02.11.2018 - 12:10 Uhr
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Äbtissin Laetitia im Kloster Waldsassen: "Ich gehöre hierher"

Als junge Ordensschwester stand Laetitia Fech 1993 im maroden Kloster Waldsassen. Die Schwäbin hat gespürt, das ist ihr Platz. In unserer Zugroast-Serie gesteht die Äbtissin, dass sie sich mittlerweile als Stiftländerin fühlt.

M. Laetitia Fech ist seit 1995 Äbtissin des Klosters Waldsassen.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Lastwagensitze und Fahrräder, Porzellan und Straßenwalzen, Chips und Zoigl. Es gibt fast nichts, was von den Unternehmen in der Oberpfalz nicht hergestellt wird. Das lockt an. Menschen aus der ganzen Welt ziehen in die Oberpfalz - und finden eine neue Heimat. Hier erzählen sie davon. Heute mit M. Laetitia Fech, der Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Waldsassen (61). Sie ist in München geboren und in Augsburg aufgewachsen. 1993 besuchte sie das Kloster Waldsassen (Kreis Tirschenreuth) zum ersten Mal. Seit 1995 hat die gelernte Hauswirtschafterin, Stickerin für liturgische Gewänder und Kunstwissenschaftlerin dort als Äbtissin die Leitung inne.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Äbtissin Laetitia: Hm. Das sagt man so. Ich glaube, jeder Menschenschlag hat etwas wie Grantler und Sturköpfe. Ich komme aus Bayerisch-Schwaben, da gibt es sie auch. Aber der Oberpfälzer hat schon einen Menschenschlag, der für mich ungewohnt war. Aber wenn sie dich mögen, dann mögen sie dich wirklich.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen?

Äbtissin Laetitia: Absolut ohne Vorurteile. Waldsassen war eine neue Berufung. Meine erste Berufung war, ins Kloster zu gehen. Die zweite hier inWaldsassen, als ich im Klostergang dieses maroden Hauses stand und gespürt habe: Ich gehöre hierher. Ich habe damals ‒ ich war 37 ‒ gehofft, dass das Kloster weiterleben darf. Jetzt sind wir zwar nur acht Schwestern, aber eine junge Gemeinschaft. Die Erwartung hat sich also erfüllt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Im Video: Ein Besuch in der Abtei Waldsassen

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren?

Äbtissin Laetitia: Nein, aber ich denke an meine Heimat in Schwaben. Aber das Kloster Waldsassen ist meine zweite Heimat. Wir leben nach der Regel "stabilitas loci", wir bleiben an einem Ort bis zum Tod. Ich muss diesen Ort wirklich lieben, um so lange bleiben zu können. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, wegzugehen.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Äbtissin Laetitia: Ich erzähle ihnen, was hier los ist, zum Beispiel, dass sich das Kloster von einer Raupe in einen Schmetterling gemausert hat. Wenn Besuch kommt, zeige ich es ihnen voll Freude. Hier in der Region ist in den letzten 20 Jahren viel Positives geschehen, auch das gebe ich weiter.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken?

Äbtissin Laetitia: Ich trinke auch gerne mal am Sonntagabend ein Bier. Das gibt es für uns Schwestern nur Sonntagabend. Der Dialekt bereitet mir bis heute Schwierigkeiten. Den Dialekt versteht nur, wer hier aufgewachsen ist. Wenn die Angestellten untereinander Oberpfälzisch sprechen, sage ich: "Bitte redet mal Deutsch, damit ich euch verstehe."

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzerin?

Äbtissin Laetitia: Im Herzen bleibe ich Schwäbin. Ich fühle mich als Stiftländerin, das würde ich schon sagen ‒ nicht als Oberpfälzerin. Mir liegt das Stiftland sehr am Herzen.

M. Laetitia Fech ist seit 1995 Äbtissin des Klosters Waldsassen.
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