Die Bezeichnung „Rampensau“ für einen Bühnenstar ist normalerweise als Kompliment zu betrachten. Für die freche, quirlige, attraktive und dazu begnadete Bluesmusikerin Beata Kossowska will man dieses Wort nur ungerne verwenden. Begnadete Performerin wäre wohl der bessere Ausdruck. Die Polin, die ihre Stimme und ihr Instrument wie keine andere beherrscht (und dazu einen sexy Auftritt in High-Heels-Stiefeln mit roten Sohlen und Minirock hinlegt) stiehlt dem Neumarkter Bluesmusiker Wolfgang Bernreuther am Samstag fast die Schau.
Es sind drei total „Verrückte“, die zum Saisonauftakt des Kunsthauses am Samstag eine Show liefern, die das Blut des Publikums zum Wallen bringt. Da kochen literweise Lebenssäfte, wenn Bernreuther in die Gitarrensaiten greift, Harry Hirschmann den Bass dröhnen lässt und Beata Kossoska die Mundharmonika „geigt“, dass es einem schwindelig wird. Ein Rhythmus, der direkt von den Füßen in den Kopf bis in die Haarspitzen steigt.
Ab der ersten Tonfolge wippen die Füße, nicken die Köpfe den Blues ab. Das steigert sich, bis Bravorufe, Pfiffe und Begeisterung die Bühne erreichen. Was das Trio auf der kleinen Bühne auslebt, ist Meisterleistung hoch drei. Bernreuther verkörpert den Blues als Lebensgefühl, dafür ist er jüngst vom "Forum Kultur" der Metropolregion Nürnberg zum "Künstler des Monats" gekürt worden. Dass er vor zehn Jahren den „polnischen Blues-Engel“ gefunden hat, muss ein Geschenk Gottes gewesen sein. Und Hirschmann, seit zwei Jahren bei der Band, ist eine begnadeter Musiker, der unter anderem viele Jahre mit Kevin Coyne auf der Bühne stand.
Der Bandleader lobt das Kunsthaus wegen der bombastischen Akkustik. Die Schlagzeile „Bernreuther is back“ habe ihn, den gebürtigen Waldsassener, sehr gefreut. Wenn Beata Kossowska loslegt, dann präsentiert sie eine ungebändigte Wildheit am Instrument, Gänsehautfeeling pur. Es ist ein Augenschmaus, wenn „The red button“ angestimmt wird, gefolgt von „Let me be“ oder die Ballade „Rainbow Raider“.
Dabei sind die Songtexte oftmals nur banal wie das Leben selbst. Aber sind wir nicht alle ein wenig wie ein „Rainbow Raider“? In „I wonder why“ besingt Bernreuther die Zeit der ewigen Verliebtheit. Anekdoten aus seinem Leben würzen das Konzert, gehören zu den Songs wie sein Humor. Sich selbst nicht ernst nehmen, den Blues grooven, fertig: Das ist die Botschaft dieser Musik und der Künstler, die sie auf die Bühne bringen.
Mit "Red House" von Jimi Hendrix wird es rockig, die Slide-Gitarre liefert sich ein Gefecht mit der Mundharmoika. Mit „Baby please don’t go“ werden alte Klassiker neu interpretiert. Und „Knockin‘ on heaven’s door“ von Bob Dylan entwickelt sich zu einem Höhepunkt des Abends. Noch einmal beweisen die Musiker ihr Können. Das Publikum ist begeistert. Kunsthaus-Vorsitzender Wolfgang Horn zeigt sich euphorisch Begeisterung: "Wie sollen wir das noch steigern?" Drei Zugaben kommen gerade recht und die „United Blues Experience“ beweist, dass sie zu einer der explosivsten und abwechslungsreichsten Blues-Bands Bayern zählt.















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