21.11.2018 - 15:32 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Coconami: Wunderlich und fremdvertraut

Gelegentlich ist das Leben auf einer Bühne bizarr. Zum Beispiel dann, wenn da oben auf den Brettern eine Japanerin namens Nami und ihr Landsmann namens Miyaji stehen, mit nichts als zwei Mikrofonen und zwei Ukulelen im Anschlag.

Das Wiedersehen mit Coconami nach fast 4 Jahren bringt auch manch neue Gewichtung mit sich. Die Ukulele ist nicht mehr in jedem Song dabei, dafür gerne die 4-saitige-Zigarrenkistenbox, ein neues Lieblingsinstrument von Miyaji (links). Textlich bewegen sich Coconami mit Sängerin Nami auf „Saikai“ gerne auf absurdem Terrain.
von Autor MFGProfil

Coconami nennt sich der skurrile Zweier, das Duo erstaunt seit beinahe 15 Jahren die Neugierigen unter uns, mit inzwischen weit mehr als hundert absolvierten Konzerten und ganz aktuell vier Alben. Am Samstag, 24. November (19.30 Uhr) stellen sie ihr aktuelles Album "Saikai" als Oberpfalz-Premiere im Kunsthaus Waldsassen vor.

"Alles auf diesem Planeten ist Musik, darum geht es letztlich", kichert Nami kokett, wenn sie den Anspruch von Coconami erklärt. "Unsere Lieder sind wunderlich und fremdvertraut zur selben Zeit. Wir haben eigene Kompositionen auf Lager. Und wenn wir Bekanntes covern, machen wir uns darüber nicht lustig, sondern nehmen alle Lieder vollkommen ernst. Aber wir reduzieren Evergreens auf ihren Ursprung. Das macht sie vermutlich ein wenig seltsam."

Kein Paar

Nami und Miyaji leben beide seit gut 20 Jahren in München und nein - sie sind kein Paar: "Wir sind beide der Liebe wegen in die bayerische Landeshauptstadt gezogen, haben deutsche beziehungsweise - in meinem Fall - japanische Partner", erzählt Nami. "Außerdem gehen wir ordentlichen Jobs nach - Miyaji ist eigentlich Ingenieur, doch eine Zeitlang frönte er seiner Obsession als Bäcker, aktuell ist er Hausmann und kümmert sich gewissenhaft um seinen Sohn. Ich bin Musiktherapeutin, das läuft alles wunderbar. Und dann sind wir uns Anfang des neuen Jahrhunderts über den Weg gelaufen und haben spontan beschlossen, zusammen Lieder zu komponieren, gemeinsam künstlerisch tätig zu werden. Wir waren uns von Beginn an darüber im Klaren, dass wir uns in Originalität suhlen werden."

Coconami werden bei ihren Auftritten zunächst mal komisch angesehen: Zwei Asiaten, die mit Kinderinstrumenten wie Block- und Nasenflöte, Kazoo oder eben der Ukulele eine schrullige Mixtur aus Landler und Punk, Japanischem und Bayerischem, Eigengebrautem und Evergreen zum Besten geben. Da wird Adriano Celentanos Klassiker "Azzurro" schon mal vom Blatt vorgelesen, "Veronika der Lenz ist da" von den Comedian Harmonists wird stilistisch nach Hawaii verpflanzt, die Punk-Legende Ramones mutiert zum Folk-Abenteuer. "Wichtig ist, dass wir uns von außen keinerlei Stilrichtung auferlegen lassen", beharrt Nami. "Wir sind absolut offen für jegliche Musikart. Und sämtliche Stile dieser Welt nehmen wir uns ganz schlicht vor, zerpflücken sie und basteln letztendlich daraus eine ganz eigene Version von Minimal Music."

Schräge Klänge

Gerne werden Coconami als japanische, mit schrägen Klängen unterlegte Version von Karl Valentin bestaunt. Was dem Duo nicht recht ist: "Wir sind nicht auf Humor- oder gar Dada-Mission", ist Nami überzeugt. "Aber wir haben auch kein Problem damit, wenn einige Menschen uns darauf sehen wollen. Wir betrachten uns eher als mal neugierig, mal fatalistisch. Und am Ende geht es darum, dass wir selbst wie unser Publikum nach einem Gig glücklich und selig nach Hause gehen."

Das aktuelle Album trägt den japanischen Titel "Saikai", was auf Deutsch "Wiedervereinigung" bedeutet. "Wir haben dieses Motto gewählt", erklärt Nami, "weil Miyaji eine Zeitlang überhaupt keine Lust hatte, Musik zu machen. Die Ukulele hat ihn ziemlich gelangweilt. Coconami stand kurz vor dem Aus. Doch dann hat mein Kreativ-Partner die 4-saitige kubanische Zigarrenkisten-Box für sich entdeckt. Das ist eine Art akustische Bass-Gitarre. Die begeistert Miyaji völlig! Seither ist seine Obsession für Klänge zurück. Ohne dieses Instrument wäre "Saikai" niemals entstanden."

Am Sound des skurrilen Duos hat sich auch durch diesen Neuzugang nicht groß etwas geändert, erklärt Nami: "Wir sind nach wie vor begeistert von der Kunst der Reduktion. Bei uns gilt die Devise: Weniger ist mehr. Wir lassen fürs Publikum gerne eine Lücke frei, damit es sich radikal persönlich in unser Klangbild einbringen kann."

___Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

Cover der neuen CD "Saikai".
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