuell ausgereifter Note.

Ungekünstelter Vortrag

Vermutlich haben sie den gleichen Pulsschlag, atmen synchron aus verwandter musikalischer Atmosphäre. Ungekünstelt tragen sie in feinen Nuancen die Dynamik der Melodien vor, bringen eine Synthese aus Leichtigkeit im Anschlag und austarierter Ausdrucksstärke zum Klingen. Es ist nicht verwunderlich, dass nicht nur in der Pause Stimmen laut werden wie: "Wahnsinn", "klasse", "traumhaft", "ergreifend schön". Was die Zuhörer ergreift, ist die starke Emotionalität empfundener Symphonik.

Zum Auftakt wird das bedeutendste Werk für Klavier zu vier Händen, die Sonate F-Dur, KV 497, von Wolfgang Amadeus Mozart gestaltet, die „Krone der Gattung“, wie sie der Mozart-Kenner Albert Einstein bezeichnet hat. Die ernste Adagio-Einleitung wechselt zu nahezu sinfonischem Anstrich und verbreitet frühromantische Stimmung. Dem von dramatischen Läufen bestimmten Hauptthema – die rollenden Bässe modulieren dabei durch viele Tonarten – antwortet ein Seitenthema mit einer Melodie, die in Moll wiederholt wird.

Virtuosität und Präzision

Das Allegro di molto ist erfrischend heiter, rhythmisch heikel. Mit dem romanzenartigen B-Dur-Andante in kantablen Bögen beenden schnelle Sechzehntel-Läufe ein witziges Allegro in Rondo-Form, in dem die Virtuosität und Präzision beider Partner beim Zusammenspiel glänzend zum Ausdruck gelangt. Die beiden folgenden Werke aus dessen letztem Lebensjahr sind Franz Schubert gewidmet und lassen schon beim dritten Akkord Anklang an die Stimmung seiner Wanderer-Fantasie erkennen.

Schuberts bedeutendste Klavierkomposition ist die Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen, D 940, die er seiner Schülerin Caroline von Esterházy, in die er heimlich verliebt war, widmete. Die Akkordbrechungen, mit denen der zweite Pianist die Fantasie im tiefen Register eröffnet, pendeln zwischen zwei Stufen: f (für Franz) und c (für Caroline). Tiefes Ergriffensein überträgt sich auf die Zuhörer, vor allem durch das durchsichtig wiederkehrende Thema und das zärtlich weiche Piano.

Der Verleger der Komposition Allegro a-Moll, D 947, wählte dafür den wohl treffsicheren Titel „Lebensstürme“. Im monumentalsten Sonatensatz für vierhändiges Klavier, der die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in ergreifenden Melodien umsetzt, eröffnet das Allegro die musikalische Aussage in immer wieder hereinbrechenden dramatischen Akkord-Repetitionen des Hauptthemas. Das Seitenthema allerdings entführt die Zuhörer in eine andere Welt entrückender Harmonie.

Farben des Impressionismus

Im dritten Block erklingt eine ganz andere Stimmung mit dem Farbenreichtum französischer Impressionisten. In der viersätzigen „Petite Suite“ zeigen sich etliche harmonische Kühnheiten Claude Debussys, wenn atmosphärisch dichte musikalische Bilder gezeichnet werden. „En bateau“ („Im Boot“) singt der Discant-Spieler eine weiche Melodie über den gebrochenen Akkorden des Bass-Spielers. So werden die Wellenbewegungen auf der Wasseroberfläche reflektiert. Der Aufzugsmarsch „Cortège“ ist ein kontrastierendes Scherzando, das „Menuet“ fordert die Balance zwischen den beiden Spielern im Besonderen heraus. Das abschließende „Ballet“ mit schnellen, marschartigen Rhythmen und einem wiegenden Walzer kann als virtuoses Schlusswort verstanden werden.

Maurice Ravel schrieb seine fünfteilige Suite „Ma Mère l'Oye“ für die Kinder einer befreundeten polnischen Familie. Darin vertonte er vier bekannte Märchen. Besonders anrührend ist die Bildhaftigkeit bei der „Unterhaltung zwischen der Schönen und dem Biest“, wo ein zartes Glissando das Ungeheuer in einen schönen Prinzen verwandelt. Das fünfte und letzte Stück „Le jardin féerique“ („Der Zaubergarten“) hat er vermutlich selbst erfunden als wirkungsvollen Abschluss in strahlendem C-Dur. Als Encore spielen Krapp und Bellheim Schuberts „Kindermarsch“ mit noch immer bewegender Energie.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.