28.01.2019 - 14:42 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Geschichten, die eine Gitarre schreibt

Stefan Grasse überzeugt beim Waldsassener Kammermusikkreis

Stefan Grasse beherrscht sein Instrument meisterhaft. Dabei sind es seine Eigenkompositionen, die den Bogen zwischen Klassik und Moderne bestens spannen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Mit einem charmanten und erfolgreichen Virtuosen, der seiner Gitarre Lebensgeschichten abverlangen kann, startete der Kammermusikkreis Walsassen in die diesjährige Konzertsaison. Zwar ist am Sonntagnachmittag der schöne Harmoniesaal nicht voll besetzt,dennoch findet der Gitarrist, Komponist und Ensembleleiter Stefan Grasse aus Nürnberg ein sehr aufmerksames und dankbares Publikum vor.

Grasse, mehrfach für seine Musik ausgezeichnet, gilt als Vertreter eines neuen Künstlertyps. Einfühlsamkeit wird ihm nachgesagt und viel Gespür für die Annäherung an verschiedenste Musikstile von Lateinamerika über Afrika bis Indien, die er erfolgreich mit seinen europäischen Wurzeln zu verknüpfen weiß. Zwar bekommen die Gäste auch Werke von großen Komponisten zu hören, aber vor allen Dingen liefert Grasse dem Waldsassener Publikum mit seinen Eigenkompositionen einen Einblick in seine eigenen und eigenwillig-wohlklingenden Gitarreninterpretationen.

Beginnend mit Werken des Brasilianers Villa-Lobos bringt der Gitarrenvirtuose danach sogleich mit „Viaje a Rosario“ ein hervorragendes Eigenwerk zu Gehör. Hier hat er seine Reiseimpressionen über eine Busfahrt von Buenos Aires zu Freunden in ein argentinisches Dorf verarbeitt. Überhaupt sind nahezu alle eigenen Werke mit Geschichten oder persönlichen Erlebnissen behaftet. Nach einer Interpretation von Komponist Francisco Tarrega, der auch Chopin für Gitarre bearbeitet hat, lässt Grasse mit den „Familiensuiten“ sogar ins Privatleben scauen.

„Prelude for Raphael“ hat er älteren Sohn gewidmet. Der Titel „Adrian’s Bedtime-Story“ erzählt humorvoll von Vorlesestunden eines Vaters, der seinen damals dreijährigen Adrian nicht zum Einschlafen bringen konnte. „Entre cielo y tierra“ (übersetzt „Zwischen Himmel und Erde“) wird zur Symbiose von Erdverbundenheit und sphärischen Himmelswelten. Beeindruckend schön, reicht als Kommentar dazu aus. Das Persönliche, verbunden mit Spiel- und Experimentierfreude am Instrument ist es, was den Zugang zu dieser modernen Gitarrenmusik leicht macht. Bei solch anspruchsvollen Darbietungen ist man versucht, die Hintergründe beim Zuhören zu erspüren in feurigen wie melancholischen Klangfolgen. Die Emotionen schwanken zwischen „Augen zu und sich fallen lassen“ und dem Augenschmaus, einen Meister am Instrument zu erleben.

Nach der Pause lässt Grasse seine Zuhörer in Bachs Lautensuite hineinhören, um sogleich wieder mit Eigenem den Takt anzugeben. Sehr schön ist der Bolero „Adios mi Viejo“. Dieses Stück beschreibt den Wegzug eines Freundes in den Süden. Aber auch für den Musiker fremde Personen kommen in den Genuss, zur Grasse-Komposition zu werden. In „El Sueno del Chico keniata“ hat der Nürnberger die wahre Geschichte eines auf einer Müllhalde aufgewachsenen afrikanischen Jungens musikalisch umgesetzt. „La Catedral Preludio“ heißt das Stück von Aqustin Barrios aus dem 19. Jahrhundert. Es soll nicht das Ende des Konzerts sein. Erst zwei Zugaben später wird Stefan Grasse unter dankbarem Applaus entlassen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.